Donnerstag, 23. Juni 2011 14:59 Uhr

Heute Abend wird Geheimnis um 37 Jahre verschollenen TV-Krimi gelüftet

Berlin/Leipzig. Heute Abend um 20.15 Uhr läuft im MDR ein Film aus der Reihe „Polizeiruf 110“. Die Geschichte um den damals verbotenen Film „Im Alter von…“ liest sich selber wie ein Krimi. Was war damals passiert und warum war der Film solange verschwunden?

Zwischen 1969 und 1971 löste eine Mordserie die bis dahin größte Polizeiaktion der DDR aus. Der zur Tatzeit minderjährige Lehrling Erwin Hagedorn hatte drei Jungen auf brutale Weise ermordet. Am 15. Mai 1972 wurde Hagedorn im Alter von 20 Jahren vom 1. Strafsenat des Bezirksgerichts Frankfurt (Oder) wegen mehrfach vollendeten und mehrfach vorbereiteten Mordes in acht Fällen sowie sexuellen Missbrauchs von Kindern zum Tode verurteilt.

Der Fall selbst sollte zwar nicht verfilmt werden, aber Anlass sein, mit einer Folge der Reihe „Polizeiruf 110“ über Sexualstraftaten aufzuklären.

Die Krimiautorin Dorothea Kleine schrieb 1974 ein Szenarium und Heinz Seibert, der bereits bei mehreren Filmen der Reihe „Polizeiruf 110“ Regie geführt hatte, das Drehbuch.

Während der Dreharbeiten distanzierte sich das DDR-Ministerium des Innern jedoch unerwartet von diesem Film. Die Leitung des Fernsehens der DDR ordnete daraufhin den Abbruch der Endfertigung an. Das gesamte Material sollte später auch vernichtet werden.

Als die Wende kam, hoffte Seibert, dass der Film aus dem Archiv wieder auftaucht. Aber der Film war nicht mehr da. Durch einen Zufall entging jedoch das stumme Kameranegativ der angeordneten Vernichtung. 2009 konnte das ungeschnittene Negativmaterial im Deutschen Rundfunkarchiv identifiziert und gesichert werden. Doch da weder der Ton noch ein Drehbuch erhalten waren, schien eine Rekonstruktion des Films nicht mehr möglich zu sein.

Am Rande einer filmhistorischen Recherche stieß der Autor Thomas Gaevert im gleichen Jahr bei Dorothea Kleine auf eine Kopie des Drehbuchs. Eine Fertigstellung des Films wurde nun wahrscheinlicher.

Doch wie sollte man mit dem fehlenden Ton umgehen? Wichtige Darsteller dieses Filmes lebten nicht mehr.

„Die vorliegenden Bilder und das Drehbuch haben uns überzeugt, dass dieser Film auch heute, 37 Jahre später, unsere Zuschauer in seinen Bann ziehen wird. Wir haben damit ein Stück Zeitgeschichte wieder lebendig gemacht und den Film mit aktuellen Stars der „Polizeiruf“-Reihe wie Jaecki Schwarz, Wolfgang Winkler und Isabell Gerschke synchronisiert“, kündigt Jana Brandt, Fernsehspielchefin des MDR, den noch nie gezeigten und nun fertiggestellten „Polizeiruf 110: Im Alter von …“ an.

Neben dem genannten Film zeigt der MDR auch eine Dokumentation, die die wahre Geschichte hinter dem verschwundenen „Polizeiruf“ erzählt und zugleich mit ausgesuchten Filmausschnitten an die 40-jährige Erfolgsgeschichte der Reihe erinnert.
Die Autoren Matthias Ehlert, Thomas Gaevert und Lutz Pehnert interviewen legendäre TV-Kommissare ebenso wie Autoren, Regisseure und zu DDR-Zeiten verantwortliche Funktionäre.

„Die Dokumentation hinterfragt das Phänomen „Polizeiruf“, das selbst politischen Veränderungen trotzte und seit langem zu den erfolgreichsten Sendereihen im deutschen Fernsehen gehört. Wichtig war uns auch aufzuzeigen, inwieweit gesellschaftliche Realität Eingang in fiktionale Formate damals wie heute findet“, so Claudia Schreiner, Programmchefin Kultur/Wissenschaft des MDR FERNSEHENS.

Zum Inhalt des Films „Polizeiruf 110: Im Alter von …“:
Auf einem Parkplatz an der Autobahn treffen sich nach Jahren Oberleutnant Fuchs und die Journalistin Jenny Gerlach. Fuchs war vor seiner beruflichen Versetzung viele Jahre mit der Familie Gerlach befreundet. Die Freude über das unverhoffte Wiedersehen ist auf beiden Seiten groß. Jennys elfjähriger Sohn Ben, ein aufgeweckter und sportlich talentierter Junge, entdeckt seine Sympathien für Fuchs und lädt ihn zum Schulsportfest ein, rechnet er doch mit einem Sieg im Schwimmwettkampf.

Nach dem Wettkampf wollen Ben und sein Freund Till baden gehen, während Fuchs und Jenny Gerlach in alten Erinnerungen kramen. Till, der erst später zum Tonsee kommt, sucht seinen Freund, findet ihn aber nicht. Die sofort einsetzende Suchaktion der Polizei endet erschütternd. Ben wird tot aufgefunden. In großem Stil beginnt die Kriminalpolizei mit den Ermittlungsarbeiten.

Fuchs wird aufgrund seines freundschaftlichen Verhältnisses zur Familie Gerlach gegen seinen Willen durch seinen Vorgesetzten von den Ermittlungen in diesem Fall ausgeschlossen. Er bemüht sich jedoch, Jenny Gerlach beizustehen und versucht trotz seiner Suspendierung den Täter zu ermitteln. Die Kriminalpolizei trägt indessen, unterstützt von der Bevölkerung, wichtige Fakten zusammen. Fakten, die beweisen, dass der Mord an Ben die Tat eines pädophil-homosexuellen Täters sein muss. Als man den Täter stellen will, hat dieser sich selbst gerichtet.

Die jetzt vorliegende neu synchronisierte Version des Films wurde im Auftrag von MDR, NDR und RBB 2011 erstellt, unter Verwendung des Materials des Fernsehens der DDR von 1974 mit freundlicher Unterstützung der Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv.

Das untere Foto zeigt Klaus Richter (den Darsteller Ben Gerlach) , der sich mit Sigrid Göhler (heute 69, Darstellerin Leutnant Vera Arndt) Fotos aus dem Polizeiruf „Im Alter von…“ anschaut.

Fotos: ARD/MDR

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