04.10.2020 09:09 Uhr

Janis Joplins 50. Todestag: Der Mythos des Klub 27

Am 4. Oktober 1970 starb die Rocklegende Janis Joplin im Alter von 27 Jahren. Das macht sie zum Mitglied des "Klub 27" - der Klub der Stars, die mit 27 ums Leben gekommen sind.

imago images / Cinema Publishers Collection

Am Sonntag (4. Oktober) jährt sich der Todestag der legendären Rocksängerin Janis Joplin zum 50. Mal. Sie starb 1970 im Alter von 27 und ist somit Teil des sagenumwobenen „Klub 27“. Dabei handelt es sich um Künstler, hauptsächlich berühmte Sänger, die mit 27 gestorben sind. Das Phänomen kam erstmals in den 1970er Jahren auf, als innerhalb von zwei Jahren die Musikgrößen Brian Jones (1942-1969), Jimi Hendrix (1942-1970), Jim Morrison (1943-1971) und Joplin im gleichen Alter ums Leben gekommen sind.

Doch erst nach Kurt Cobains (1967-1994) Tod zog der Mythos um den Klub größere Kreise. Amy Winehouse (1983-2011), die im Jahr 2011 tot aufgefunden wurde, gehört ebenfalls zu der tragischen Gruppierung. Die Künstler eint, dass ihre Tode meist mit dem Missbrauch von Rauschmitteln zusammenhingen und sich oft Mordtheorien und wilde Spekulationen um ihre genauen Todesumstände ranken.

Janis Joplin: Ein Hippie der ersten Stunde

Janis Joplin ebnete als erste erfolgreiche Rocksängerin den Weg für alle, die nach ihr gekommen sind und formte die Musikwelt wie nur wenige andere. Am 19. Januar 1943 kam sie in Port Arthur, einer kleinen Stadt in Osttexas zur Welt. Während sie in ihrer Kindheit und Jugend für ihre Andersartigkeit noch gehänselt wurde, machte sie eben dieser Freigeist in den 1960er Jahren zur Ikone der Hippiebewegung. Im zarten Alter von 18 Jahren beschloss Joplin, ihre Koffer zu packen und nach Los Angeles zu ziehen, um Sängerin zu werden.

Fünf Jahre und einige Wohnortswechsel später, erhielt sie 1966 den Anruf, der ihr Leben veränderte: Sie sollte die Sängerin der Band Big Brother and the Holding Company werden. Sie sagte ja und feierte mit den Musikern schnell Erfolge, doch nach zwei gemeinsamen Alben trennte sich Joplin von der Band und gründete 1968 ihre eigene. Mit dem Erfolg und legendären Auftritten auf dem Hippie-Musikfestival „Woodstock“ driftete Joplin auch immer mehr in einen Lebensstil getreu dem Motto „Sex, Drugs & Rock’n’Roll“ ab, was ihr später zum Verhängnis wurde.

Nur drei Tage nachdem sie am 1. Oktober 1970 mit ihrer dritten Band, der Full Tilt Boogie Band, den A-cappella-Song „Mercedes Benz“ aufgenommen hatte, wurde Joplin tot in ihrem Hotelzimmer aufgefunden. Die Obduktion klassifizierte ihren Tod später als Konsequenz einer Überdosis Heroin. Ihr Abschied war so Rock’n’Roll wie die Sängerin selbst: Nur wenige Tage vor ihrem Ableben hatte sie ein Testament unterzeichnet, indem sie sich wünschte, dass 200 ihrer Freunde das von ihr hinterlassene Bargeld bei einer großen Party vertrinken sollten.

Jimi Hendrix: Einer der begnadetsten Gitarristen der Musikgeschichte

Nur wenige Wochen vor Joplins Ableben starb Jimi Hendrix am 18. September 1970 in London. Er gilt bis heute als einer der einflussreichsten Gitarristen der Branche und war, wie Joplin, ein wichtiger Teil der Hippiebewegung der 1960er Jahre. Für James Marshall Hendrix, wie der Künstler mit bürgerlichen Namen hieß, war die Musik schon früh eine Flucht vor der Realität. Seine Kindheit war geprägt von Armut und dem daraus resultierenden Alkoholismus der Eltern. Mit vier Jahren erhielt er eine Mundharmonika, doch er wünschte sich stets eine Gitarre.

Mit 15 fischte er eine Ukulele aus dem Müll und es war um ihn geschehen. Er fand den Rock’n’Roll für sich, gründete schon im Teenageralter zwei Bands und wagte sich nach seiner Zeit im Militär 1965 in die Musikbranche. In Europa gründete er die Band Jimi Hendrix Experience, mit der er innerhalb kurzer Zeit zum weltberühmten Sänger und Gitarristen wurde. Alkohol und Drogen gehörten seit Beginn des Tourlebens zum Alltag der Band, schrieb Gitarrist Noel Redding (1945-2003) später in seiner Biografie.

