Dienstag, 20. August 2019 19:48 Uhr

Interview: Magier Farid will den schiefen Turm von Pisa gerade biegen

Farid. Foto: ProSieben

Pro Sieben startet am heutigen Dienstagabend eine neue Zaubershow mit dem großartigen Illusionisten und Mentalisten Farid, der 2008 mit dem Castingformat „The Next Uri Geller“ als Zweiter seinen Durchbruch hatte. Mittlerweile gehört der 37-jährige coole Strahlemann längst zu Deutschlands größten Illusionisten.

Auf einer fantastischen Erlebnistour rund um den Globus präsentiert Illusionist Farid dreizehn persönlich ausgewählte Highlights der Zauberkunst. – die gefährlichsten Tricks der Welt! klatsch-tratsch.de hat den Star ausgefragt über seine neue Primetime-Show „Farids magische 13“ (20.15 Uhr ProSieben) und noch viel mehr!

Was sind Sie – Zauberer, Magier, Illusionist, Scharlatan?
Die Bezeichnung Zauberer ist ein wenig angestaubt und viele Menschen denken eher an Circus oder „Hase im Zylinder“, wenn sie das Wort hören – deswegen vermeide ich diese Bezeichnung. Ich selbst stehe für moderne Magie und möchte dieser Kunstform einen modernen Charakter verleihen. Deshalb bezeichne ich mich selbst auch als Magier und Illusionisten.

Interview: Magier Farid will den schiefen Turm von Pisa gerade biegen

Foto: ProSieben

Was kann Farid, was andere Zauberer nicht können?
Ich bin nicht der klassische Magier mit Zauberhut und Umhang, sondern versuche diese Kunstform zu revolutionieren. Das war auch schon immer mein künstlerischer Anspruch. Denn das, was der Zuschauer in meiner Show sieht, ist mein Konzept für moderne Magie. Das heißt, statt große und pompöse Shows mit Tänzerinnen oder Pyrotechnik zu inszenieren, verwende ich zumeist Alltagsgegenstände in meinem Programm. Das heißt aber nicht, dass damit nur kleine Dinge passieren. Das Ziel ist es nach wie vor, die Illusionen so aussehen zu lassen, als würde ich wirklich zaubern. Ich interpretiere das, was ich mache, als modern und zeitgemäß und möchte die Magie als Kunstform in Deutschland etablieren.

Worum geht es in ihrer neuen Show „Farids magische 13“?
In der Show kann ich die Magie als Kunstform präsentieren und sie den Zuschauern näher bringen – das macht das Format sehr besonders. Ich habe die Möglichkeit zu zeigen, was für eine einzigartige Geschichte diese Kunst hat, was künstlerisch alles dahinter steckt. Die Show ist eine „magische Reise“, auf die ich die Zuschauer mitnehme. Ich reise um den Globus, um der Historie der besten Zaubertricks und Illusionen der Welt auf den Grund zu gehen und diese vorzustellen. Ich treffe hierbei andere Magier und ich werde auch selbst zaubern. Es ist ein sehr authentisches, spektakuläres und kunstvolles Format, das zeigen wird, wie vielseitig die Magie ist.

Street Magic ist ja eine besonders beeindruckende Art, Kunststücke vorzuführen, weil ja die Leute quasi um den Magier herumstehen. Was ist der Unterschied zur Bühnenpräsentation?
Das Besondere bei der Street Magic ist, dass die Magie vor den Augen und in den Händen der Zuschauer geschieht. Auch hier benutze ich Alltagsgegenstände und die Zuschauer bekommen nochmal einen ganz anderen Zugang zur Magie, weil sie ganz nah dran sind, „Teil der Magie“ sind und alles sehr interaktiv ist. Allerdings ist die Interaktion des Publikums auch während meiner Bühnenshows, sei es auf Firmenveranstaltungen oder
auf meiner Live-Tour – stets gegeben und jeder Zuschauer wird Teil der Show.

Wie entsteht ein Zauberkunststück? Sicher ist zuerst der Effekt da und dann rätseln Sie über die Lösung – also den Weg dahin?
Zuerst entsteht für mich der Effekt. Ich überlege mir, was passieren könnte und dabei höre ich auch oft auf die Zuschauer (sie haben wirklich verrückte und tolle Ideen) oder lasse mich auch von Filmen inspirieren. Im nächsten Schritt überlege ich wie man das ganze machen könnte und was der beste Weg dahin wäre. Also definitiv werde ich erst kreativ: Was könnte passieren? Was wäre ein toller Effekt? Was wäre cool mal live auf der Bühne zu machen? Und dann arbeite ich an einer Lösung.

Interview: Magier Farid will den schiefen Turm von Pisa gerade biegen

Farid (2.v.l.); Las-Vegas-Star David Goldrake (liegend). Foto: ProSieben

Großillusionen hat David Copperfield seinerzeit perfektioniert. Er konnte sogar einen Eisenbahnwaggon verschwinden lassen. Sind solche aufwändigen Präsentationen heutzutage noch zeitgemäß, wo doch mit digitalen Schnickschnack im Kino heutzutage alles herbeigezaubert werden kann? Der Zuschauer quasi verwöhnt ist.
Ja, wenn man solche Effekte einzig und allein im Fernsehen aufführt, dann kann der Gedanke natürlich nahe liegen, dass getrickst wurde. Allerdings ist mein größter Anspruch auch, dass der Zuschauer live noch stärkere Effekte sieht, als im Fernsehen. Es gäbe nichts schlimmeres für mich, als wenn ich im Fernsehen auftreten würde und die Leute würden live zu meinen Bühnenshows kommen und sagen: „Hey, das war ganz gut, aber
im TV wars super krass.“ Bei mir ist es zum Glück umgekehrt, sodass die Zuschauer raus gehen und sagen „Hey, hier hat er aber nochmal einen drauf gesetzt. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas live möglich ist.“

