10.11.2020 22:10 Uhr

Hier spricht der Mann, der den Wendler erfunden hat

Michael Wendler: Schlagerstar, Reality-TV-Darsteller, kurzzeitiger Telegram-Hiobs-Botschafter und nun politischer Kommentator. Eine schillernde Karriere mit jähem Absturz nach seiner letzten missionarischen Ausflug als Corona-Leugner. Der Mann, der den Wandler erfunden und zum Ruhm verholfen hat, hat nun ein Buch geschrieben: sein Vater Manfred Weßels.

imago images / STAR-MEDIA

Die bibliophile Kostbarkeit heißt „Die Wahrheit über meinen Sohn Michael Wendler“ und umfasst die wesentlichsten Stationen des selbst ernannten „German King Of Pop“.

„Wenn man die Vergangenheit Revue passieren lässt und einem bewusst wird, wie viel Negatives doch geschehen ist und bis zum heutigen Tage nicht erzählt wurde – aus Rücksicht, oder einfach nur aus unterschwelliger Einschüchterung und Angst – so holen einen auch immer wieder Gefühle ein, die einen auf eine harte Probe stellen. Schreibe ich weiter und erzähle Millionen Menschen die Wahrheit, oder belasse ich alles beim Status Quo?“, heißt es im Vorwort des Buches, das erst kürzlich erschien. Weßels hat seit Jahren keinen Kontakt mehr zu seinem berühmten Sohn.

Hier spricht der Mann, der den Wendler erfunden hat

Foto: Privat/Manfred Weßels

Sein Buch sorgte innerhalb kürzester Zeit für Aufsehen. Unterstützer hatten sich zurückgezogen, weil sie den Zeitpunkt der Veröffentlichung für nicht sensibel hielten. „Der eine ist, dass der Sohn Michael Wendler, um den sich das Buch drehen wird, sich in einer psychologisch für uns kritischen Situation befindet und in diesem Moment werden wir nicht vor eine Kampagne treten oder uns auf einem Buchcover zeigen.“

Der 72-Jährige plaudert in einem Kapitel unter anderem über die Anfänge der künstlerischen Karriere des Sängers. Hier ein Auszug.

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Wendler 2007. Foto: imago images/ biky

Mit Michael Skowronek fing es an

„Bis heute wird zum Beispiel in verschiedenen Zusammenhängen geschrieben, dass besagter WDR 4-Moderator Jürgen Renfordt der Entdecker von Michael Wendler sei. Das ist falsch“, schreibt Weßels im Kapitel „Ich erfand den Wendler“.  Jürgen Renfordt war zweifelsfrei ein ganz wichtiger Unterstützer für die musikalische Karriereleiter meines Sohnes. Aber eines muss ich hier klarstellen, und zwar in aller Deutlichkeit: Der Entdecker von Michael, der zu diesem Zeitpunkt übrigens noch unter seinem echten Namen Skowronek auftrat, war ganz allein ich und sonst niemand. Ich habe ihn und sein Talent nicht nur entdeckt, nein, ich habe ihm anfangs auch alles bezahlt – die CDs, die Reisen, die Verpflegung, die Unterkunft und, wie schon erwähnt, sogar die Gage. Selbst für seinen Künstlernamen war ich verantwortlich.“

„Es gibt etliche Zeugen“

„Egal, was Michael auch über seine Anfänge erzählen mag, Tatsache ist, dass ich es war, der die Rundfunkanstalten und TV-Sender kontaktierte. Mal telefonisch, mal persönlich, Auge in Auge. Das alles erledigte ich und kein anderer. Das ist auch alles einfach nachzuweisen. Da gibt es etliche Zeugen, die bestätigen können, dass ich vor Ort war und für meinen Jungen geworben habe. Es gibt genug Redakteure, auch Chefredakteure vom Rundfunk, sie alle wissen: Es war Manfred Weßels, der höchstpersönlich kam und für seinen Sohn gekämpft hat. ‚Lasst ihn doch mal auftreten! Spielt ihn doch mal im Radio!‘ Mein unermüdlicher Einsatz wurde zum Glück belohnt. Klar war ich darauf stolz! Aber noch stolzer war ich auf den Werdegang meines Sohnes, denn er entwickelte sich zu einem richtig erfolgreichen Sänger.“

Hier spricht der Mann, der den Wendler erfunden hat

Foto: Manfred Esser/Sony Music

Gerd Wendler hatte nix dagegen

„Es musste ein neuer, sehr einprägsamer Name her. Einer, den ich bei einem anderen Künstler noch nie gehört hatte. Ein einprägsamer Name, so wie Holm (gemeint ist Michael Holm, Anm. der Red.)! Niemand würde sagen, heute Abend tritt der Michael im Fernsehen auf! Nein, man nannte ihn respektvoll der Holm! Es führte der Heck durch die Hitparade und der Bohlen produzierte einen Hit nach dem anderen. Das musste doch für meinen Sohn genauso funktionieren. Mir fiel spontan der leibliche Vater meiner Frau ein. Gerd Wendler, aus Ennigerloh bei Warendorf. Wendler! Das war’s. Also rief ich bei ihm an und trug ihm mein Anliegen vor. ‚Mein Junge, der Michael, der macht ja Musik! Der braucht dringend einen guten Künstlernamen. Kann er deinen Namen nutzen?‘ Der Vater meiner Frau war sofort dabei und sagte ohne Zögern: ‚Klar kann Michael meinen Namen benutzen, das ist doch wohl selbstverständlich! Auch Michael war damit einverstanden, den Namen Wendler anzunehmen. Von diesem Moment an hieß er Michael Wendler – auf der Bühne, für die Presse, für die Fans. Der Wendler! Und niemand anderes als ich gab ihm diesen Namen.“

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Eines Tages ging es nur noch in feine Hotels

„Nur so nebenbei angemerkt: Michael Holm hatte auch einen großen Hof mit Pferden und allem Drum und Dran. Möglicherweise wollte mein Sohn ihn noch toppen, weil er sich selbst für den Größten hielt und hält.“

Weßels bezieht sich hier auf das eigene Gestüt in Dinslaken, dass Wendler sich bauen ließ. „Eine Ansammlung von Geschmacklosigkeiten“ nannte das Magazin „Stern“ 2016 das Anwesen mit riesiger Villa, Teich, Stallungen und Reitplatz. „Hier wohnt nicht der König von Dinslaken, sondern eine billige Kopie von Donald Trump.“

Manfred Weßels weiter in seiner Biografie: „Trotz seiner sich steigernden Höhenflüge war ich immer an seiner Seite, jahrelang. Dabei machte ich viel mit ihm mit, erlebte alle seine Höhen und Tiefen. Wir übernachteten in günstigen Pensionen und stiegen eines Tages nur noch in feinen Hotels ab. Ich kannte die Branche und kannte seine Fans. Ich war immer dabei! Und da bekam ich natürlich, ob ich wollte oder nicht, nahezu alles mit, was meinen Sohn und sein Leben betraf. Nicht alles davon war positiv.“