25.02.2020 21:51 Uhr

Hillary Clinton: „Madam Secretary“ wird auf Berlinale wie Filmstar empfangen

Foto: imago images / Matrix

Die ehemalige US-amerikanische First Lady Hillary Clinton wird auf der Berlinale empfangen wie ein Hollywoodstar. Dem politischen Geschäft entkommt sie dabei nicht, doch das scheint ihr auch nichts auszumachen.

An Erfahrung vor der Kamera mangelt es Hillary Clinton nicht, wenn sie zusammenzähle, habe sie im Wahlkampf 2016 zusammengerechnet 25 Tage mit Schminken und Frisieren verbracht. Dazu die Debatten mit Donald Trump und hunderte Fernsehauftritte. Also kaum verwunderlich, dass die 72-jährige auf der 70. Berlinale wie ein Filmstar empfangen wird.

Hillary Clinton: „Madam Secretary" wird auf Berlinale wie Filmstar empfangen

Foto: imago images / Future Image

Fans und Kritiker

Am Montagabend jubelt ihr das Publikum zu, wie einer Hollywoodgröße, bei der Premiere der Dokuserie ‚Hillary‘. Vor den Besuchern des Kinos fühlt sich die frühere Außenministerin, die als „Madam Secretary“ angesprochen wird, sichtlich wohl.

Für die Begrüßung hatte das Festival einiges aufgefahren. Neben den beiden Berlinale-Chefs Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek ist so auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters zum Haus der Berliner Festspiele gekommen. Die Gastgeber lässt Clinton erst einmal warten. Schließlich haben sich einige Fans am roten Teppich hinter der Absperrung positioniert.

„Ich finde einfach, Hillary Clinton ist eine sehr machtvolle Frau und hat viel erreicht“, so eine Kölner Künstlerin, die ein Spray-Porträt der früheren Außenministerin mitgebracht hat. Die kritischen Zaungäste der Ehefrau von Ex-US-Präsident Bill Clinton machen mal mehr, mal weniger lautstark auf sich aufmerksam und gehen hart mit der Politik der 72-Jährigen ins Gericht. Auch der böse Spitzname ‚Killary‘ fällt.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Hillary Clinton (@hillaryclinton) am Nov 22, 2019 um 7:01 PST

Der scheinbar Unaussprechliche

Dann endlich der heiß ersehnte Moment, wohl für alle Anwesenden: Madam Secretary läuft die letzten Meter zum roten Teppich, gibt ausgiebig Interviews, lässt sich fotografieren. „Ich liebe Berlin, ich liebe Filme. Was könnte besser sein, als beides hier zusammen zu haben“, bekennt die Mutter einer Tochter zudem.

Als sie am Dienstag vor die internationale Presse tritt, geht es ebenfalls viel um Kino und die Serie über sie. Um die aktuelle US-Politik kommt sie aber natürlich nicht herum: Die Frage, ob die Demokraten wirklich einen Sozialisten aufstellen werden, umschifft sie noch diplomatisch geschickt und versichert, den Kandidaten unterstützen zu wollen, den ihre Partei am Ende aufstelle.

Anschließend spricht sie dann immer wieder über den „jetzigen Amtsinhaber“ ohne Donald Trump selbst direkt beim Namen zu nennen. Sie spricht mehrfach von dem jetzigen Präsidenten und die aus ihrer Sicht gefährlichen Folgen von dessen Politik.

Nur sieben Drehtage

Mit dem zweitägigen Besuch von Hillary Clinton haben die Internationalen Filmfestspiele ihre Promi-Quote deutlich nach oben getrieben. Zwar ist der Vierteiler, der für den US-Streamingdienst ‚Hulu‘ produziert wurde, bereits auf dem Sundance-Festival gelaufen. Die Chance, die berühmte Politikerin in die Hauptstadt zu holen, ließen sich die Berlinale-Chefs dennoch nicht entgehen. In Deutschland soll die Serie übrigens auf dem Abo-Sender ‚Sky‘ laufen.

Nicht nur hier, auch global ist Hillary eine Größe. Wie sie in der Doku-Serie berichtet, besuchte sie als Außenministerin 101 Staaten und legte dabei mehr als 1,5 Millionen Flugkilometer zurück.

Die vierteilige Dokumentation verbindet Aufnahmen hinter den Kulissen während des US-Präsidentschaftswahlkampfs 2016 mit Interviews von Freunden und politischen Weggefährten der Demokratin. Auch ihr Ehemann, der unter anderem über die Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky im Weißen Haus spricht, kommt zu Wort. Sieben Drehtage stand Hillary für die Produktion zur Verfügung.

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Zeit für Veränderung

Am Ende entstand aus dem Material das Porträt einer intellektuell brillanten und durchsetzungsstarken Persönlichkeit, die sich gegen Vorurteile und Stereotypen durchsetzt, aber auch die Grenzen ihrer Möglichkeiten erkennt. Dem Umstand, dass sie polarisiere, sei sie sich immer bewusst gewesen, sagt Hillary Clinton vor ihrem Berliner Publikum.

„Akzeptiert wurde ich vor allem, wenn ich für andere im Dienst war“, insbesondere für Männer, etwa als First Lady oder Außenministerin. Angefeindet wurde sie von da an, als sie selbstständig politisch aktiv geworden sei, etwa als Senatorin oder Präsidentschaftskandidatin. Gegen solche – vor allem gegen Frauen gerichtete – Vorurteile anzugehen, dafür sei es höchste Zeit.

In ihren politischen Absichten habe sie sich allerdings nie missverstanden gefühlt. „Ich glaube nicht, dass mich Wladimir Putin missverstanden hat. Er wusste, dass ich meine Stimme für mein Land, den Westen, für Demokratie und Freiheit erheben würde“, so Clinton.

Noch viel zu tun

Das Verhältnis zwischen Clinton und Putin, die von Wikileaks durchgestochenen E-Mails, die Rolle des FBI-Chefs Comey, könnten durchaus Stoff für einen Film hergeben. Clinton liefert dafür ein Stichwort: „Putin wollte mich besiegen“, sagt sie. Ob er es geschafft hat?

Jedenfalls hat Hillary Clinton den Kampf nicht aufgegeben. Es sei noch viel zu tun – das Klima schützen und Donald Trump besiegen. Doch sie freue sich nun auch über mehr Zeit, um ins Kino zu gehen mit Ehemann Bill, der ein absoluter Kino-Fan sei. Ob ‚High Noon‘ oder ‚Casablanca‘ – diese Klassiker habe sie möglicherweise „schon vierzigmal gesehen“. (Daniel Rademacher und Esteban Engel, dpa/KT)