Donnerstag, 19. Mai 2011 17:07 Uhr

Heute Abend Filmpremiere: „Joschka und Herr Fischer“

Berlin. Er war 68er-Aktivist, Stadtguerillero, Taxifahrer, Sponti – er wurde hessischer Umweltminister in Turnschuhen und deutscher Außenminister im Anzug: Das bewegte Leben von Joseph „Joschka“ Fischer dient dem oscar-preisgekrönten Regisseur Regisseur Pepe Danquart als roter Faden, um von sechs Jahrzehnten deutscher Nachkriegsgeschichte zu erzählen.

Von den verlogenen 50er-Jahren, den wilden Tagen der APO und der „bleiernen Zeit“ des RAF-Terrors über die Anfänge der Anti-Atomkraftbewegung und die Gründungsjahre der Grünen bis hin zum Fall der Mauer und der ersten rotgrünen Bundesregierung –Danquarts Film wird zu einer Zeitmaschine, die durch sechs Jahrzehnte fliegt und Fischer zu einem Zeitreisenden, der manchmal kaum fassen kann, was in der Epoche, die ihn ebenso prägte wie er sie, alles geschehen ist.

„Joschka und Herr Fischer“ ist weit mehr als eine simple Biographie. Kurzweilig und aufschlussreich mit teils noch nie gezeigten, beeindruckenden Dokumentarbildern schildert Pepe Danquart (SCHWARZFAHRER, HÖLLENTOUR, AM LIMIT) in zweieinhalb Stunden die Entwicklung eines Landes, das viele Jahre brauchte, um Demokratie zu lernen und sich von den Schatten der Vergangenheit zu lösen.

Mit besonders markanten Szenen seiner und der deutschen Geschichte konfrontiert, kommentiert Joschka Fischer nachdenklich, auch selbstironisch und eröffnet dadurch zugleich einen neuen Blick auf seine Person. „Joschka“ hat, kein Zweifel, Geschichte gemacht.

Heute ist in Berlin die Filmpremiere.

Pepe Danquart sagte über seinen faszinierenden Dokumentarfilm: „Als wir uns erstmals vor sechs Jahren getroffen haben, haben Joschka Fischer und ich den Sponti ineinander entdeckt, und zwar vom ersten Moment an. Das gab Vertrauen. Der Vorlauf, den ich brauche für solche Filme, ist manchmal kürzer, manchmal länger, aber nie unter einem Jahr. Und Vertrauen war hier unabdingbar. Es entstand dadurch auch eine komplett andere Basis für eine Zusammenarbeit und in diesem Fall auch die Basis dafür, innovativ zu sein, hart am Wind zu segeln, ein hohes Risiko einzugehen, was die visuelle Umsetzung angeht.

Das Annähern bedeutet, dass man sich auf Augenhöhe begegnet, und das taten wir vom ersten Moment an. Und der zweite Punkt war, wie gesagt, etwas, das in der Vergangenheit eine große Rolle spielte, dass man innerhalb dieses linken, undogmatischen Zusammenhangs, der Sponti-Bewegung
genannt wurde, so etwas hatte wie Familie. Nicht im bürgerlichen Sinne, sondern indem eine Vertrauensebene da war. Man guckte sich in die Augen und man vertraute sich. Dieses Sponti-Wesen Joschka, das ganze menschliche Potenzial, das musste er ja verdecken, das, was Lebensentwurf, Indieser-Welt-sein auch menschlich bedeutete: Das war beim Staatsmann Fischer tief im Innern vergraben, zwangsläufig, bei der Aufgabe, der er sich stellen musste. Aber es war nie verschwunden.

Als ich ihn zum ersten Mal traf, war er noch Außenminister, und dieses kleine Flämmchen, das noch in ihm brannte, leuchtete auf, als wir uns sahen, und wir merkten, dass wir dieselbe Sprache, über dieselben Dinge sprechen.“

Das Filmprojekt blieb dann ein paar Jahre liegen und 2008 sagte Joschka Fischer dann: „Lass uns den Film doch jetzt machen.“ Pepe Danquart erklärte dazu: Weil auch genug Zeit vergangen war, und weil er wieder mehr der Mensch wurde, sozusagen eine Befreiung hatte, und nicht mehr in der aktiven Politik war, konnte er auch über Dinge sprechen, über die er vorher gar nicht hätte reden können.“

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