21.03.2020 22:26 Uhr

Hugo Egon Balder wird 70: „Wir konnten machen, was wir wollten“

Hugo mit Freundin Elena. Foto: Starpress/Cinnemon Red

Hugo Egon Balder bekommt schon Rente, auch wenn er nicht wusste, wie man sie beantragt. Ein Ziel war das für ihn sowieso nie. Mit der Deutschen Presse-Agentur spricht er über seinen 70. Geburtstag, seinen Vater und – endlich – über die Regeln von „Tutti Frutti“.

Man braucht Hugo Egon Balder im Prinzip nur ein Stichwort nennen und schon sprudelt eine Showidee aus ihm heraus. Aktuell fasziniert ihn zum Beispiel eine Sendung aus Japan, bei der sich Familien in ihrem Haus verstecken.

„Das sind aber keine normalen Verstecke, sondern es kommen Leute, die die Kinder zum Beispiel in Plüschtiere einnähen“, erläutert er. „Das ist eine geile Idee, das ist lustig.“ Überhaupt sei es so: Fernsehen funktioniere dann am besten, wenn man es nicht erklären müsse – so wie beim Verstecken. Balder muss es wissen, er hat in seinem Leben an vielen Shows mitgewirkt. Am Sonntag (22. März) wird er 70 Jahre alt.

Hugo Egon Balder wird 70: "Wir konnten machen, was wir wollten"

Starpress/Patrick Becher

Herr Balder, wie feiern Sie Ihren Geburtstag?
Es ist mir egal. Ich würde da nicht so ein Bohei drum machen, wenn es andere nicht machen würden. Es wird auch keine große Feier geben.

Wenn man sich Ihren Lebensweg so anschaut, kann man davon ausgehen, dass Sie nicht zu den Leuten gehören, die aktiv auf die Rente zugearbeitet haben. Sie haben sich sehr oft in neue Jobs gestürzt, auch mit Risiko.
Ich bin in vielen Sachen sehr pragmatisch, das habe ich von meiner Mutter. Es gibt viele Kollegen, die machen eine Show drei oder vier Jahre, dann wird sie abgesetzt und dann grübeln sie. Das mache ich nicht, ich hake alles sofort ab. Aber Rente kriege ich trotzdem schon. Ich wusste allerdings nicht, dass man die beantragen muss. Mein Freund Jacky Dreksler hat mir das erst gesagt.

Sie sind unter anderem Schauspieler, Schlagersänger, an einer Kneipe beteiligt und Produzent. Richtig bekannt wurden Sie als Moderator mit „Alles Nichts Oder?!“ auf RTL mit Hella von Sinnen. Das war direkt eine ziemlich verrückte Show.
Es war komplette Anarchie. Da hat auch niemand reingequatscht, wir konnten machen, was wir wollten und zum Schluss flogen die Torten. Das gibt es heute nicht mehr. Vermutlich wäre es auch gar nicht mehr interessant. Heute wird es erst interessant, wenn irgendwelche Leute nackt auf einer Insel heiraten oder Kakerlaken essen. Joko und Klaas sind die Einzigen, die noch etwas Anarchisches machen. Sie haben zwar manchmal ein bisschen geschummelt, was ich aber nicht so tragisch finde. Entertainment ist eben Entertainment. Aber vielleicht kommt die Zeit ja wieder. Vielleicht sagen die Leute irgendwann: Das ist alles so kompliziert, lasst uns mal wieder einfache, lustige Unterhaltung machen.

Stichwort Anarchie. Nach „Alles Nichts Oder?!“ kam direkt „Tutti Frutti“, eine Art Erotik-Spielshow. Die hat aber niemand so recht verstanden, zumindest nicht die Regeln.
Das war aber positiv für die Sendung, weil es Gesprächsstoff war. Eigentlich war es auch ganz einfach. Die Originalsendung „Colpo Grosso“ lief damals täglich in Italien. Helmut Thoma (einst RTL-Chef, Anm.) entschied, dass es Unsinn wäre, alles in Deutschland nachzubauen. Wir übernahmen also alles von den Italienern: Kulisse, Ballett, Regisseure. Nur die Kandidaten und ich flogen nach Mailand, um die Show aufzuzeichnen. Das Problem war nur: Die Italiener spielten um Geld. Und wir hatten ja alles übernommen, also auch den Computer. Das führte dazu, dass ich für eine Jacke nicht einen Punkt sondern 100.000 Punkte verteilte – es waren ja Lire. Das hat kein Mensch verstanden, aber mir war das egal. Und Thoma fand es lustig. Wenn Briefe geschrieben wurden mit der Bitte, die Regeln zu erklären, haben wir das einfach nicht gemacht.

Wenn man eine roten Faden in Ihrer Karriere sucht, kann man sagen: Bei Ihnen ist es immer lustig. Haben Sie eine Idee, woher Ihr Humor stammt?
Wenn, dann habe ich es von meinem Vater. Ich dachte sehr lange, dass mein Vater Textilhändler war, weil er ein Textilgeschäft hatte. Dann habe ich aber eine Sendung gemacht, bei der sich jemand professionell mit meinen Vorfahren beschäftigt hat. Und da habe ich dann erfahren, dass mein Vater einen Verlag hatte, Theaterkritiker war, Filmkritiker war. Davon wusste ich alles nichts, weil er es mir nie erzählt hat. Er hatte 1000 Ideen und hat mich früh ans Kabarett herangeführt. Und er war auch selbst sehr lustig.

Zur Person

Hugo Egon Balder wurde 1950 in Berlin geboren, mittlerweile lebt er in Köln und Hamburg. 1970 begann er eine Schauspielausbildung. Bekannt wurde Balder – zuvor schon Moderator bei Radio Luxemburg – in den 80ern und 90ern als Moderator beim jungen Sender RTL. 2019 hat er zum fünften Mal geheiratet. (Jonas-Erik Schmidt, dpa)