17.02.2020 09:36 Uhr

Herbert Köfer wird 99: Liebe Teenies, liebe Wessis, hier erklären wir den Star!

imago images / tagesspiegel

Herbert Köfer wird heute 99 Jahre jung. Er gilt als der weltweit älteste noch immer fleissig agierende Schauspieler. Und er kommt aus dem Osten. Zwei unfassbare Dinge.

Geboren am 17. Februar 1921! Wow – was für ein Datum! Herbert Köfer gehörte zur Schauspiel-Elite der DDR. Ein echter DDR-Star, damals nannte man das im Osten „Fernseh-Liebling“. Die Liste, was dieser Mann nicht gemacht hat, ist wesentlich kürzer, als all die Produktionen aufzuzählen, in denen er aufgetreten ist. Aber der Reihe nach.

Herbert Köfer wird 99: Liebe Teenies, liebe Wessis, hier erklären wir den Star!

Köfer 2004 in „Pension Schöller“. Foto: imago images / Scherf

Der Jubilar ist Berliner, er wurde in Prenzlauer Berg geboren. Bei allen Fans von „Babylon Berlin“ (die Serie spielt 1929) dürfen ruhig mal ein paar Bilder hochkommen – schon zu der Zeit flitzte Herbert Köfer durch die Hinterhöfe. Das muss man sich mal vorstellen!

Mit der „Aktuellen Kamera“ begann die TV-Karriere

Von 1937 – 1940 absolvierte er eine Schauspielausbildung, danach spielte er an verschiedenen Theatern, landete bei der Wehrmacht und in britischer Gefangenschaft.

Die „Aktuelle Kamera“ war so was wie die „Tagesschau“ des Ostens, nur auf sozialistisch tiefrot durchgefärbt und Verlautbarungsorgan von SED-Parteichef Honecker und Konsorten. Hat fast kein Mensch in der DDR gesehen, außer in dem Teil des Landes, in dem kein „Westfernsehen“ empfangen werden konnte (im „Tal der Ahnungslosen“ rund um Dresden). Das SED-Parteimitglied Herbert Köfer startete jedenfalls seine Fernseh-Karriere als Nachrichtensprecher in der „AK“. Das war 21. Dezember 1952 und somit war er der erste Nachrichtensprecher im deutschen Fernsehen!

Ein Platz in der Geschichte, den ihm niemand streitig machen kann.

Ein Mega-Star in der kleinen DDR

Herbert Köfer hat früher auch ganz viel Theater gespielt, aber seinen Domäne war eindeutig das Fernsehen. Zwei Programme gab es in dem kleinen Land DDR und – jetzt übertreiben wir ein bisschen – auf einem der Kanäle war garantiert was mit Köfer zu sehen. Er hat alles gespielt: die Ulknudel, den oberfiesen SS-Mann in „Nackt unter Wölfen“ und er hat als Moderator durch Unterhaltungssendungen geführt. Die Nazi-Nummer hat ihm das Publikum verübelt, er hat es brillant gespielt, aber sein Publikum wollte Köfer in lustigen Rollen sehen, nicht in sowas!

Ganz vorn zu nennen sind die Fernseh-Schwänke aus den 1970ern aus dem Studio in Berlin-Adlershof. So was wie die Millowitsch-Schwänke im Westfernsehen. Die waren beides mal echte Straßenfeger. Darüber lachten Eure Omas und Opas!

Wo kann man Köfers Filme noch sehen heute? Wer als gelernter, sogenannter „DDR-Bürger“ mal Heimweh bekommt, wird bestimmt in der Mediathek des MDR fündig. Das sind die Aufzeichnungen, die mit dem schwarzen Rand links und rechts gesendet werden, weil das Sendeformat veraltet ist. Dort laufen die Lustspiele rund um „Maxe Baumann“ (Titelfigur wurde von Gerd E. Schäfer gespielt – auch eine Legende, aber leider schon 2001 verstorben). Und immer mittenmang – Herbert Köfer. Die erste Garnitur der DDR-Schauspieler spielte in den den sehr bunten volkstümlichen Kulissen die Verwechslungen und Verwicklungen von Nachbarn und Verwandten rund um besagten „Maxe Baumann“. Eine Armada von Namen, die jedem Bewohner der Ex-DDR über 40 was sagen dürfte, spielte mit Herbert Köfer: Helga Hahnemann, Helga Göring, Margot Ebert, Ursula Staack, Rolf Herricht u.v.m.

Einmal im Jahr konnten die Leser der „FF dabei“ – so hieß die einzige TV-Zeitschrift in der DDR – ihre Schauspiel-Lieblinge wählen. Herbert Köfer wurde in seiner aktiven Zeit immerhin fünf mal zum „Fernsehliebling“ gewählt.

Seine Serien waren Quotenhits

Seine Rollen sind die Serien-Klassiker des DDR-Fernsehens: „Rentner haben niemals Zeit“, „Geschichten übern Gartenzaun“, „Neumanns Geschichten“, „Familie Neumann“. Alles heile Welt. Abgesehen von den kleinen zwischenmenschlichen Problemchen. Natürlich war Herbert Köfer auch immer mal wieder im „Polizeiruf 110“ zu sehen. Außer TV (den 2 lausigen Programmen), gab es in der DDR noch Rundfunk, ebenfalls in zweifacher Ausführung. Die zweite große Spielwiese des aktiven 99jährigen ist das Hörspiel, Moderation und Sprechertätigkeiten. Denn warum soll man mit 99 denn schon in den Ruhestand gehen? Allein seine Stimme ist unverwechselbar.

Jahrelang trug Köfer auch mal ein tiefdunkles Toupet, von dem er sich vor einigen Jahren gottlob verabschiedete. Wir gratulieren! Auch dazu.