„House Of Gucci“: Ein stylischer Krimi aus der Modewelt. Mehr leider nicht

Paul VerhobenPaul Verhoben | 02.12.2021, 22:50 Uhr
Filmkritik: Ein stylischer Krimi aus der Modewelt "House Of Gucci". Mehr leider nicht
Filmkritik: Ein stylischer Krimi aus der Modewelt "House Of Gucci". Mehr leider nicht

© 2021 Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc.

Ordentlich Bling-Bling und ein Mord aus Gier und Eifersucht: „House Of Gucci“ ist eine 2-Stunden-Modenschau mit Starpower. Adam Driver ist das Mordopfer Maurizio Gucci und Lady Gaga ist die Furie an seiner Seite.

Regisseur Ridley Scott („Gladiator“, „Blade Runner“) hat mit „House Of Gucci“ einen Modefilm mit Einschlag ins Familiendrama gedreht – ein Thriller ist es aber definitiv nicht. Der berühmte britische Filmemacher – eine Legende der Branche –  hat sich den realen Mordfall Maurizio Gucci (1948 – 1995) vorgeknöpft.

Scott blättert die Geschichte des Modehauses Gucci bis zum Auftragsmord von seiner Ex-Frau in einem sehr sehr stylischen Bilderbogen durch.

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Eine luxusverwöhnte Familie – das Modehaus Gucci

Gut, das Label ist bekannt, aber wofür eigentlich? Gegründet wurde Gucci 1921 in Florenz und das mit Handtaschen.

Rindsleder aus der Toskana, damit ging es los. Heute steht Gucci immer noch für Lederwaren, aber eben auch für Mode, die das ganze Gegenteil von Understatement ist. Dezent können die Guccis nicht, womit wir beim Thema Geschmackssicherheit wären – und das ist ein weites Feld. Es sind zwei Brüder – zwei alte Brüder – die feudal vom Gucci-Business leben. Aldo und Rudolfo Gucci sind nach dem Tod des Vaters die alleinigen Besitzer des Mode-Labels. Aldo (Al Pacino, „Der Pate“) lebt in New York und bienenfleißig, wie er ist, setzt er moderne Geschäftspraktiken um.

Sein Bruder Rudolfo Gucci (Jeremy Irons, „Dragonheart“) lebt in Italien, standesgemäß versteht sich. Er ist der Vergangenheit zugewandt und verlässt kaum das Haus. Jeremy Irons spielt ihn als eitlen Snob, der kaum zu ertragen ist. Als sein Sohn Maurizio (Adam Driver, „BlackKklansman“) seine neue Freundin Patrizia Reggiani (Lady Gaga, „A Star Is Born“) anschleppt, fliegt sie drei-zwei-eins als unterbelichtet und ungebildet auf. Zu dämlich ein Picasso von einem Klimt-Gemälde zu unterscheiden und sich selbst auch noch als Schmeichlerin zu beschreiben – das geht gar nicht. Geheiratet wird trotzdem. Regisseur Ridley Scott ist nicht bekannt für genaue Charakterstudien oder dem Inszenieren von filigranen Verflechtungen und Abhängigkeiten in Beziehungen – er bebildert lieber.

Tiefer als die hochgezogene Augenbraue des Vaters geht die Schürfung nicht.

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Jared Leto ist der Idiot im Gucci-Clan

Maurizio (Adam Driver) ist zwar das spätere Mordopfer, doch beileibe nicht die spannendste Figur im Gucci-Clan. Maurizio ist wohlerzogen und gebildet. Er ist dem Spleen gefolgt und hat eine nicht standesgemäße Frau genommen – und das war es auch schon mit seinem Rebellentum. Der Emporkömmling ist seine Ehefrau Patrizia. Sie erfüllt das Klischee einer Neureichen: Geld, aber doof.

Kommen wir lieber zu dem schillernsten Mitglied der italienischen Mode-Dynastie: Jared Leto spielt Paolo Gucci so neben der Spur, dass ein ganzes Extra-Universum gefüllt wird – hinreißend und verstörend zugleich. Er hält sich für einen megabegabten Designer, der ohne Unterlass die schrägsten Kreationen für die Schublade entwirft.

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Sein Vater Aldo Gucci (Al Paccino) würde niemals zulassen, das auch nur ein einziges Teil davon jemals geschneidert wird. Aber ein paar Verrate später bekommt der Unbegabte seine Show und wird trotzdem weiter leiden. Jared Leto ist nicht wieder zu erkennen, nur seine kleinen schmalen Patschehändchen mit ordentlich Ringlein dran, die er als Italiener natürlich in jeder Geste schwungvoll einsetzt und die Augenpartie lassen den Ausnahme-Künstler erahnen.

Wie heißt seine Band gleich noch „30 Sekunden zum Mars“? Ja, passt auch zu seiner Gucci-Rolle.

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Worum es sonst noch geht

Jenseits der Modestrecken wird pflichtschuldig vom Verkauf eines Familienunternehmens an ein amerikanisch-bahreinisches Konsortiums erzählt und dem Problem, welches alle Luxusmarken haben: die Produktpiraterie. Schnurrig werden auch diese Szenen in schönsten Gucci-Schick abgespult, um sich dann wieder ganz der Oberfläche zu widmen: Kleidung, Schmuck, Haare sind schließlich auszuführen in der Welt des internationalen Auftritts – so ein Jetset-Leben will schließlich auch mit irgendwas gefüllt werden.

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Fazit: „House Of Gucci“ ist mehr ein bebilderter Gucci-Mode-Film als Krimi und schon gar kein Thriller. Wem allein schon die Augen feucht werden, wenn der Name Gucci fällt, der ist hier im wahrsten Sinne des Wortes „goldrichtig“. Fans von Lady Gaga kommen auch auf ihre Kosten. Sie tobt und zetert um ihr Leben und legt einen Wutausbruch nach dem anderen hin. Ihr gelingt eine Melange aus Bauernschläue und Verzweiflung mit dem irrsten Gucci-Fummel zu kombinieren. (Kinotante Katrin)