01.08.2020 20:49 Uhr

Ist Emma Watson hier übers Ziel hinausgeschossen?

Alexis Neiers fühlt sich von Emma Watson in "The Bling Ring" falsch dargestellt. Sie wirft der britischen Schauspielerin mangelndes Mitgefühl vor.

imago images / ZUMA Press

Schauspielerin Emma Watson (30) gilt eigentlich als eine sehr rücksichtsvolle, engagierte Person. Die junge Britin tritt stets höflich auf und engagierte sich seit Jahren für mehr Gleichberechtigung und Frauenrechte.

Im Rahmen ihrer Wohltätigkeitsarbeit wurde ihr allerdings immer wieder vorgeworfen als sehr reiche, weiße Frau nicht verstehen zu können, mit welchen Problemen sich Frauen in der „echten“ Welt herumschlagen müssen. Konkret wurde ihr „weißer Feminismus“ unterstellt.

„The Bling Ring“

Aus einer ähnlichen Richtung kommt der Vorwurf von Alexis Neiers (29). Die Story der jungen Frau wurde 2013 von Sofia Coppola mit „The Bling Ring“ verfilmt. Der Kinohit erzählt die wahre Geschichte von fünf wohlhabenden Jugendlichen, die von Oktober 2008 bis August 2009 in die Villen von diversen Hollywood-Prominenten einbrachen. Zu den Opfern gehörten unter anderem Paris Hilton (39), Orlando Bloom (43), Lindsay Lohan (34) und Rachel Bilson (38). Die Rolle der Nicki, gespielt von Emma Watson, war von Alexis Neiers inspiriert.

Neiers war drogenabhängig

Im Instagram-Live-Chat mit Comedian Ziwe Fumudow erklärte Neiers nun, warum sie sich falsch dargestellt fühlt. Sie sagte: „Ich habe ein Problem mit den Kommentaren, die sie über mich und die Rolle gemacht hat. Und das, obwohl ich meine Strafe bereits bekommen habe. Zu dem Zeitpunkt war auch schon bekannt, dass ich damals heroinabhängig war. Während der Dreharbeiten befand ich mich im Entzug.“

Emma Watson nannte sie „ekelhaft“

Sie fügte hinzu, dass sie sich etwas mehr Einfühlungsvermögen von Emma Watson gewünscht hätte: „Ich glaube, Emma sagte so etwas wie: ‚Dieses Mädchen ist der Inbegriff dessen, was ich total ablehne, und sie ist ekelhaft‘. Jeder wusste 2013 aber schon, dass ich meine gesamte Kindheit sexuell missbraucht wurde und damals schlicht und ergreifend eine Heroinsüchtige war.“

WW

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Wenig Empathie, viele Privilegien

Die Argumentation von Alexis Neiers ist mehr als verständlich. Die harschen Kommentare der „Harry Potter“-Darsteller über sie beweisen wirklich wenig Mitgefühl. Emma Watson urteilte aus einer sehr privilegierten Situation heraus über einen traumatisierten Menschen, der nichtsdestotrotz Taten beging, die nicht richtig waren.

Nur ein Monat im Knast

Allerdings muss man sagen, dass auch Alexis Neiers wirklich von dem Privileg ihrer weißen Hautfarbe profitierte. Obwohl der Teenagerin ihre Teilnahme an den Einbrüchen eindeutig nachgewiesen werden konnte und teures Diebesgut in ihrem Zuhause gefunden wurde, verurteilte sie der Richter lediglich zu einer Haftstrafe von sechs Monaten mit drei Jahren Bewährung und 600.000 Dollar Strafe.

Tatsächlich hinter Gittern absitzen musste sie allerdings nur einen Monat. Teeanger mit nicht-weißer Hautfarbe können von solchen Urteilen nur träumen.