01.06.2020 16:27 Uhr

Ist das hier der Grund, warum Clubs noch ewig dicht bleiben?

imago images / Travel-Stock-Image

Unfassbare Bilder gibt’s aus Berlin: Als hätte es Corona nie gegeben feierten Tausende am Sonntag die Demo „Für die Kultur – Alle in einem Boot“. Angemeldet war sie als Boots-Rave.

Der Berliner Senat hatte zwar letzte Woche beschlossen, dass ab Samstag (30. Mai) in der Hauptstadt wieder Demonstrationen ohne zahlenmässige Beschränkung im Freien erlaubt sind, aber von Abstandhalten konnte am Landwehrkanal kaum die Rede sein. Mund- und Nasenschutz hatten auch die wenigsten Partypeople aufgezogen.

Ein Polizeisprecher erklärte laut „Bild“-Zeitung: „Gegen 15.50 Uhr nahmen an der Versammlung 300 bis 400 Boote teil, darunter überwiegend Schlauchboote und rund 20 größere Boote, die dann den Endplatz in der Nähe der Hobrechtbrücke in Kreuzberg nach und nach erreichten. Im weiteren Verlauf der Versammlung befanden sich jeweils bis zu 1500 Personen auf den Booten sowie am Land und es wurde auf mehreren Booten Musik abgespielt“.

Ist das hier der Grund, warum Clubs noch ewig dicht bleiben?

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Rebellion der Träumer

Offenbar nahm das dann alles überhand, selbst die Organisatoren, angeblich eine Initiative von einzelnen Akteuren aus der Berliner Clubszene, seien überrascht worden von den Menschenmassen. Das Happening, dass offenbar als „Demonstration“ angemeldet worden war, sei dann „am Ufer aus polizeilicher Sicht außer Kontrolle“ geraten. Die Veranstaltung konnte gegen 17.30 Uhr friedlich beendet werden, da zum Zeitpunkt des höchsten Zulaufs ohnehin das Ende geplant gewesen sei. Rund 100 Polizisten waren im Einsatz.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Ana D. Martín (@ana.d.martin) am Mai 31, 2020 um 10:50 PDT

Ein Augenzeuge zu „Bild“: „Die Stimmung war friedlich-feiernd, die Corona-Abstände wurden selten eingehalten.“ Zu der Aktion aufgerufen hatte laut AFP die Facebook-Seite „Rebellion der Träumer“. „Unsere künstlerischen Existenzen drohen zu scheitern, unsere Kulturräume zu verschwinden – wenn die Gesellschaft sich nicht solidarisch zeigt“, heißt es in dem Aufruf. Man fordere die „finanzielle Gleichstellung von Solo-Selbstständigen Künstlern mit Kurzarbeitenden sowie finanzielle Hilfen für nicht-staatliche Kulturinstitutionen.

Die Nachrichtenagentur zitierte einen Senatssprecher: „Die Lockerungen, auf die alle lange gewartet haben, sollten jetzt nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.“ Die Reaktionen im Netz waren naturgemäß gemischt. „Nach Corona ist vor Corona- wir haben halt in unserer Gesellschaft zuviele Egoisten für die Solidarität ein Fremdwort ist“, heißt es da u.a.

Zu einem auf Instagram geposteten Video schrieb die Pinata-Manufaktur: „Und genau deshalb werden die Clubs geschlossen bleiben. Es zeigt exemplarisch, wie unverantwortlich die Konsumenten damit umgehen. Das war eine Klatsche für alle, die von dieser Szene arbeitstechnisch abhängig sind“.