Was braucht es alles, um einen Trick NICHT zu durchschauen?
Mir geht es gar nicht darum, ob ein Zuschauer einen Trick durchschaut oder nicht durchschaut. Ich führe meinen Zuschauern keine Zauberkunststücke vor, sondern lade sie ein, mit mir eine Illusion zu erleben. Denn ich möchte jeden Einzelnen über den bloßen Effekt hinaus nachhaltig verblüffen, und dazu überlege ich mir magische Momente, bei denen die Emotionen der Zuschauer auch auf persönlicher Ebene angesprochen werden. Gemeinsam schaffen wir so unvergessliche Erlebnisse, die berühren, uns wieder zum Kind werden lassen – und damit einen Gegenpart zum durchstrukturierten Alltag bieten.

Im Guinness-Buch der Rekorde findet sich ein junger Mann, der durch blosses Jonglieren drei Zauberwürfel sortiert. Ist das Zauberei – wenn nicht, warum nicht?
Das ist keine Zauberei. Ich glaube aber, dass es gar nicht wie Zauberei wirken soll, weil er ganz offen damit spielt. In dem Video sieht man auch, dass Zeitlupen-Sequenzen gezeigt werden und dass er, während er jongliert, die Wu?rfel trotzdem noch so dreht, dass sie wieder in der Ursprungslage landen. Und deshalb soll es gar nicht wie Zauberei wirken. Das Spektakuläre daran ist, dass er zeitlich der Schnellste ist, der im Jonglieren drei Würfel löst, nicht, dass er die Würfel dabei gar nicht bewegt.

Welche Dinge muss man beherrschen, wenn man selber Magier werden will?
Prinzipiell denke ich schon, dass Magie zu erlernen ist. Allerdings kann man sich beispielsweise auch eine Sportart, wie Basketball aneignen, spielt aber nicht unbedingt auf dem gleichen Level wie Michael Jordan. Schließlich gehört auch beim Zaubern viel Fleiß und Herzblut dazu, um im Laufe der Zeit diesen einen professionellen Punkt zu erreichen. Ich würde mir daher wünschen, Magie als Kunstform in Deutschland weiter etablieren zu können und da ist jeder ernstzunehmende und professionelle Künstler neben mir willkommen. Dementsprechend habe ich inzwischen auch eine Online-Zauberschule entwickelt, in der jeder von meinen Erfahrungen als Künstler profitieren kann.

Interview: Magier Farid will den schiefen Turm von Pisa gerade biegen

Foto: ProSieben

Was ist ihr Lieblingstrick?
Den einen Lieblingstrick habe ich nicht. Mein Anspruch ist es mein Repertoire so breit wie möglich zu fächern. Fu?r jeden Zuschauer soll etwas dabei sein. Das, was mein Lieblingstrick wäre, wäre für den Zuschauer wahrscheinlich gar nicht so spektakulär, weil ich da eher verliebt in die Tricktechnik wäre, den Weg dahin oder die Entwicklung über die Jahre. Deshalb könnte ich mich da gar nicht festlegen.

Mal ehrlich bitte, welchen Trick würden Sie gerne beherrschen?
Es geht mir nicht darum, dass ich etwas nicht beherrsche, was ich gerne beherrschen würde, sondern es gibt Leute oder in diesem Fall Künstler, die haben bestimmte Dinge gemacht, die man auch nicht wiederholen kann, weil sie einfach perfekt sind. Zum Beispiel David Copperfields Entfesselung aus einem Gebäude, das gesprengt worden ist. Er befand sich – mit Handschellen gefesselt – in einem Tresor innerhalb eine Gebäudes und hat es geschafft, sich aus dem Tresor zu befreien. Eine Kamera hat ohne Kameraschnitt das Gebäude verlassen und hat gezeigt – während das Gebäude in sich zusammengefallen ist – wie David Copperfield vor dem Gebäude erschienen ist. Das kann man nicht besser machen. Und da hat es nichts damit zu tun, dass ich es nicht auch selbst nachmachen könnte oder nicht wissen würde, wie das ganze funktioniert… es geht darum, dass die Illusion einfach schon „weg ist“, weil Copperfield es perfekt gemacht hat.

Interview: Magier Farid will den schiefen Turm von Pisa gerade biegen

Farid (l.); Kay One (2.v.r.). Foto: ProSieben

Haben Sie mal eben einen kleinen Trick für unsere Leser, mit denen wir Oma und Opa beim nächsten Geburtstag ohne großen Aufwand beeindrucken könnten?
Das hätte ich schon. Schriftlich ist das leider etwas schwierig. Also jeder, der mir mal live auf der Straße begegnet oder mich beim Meet & Greet nach der Show auf der Tournee trifft, der/die kann mich gerne ansprechen und dem bringe ich gerne etwas bei.

Was sind Ihre nächsten Pläne?
Ich freue mich nun sehr auf die Ausstrahlung meiner TV-Show und wir arbeiten gerade schon an der Live-Show für die Tournee „Wahre Magie. Echte Illusionen.“ im kommenden Jahr. Und: Den schiefen Turm von Pisa, den möchte ich gerne noch gerade biegen (lacht)

Interview: Magier Farid will den schiefen Turm von Pisa gerade biegen

Farid (l.); Oliver Pocher (r.). Foto: ProSieben

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