Jan Josef Liefers: „In der DDR wäre ich dafür wahrscheinlich in den Knast gekommen“

Jan Josef Liefers: "In der DDR wäre ich dafür wahrscheinlich in den Knast gekommen"
Jan Josef Liefers: "In der DDR wäre ich dafür wahrscheinlich in den Knast gekommen"

© IMAGO / Karina Hessland

28.04.2021 11:10 Uhr

TV- und Kinostar Jan Josef Liefers äußert sich erneut zur umstrittenen Kampagne #allesdichtmachen, an der er sich mit einem Video beteiligt hat.

TV- und Kinostar Jan Josef Liefers äußert sich erneut zur umstrittenen Kampagne #allesdichtmachen, an der er sich mit einem Video beteiligt hat.

Finger auf der Wunde?

Im Gespräch mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ sagte der „Tatort“-Schauspieler: „Ich will die Form dieser Kampagne gar nicht so verbissen verteidigen. Mir ist total klar, dass man sie vollkommen daneben finden kann. Aber eins lässt sich auch nicht von der Hand weisen: Irgendeinen neuralgischen Punkt haben wir berührt“, sagt Liefers.

„Ich bin in der DDR groß geworden – ich bin damit aufgewachsen, dass es Wind von vorne gibt, wenn man sich zu Politik und Gesellschaft äußert. In der DDR wäre ich für so ein Video wahrscheinlich in den Knast gekommen. Aber auch das, was wir hier erleben, ist nicht schön“, sagt der Schauspieler weiter.

Jan Josef Liefers über den Bubble-Kampf von heute

„Heute erklärt nicht mehr der gute alte Klassenkampf die Welt – sondern heute gibt es einen Bubble-Kampf, zwischen Angehörigen verschiedener Meinungsblasen. Und das Verrückte ist, dass Leute, die tief in solchen Bubbles sitzen, gar keinen Schimmer mehr von der Welt ihrer Nachbarbubble haben. Das führt zu einer nahezu totalitären Argumentation, bei der es ums Rechthaben, auch ums Zerstören des anderen Standpunkts geht.“

Übrigens: Als Reaktion auf #allesdichtmachen hat die Notfallmedizinerin Carola Holzner die Kampagne „alle mal ne Schicht machen“ ins Leben gerufen: eine Aufforderung, sich in ihrer Klinik auf der Intensivstation anzuschauen, wie die Mediziner und Pflegekräfte dort arbeiten. „Ich habe mich schon angemeldet“, sagt Liefers nun.

Anna Loos meldet sich zu Wort

Unterdessen hat Schauspielerin Anna Loos ihren Ehemann öffentlich in Schutz genommen. in einem längeren Post auf Facebook schrieb sie: „Ich habe mir alle #allesdichtmachen Filme angeschaut. Zugegeben, ich finde sie sind von unterschiedlicher Qualität und nach mehr als einem Jahr Corona ist die Satire-Fähigkeit unserer Gesellschaft mit Sicherheit nicht groß, meine ist jedenfalls ist begrenzt. Aber ich habe nicht bei einem einzigen Beitrag meiner Kollegen daran gedacht, dass ich es hier mit extrem nach rechts gerutschten Menschen zu tun habe, die Corona an sich leugnen und alle Corona Opfer mit Füßen treten. Nein, sie wollten etwas anstoßen und auch wenn Sie eine Menge verbrannte Erde hinterlassen haben. Es hat funktioniert, Sie alle haben gemeinsam etwas angestoßen. (…) Gut, dass es jetzt von führenden Köpfen in Politik und Medien Gesprächsangebote gibt. Ich bin sehr gespannt, was daraus wird, und wer weiß, vielleicht treten Kunst und Kultur diesem Diskurs ja auch bald bei.“