Inga Rumpf: Wohngemeinschaft mit Udo Lindenberg war „spannende Zeit“

Inga Rumpf steht bis heute auf der Bühne - auch noch mit 75 Jahren. (tae/spot)
Inga Rumpf steht bis heute auf der Bühne - auch noch mit 75 Jahren. (tae/spot)

earMUSIC/Jim Rakete

02.08.2021 07:01 Uhr

Rocksängerin Inga Rumpf feiert am 2. August ihren 75. Geburtstag. Im Interview erinnert sie sich an die "spannende" Zeit ihrer Wohngemeinschaft mit Udo Lindenberg und ein Treffen mit den Rolling-Stones-Gitarristen Keith Richards und Ronnie Wood zurück. Außerdem verrät sie, wie sie sich so jung hält.

Inga Rumpf wird am 2. August 75 Jahre alt. Die Rocksängerin, die unter anderem durch die Bands Frumpy und Atlantis bekannt wurde, hat sich und ihren Fans zu ihrem Ehrentag gleich mehrere Geschenke gemacht: Sie veröffentlicht ihr Doppel-Album „Universe of Dreams“ und „Hidden Tracks“, außerdem erscheint ihre Biografie „Darf ich was vorsingen?“.

Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news verrät die Sängerin, wie sie ihren Geburtstag verbringen wird und wie sie sich so jung hält. Außerdem erzählt sie, warum Rolling-Stones-Gitarrist Keith Richards (77) bei ihrer Begegnung ein „großzügiger Gentleman“ war und warum sie in ihrer Biografie schreibt, dass ihr ehemaliger WG-Mitbewohner Udo Lindenberg (75) „ganz schön nerven“ konnte.

Sie werden 75 Jahre alt, herzlichen Glückwunsch. Was war für Sie eine der wichtigsten Lektionen, die Ihnen die 75 Jahre gelehrt haben?

Inga Rumpf: Vielen Dank! Eine Leitlinie meiner Eltern: „Verlass‘ dich nicht auf andere, lern‘ was, sei selbstständig, mach‘ keine Schulden“. Damit bin ich gut durchs Leben gekommen.

Macht Ihnen das Alter zu schaffen?

Rumpf: Morgens beim Aufstehen, da knirscht es schon etwas. Aber meine Devise ist, es könnte alles schlimmer sein.

Wie werden Sie Ihren Geburtstag verbringen?

Rumpf: Mit einem kleinen Freundeskreis auf dem Land.

Sie haben Ihre 75 Jahre in Ihrer Biografie auch schriftlich festgehalten. Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie damit fertig waren?

Rumpf: Sehr entspannt. Es war zwar eine schwierige, manchmal lustig-bizarre Erinnerungsarbeit, doch endlich konnte ich mein Leben reflektieren. Vorher war das unmöglich, weil ich immer on the road war.

Was waren für Sie die größten Höhepunkte, was die größten Tiefpunkte in Ihrem bisherigen Leben?

Rumpf: Höhepunkte sind immer die, wenn man mit seinem Publikum auf Konzerten, egal ob großen oder kleinen, Emotionen austauscht. Tiefpunkte sind, wenn man trauert und sich von seinen liebsten Menschen verabschieden muss.

Ihre Biografie heißt „Darf ich was vorsingen?“. Inwiefern hat Sie diese Frage durch Ihr Leben begleitet?

Rumpf: Mit vier Jahren wusste ich, dass ich mit Singen Anerkennung bekomme und sogar Geld damit verdienen kann. Das ist bis heute so geblieben.

In Ihrer Biografie schreiben Sie, dass Sie als Kind gestottert haben. Hat Ihnen das Singen dabei geholfen, wieder in den Redefluss zu kommen?

Rumpf: Ich war als Kind durch unseren strengen Vater eingeschüchtert. Aber durch das Singen eroberte ich mein eigenes Universum, in dem mir keiner etwas anhaben konnte. Dadurch gewann ich Selbstvertrauen und Mut, auf die Bühne zu gehen und sogar zu reden, ohne zu stottern.

Sie lebten mit Udo Lindenberg in einer WG. Was sind Ihre schönsten Erinnerungen an diese Zeit?

Rumpf: Mit Udo saß ich oft am Alten Fischmarkt in Hamburg. Wir schauten auf den Freihafen und tauschten uns bei einem Bier über Gott und die Welt aus. Damals standen wir noch ganz am Anfang und hatten viel vor. Das war eine spannende Zeit.

„Udo war ein guter Musiker, aber er konnte auch ganz schön nerven“, schreiben Sie in Ihrer Biografie. Inwiefern meinen Sie das und sehen Sie das heute noch so?

Rumpf: Udo ist ein toller Musiker, ein großer Poet und einer der erfolgreichsten Künstler Deutschlands geworden. Ich glaube, er kann heute gelassener sein. Aber er hatte auch schwierige Zeiten, in denen der Alkohol ihn unberechenbar werden ließ.

Wie ist heute Ihre Beziehung zu Udo Lindenberg?

Rumpf: Wir sind freundschaftlich verbunden und jeder macht sein Ding.

Tina Turner hat den Song „I Wrote A Letter“ von Ihnen gesungen, Sie sind ihr allerdings noch nie begegnet. Würden Sie sie gerne noch treffen? Was würden Sie ihr sagen wollen?

Rumpf: Ich würde sie sehr gern treffen. Zu sagen gäbe es wohl vieles. Aber wenn die Verehrung für diese wundervolle Frau so groß ist wie meine, fehlen einem die Worte. Ich denke, ich würde sie einfach nur anhimmeln und schwesterlich umarmen.

Auf Ihrem Album „Hidden Tracks“ findet sich auch ein Song mit den Rolling-Stones-Gitarristen Keith Richards und Ronnie Wood. In Ihrer Biografie bezeichnen Sie Richards als einen „Gentleman“. Wie hat er sich Ihnen gegenüber verhalten?

Rumpf: Wie ein Gentleman und Kollege. Und ein großzügiger dazu. Er brachte mir eine Kiste bayerisches Bier mit in den Übungsraum und für sich und seinen Kumpel Ronnie Wood je eine Flasche Jack Daniels. Und dann fingen wir an zu jammen, wie das unter Musikern so üblich ist.

Sie haben viele Jahre Erfahrung in der Musikbranche. Wie sehen Sie der Zukunft mit Streamingdiensten und Co. entgegen?

Rumpf: Musik ist durch die digitalen Musikabos inflationär geworden und wird nicht mehr so wertgeschätzt wie früher. Für weniger bekannte Künstler wird es immer schwieriger, durch das Verteilungssystem die hohen Produktionskosten einzuspielen und etwas zu verdienen. Vielleicht hilft es etwas, dass Vinyl-LPs mit einer schön gestalteten Plattenhülle wieder beliebt sind und dadurch Lizenzen gerechter ausgezahlt werden.

Sie stehen immer noch auf der Bühne und wirken sehr fit. Wann wäre für Sie der Zeitpunkt erreicht, in den Ruhestand zu gehen?

Rumpf: Ich denke, kreative Menschen wie ich hören nie auf, in irgendeiner Form gestalterisch tätig zu sein. Es sei denn, die Gesundheit zwingt sie in den Ruhestand. Ich blicke da für mich sehr zuversichtlich in die Zukunft.

Was hält Sie so jung?

Rumpf: Neue Ideen. Neue Pläne. Gartenarbeit. Gesund essen.