Dienstag, 17. Januar 2012 13:17 Uhr

„J. Edgar“: Ein ganz großer Leonardo DiCaprio als schwule FBI-Legende

Berlin. Am Donnerstag startet ‚J. Edgar‘ mit Leonardo DiCaprio als der legendäre FBI-Chef John Edgar Hoover (1895-1972). Der Zuschauer wird unter der Regie von Clint Eastwood in die Zeit der großen amerikanischen Depression geführt. Mit der Biografie J. Edgar Hoovers wird uns ein Aufstieg ohne Gleichen gezeigt.

Mit beinahe faschistoiden Mitteln gelang es Hoover Geheimnisse zu sammeln, zu bewahren und so einzusetzen, dass er acht US-Präsidenten überstand, zum mächtigsten Mann der Vereinigten Staaten Amerikas wurde und völlig neu entwickelte Methoden der Verbrechensbekämfung manifestieren konnte.

Nicht allein dieses Wechselspiel von Machtbesessenheit, verzweifelter Suche nach Anerkennung und dem Begehen von forensischem Neuland macht den Zugang zu diesem Protagonisten schwierig. Die Verfilmung der Kariere des FBI Chefs widerspiegelt gekonnt, wie es einem Mann gelang das amerikanische Volk mit den eigenen Ängsten der Verletzbarkeit zu infizieren. Wenn man so will basiert die Existenz des FBI allein auf den Komplexen Hoovers.

Spätestens seit ‚Aviator‘ weiß man, wozu der kleine Leonardo DiCaprio aus ‚Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa‘ fähig ist. Und hier, im neuesten Streifen mit ihm als J. Edgar Hoover, scheint’s, als wäre er am Set vorbeigekommen, um Hallo zu sagen und gewohnte Qualität abzuliefern, für die er gar nichts kann, weil er nun eben mal so ist.

Man traut sich sogar, sein Schauspiel mit einem Ballett zu vergleichen, an dessen Leichtfüßigkeit und Anmut man sich erfreuen kann, ohne dass die großen Mühen dahinter dominant hervorblitzen.

Di Caprio zeigt uns glaubwürdig einen J. Edgar Hoover, vom jungen Burschen, über den reifen Mann, bis zum innerlich nie gebrochenem Alten. Bravo.

Und noch einmal Bravo für Judi Dench (Hoovers Mutter), Naomi Watts (Hoovers Sekretärin) und Armie Hammer (Clyde Tolson), die in ihren Rollen derart leise, aber glanzvoll brillieren, was den Film abrundet und schauspielerisch wundervoll glänzen lässt.

Judi Dench, als Hoovers Mutter verkörpert so liebevoll das Demagogische dieser Zeit, dass man es ihr gar nicht auf ihrem Konto der seelischen Grausamkeiten anrechnen will.

Hoovers Sekretärin, gespielt von Naomi Watts ist nach der Mutter die „First Lady“ an dessen Seite. Sie versagen sich die Liebe als Paar, aber schwören sich ein auf die übergroße Liebe zu ihrer Arbeit. Paradoxer Weise sieht man gern dieser wohlerzogenen Ergebenheit zu.

Der Dritte im Bunde der großartigen Mimen ist Armie Hammer. Er spielt den, über viele Jahre treuen und vor allem loyalen Freund und Wegbegleiter Clyde Tolsen.

Eastwood reißt die Thematik, der eigentlich nie bestätigten Homosexualität zwischen diesen beiden Männern an. Jedoch tut er es auf sensible Art und Weise, die den Zuschauer nie unangenehm berührt. Mit der Kussszene aber schlittert Eastwood ganz dicht durch die Kurve der abgedroschenen Bilder.

Die kleinen „Unebenheiten“ verzeiht der geschichts- und persönlichkeitsinteressierte Zuschauer gern.

Nicht zuletzt wird man auch die großartige Leistung der Maskenbildner warnehmen, sowie die historisch stimmige Szenerie. Ein Film, in dem uns eine Persönlichkeit nahe gebracht wird und die uns über ihn vielleicht sagen lässt: „Aha, hatte ich nicht gewußt.“

Paul Hille

Fotos: Konrad Wolff, Warner Bros. Pictures

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