Hendrix wurden die Rauschmittel letztlich ebenfalls zum Verhängnis: Am Abend des 17. September 1970 trank er in einem Hotel Rotwein und nahm zu viele Schlaftabletten seiner Freundin Monika Dannemann (1945-1996), die ihn am Morgen darauf bewusstlos vorfand. Es ist unklar, ob er bereits tot im Krankenhaus ankam oder erst dort an seinem Erbrochenen erstickte. Bis heute kursieren Verschwörungstheorien darüber, dass es sich bei seinem Tod um Mord oder Selbstmord gehandelt habe.

Jim Morrison: Sex, Drugs and Rock’n’roll

Jim Morrison, der Frontmann der US-Rockband The Doors wurde am 3. Juli 1971 Mitglied des „Klub 27“. Gemeinsam mit Joplin und Hendrix prägte er die musikalische Entwicklung der späten 1960er Jahre maßgeblich. Der Sänger kam am 8. Dezember 1943 in Melbourne, Florida, als erster Sohn eines Marineoffiziers zur Welt. Während seines Studiums der Theaterwissenschaft an der University of California in Los Angeles lernte er seinen Kommilitonen Ray Manzarek (1993-2013) kennen.

Nach seinem vollendeten Diplom gründete er 1965 mit diesem eine Band, die später zu der Erfolgsband The Doors mutierte. 1967 erschien das erste Album, das den Aufstieg bis Platz zwei in den US-Charts schaffte. Ihre erste Single war für mehrere Wochen die Nummer eins der Single-Charts. Die Band avancierte in den kommenden Jahren zu Megastars und Morrisons sozialkritische Texte machten ihn zum Idol einer Generation. Doch auch er war den Drogen nicht abgeneigt und sorgte mit Beleidigungen, gotteslästerlichen Flüchen und Entblößungen immer wieder für Aufregung.

Im März 1971 beschloss Morrison, sich mit seiner Freundin Pamela Courson (1946-1974) eine Auszeit in Paris zu nehmen. Vier Monate später starb der Sänger und Songschreiber am 3. Juli in der Badewanne seiner Pariser Wohnung an Herzversagen.

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Kurt Cobain: Der Nirvana-Star, dessen Probleme ihn letztlich einholten

Mit der Kultband Nirvana schaffte es Kurt Cobain zu weltweitem Ruhm. Als Kind und Jugendlicher litt der am 20. Februar 1967 in Aberdeen, Washington, geborene Musiker stark unter der frühen Scheidung der Eltern. Als Konsequenz brach er mit 18 Jahren die Schule ab und zog mit seiner Freundin nach Olympia, ebenfalls in Washington. Zuvor hatte er mit 14 mit Kumpel Krist Novoselic (55) seine erste Band gegründet. Nach vielen Mitglieder- und Namenwechseln wurde aus der Band 1987 letztlich Nirvana. Fast über Nacht wurden die Musiker zu Teenie-Idolen.

Doch der Ruhm konnte ihm nicht mit seinen persönlichen Problemen helfen. Der Sänger litt immerzu unter starken Magenschmerzen, deren Ursache nie geklärt werden konnte. Seine psychischen Schwierigkeiten holten ihn zunehmend ein und er rutschte in die Heroinsucht ab. Auch Ehefrau Courtney Love (56) und ihre gemeinsame Tochter Frances Bean (28) konnten ihn nicht aus diesem Loch holen.

Im März 1994 versuchte er, Suizid zu begehen und verabreichte sich eine Überdosis aus einem Schlafmittel und Champagner. Er landete in einer Entzugsklinik in Los Angeles, aus der er am 5. April 1994 floh und sich das Leben nahm. In seinem Abschiedsbrief zitierte er aus Neil Youngs (74) Song „Hey Hey, My My“ den berühmten Satz: „Es ist besser auszubrennen, als langsam zu verblassen.“

Amy Winehouse: Die Soulikone mit der Reibeisenstimme

„Sie versuchten mich in die Entzugsklinik einzuweisen, doch ich sagte: ‚Nein, nein, nein'“. Mit dem Song „Rehab“ (2006) gelang Amy Winehouse einer der größten Hits, ehe sie am 23. Juli 2011 mit nur 27 Jahren starb. Winehouse wurde am 14. September 1983 in London geboren, wo sie zusammen mit dem älteren Bruder Alex in einer jüdischen Familie aufwuchs. Ihre Eltern trennten sich, als die Sängerin neun Jahre alt war. Bereits im Kindesalter sorgte sie mit störendem Verhalten für Aufsehen; sie musste insgesamt fünf Mal die Schule wechseln. Ein Musiktheater-Studium brach sie nach einigen Monaten ab.

Im Alter von 14 begann sie mit der Gitarre ihres Bruders eigene Songs zu schreiben. Fünf Jahre später, im Jahr 2003, unterschrieb sie ihren ersten Plattenvertrag. Im selben Jahr erschien Winehouse‘ erstes Album „Frank“. Der Song „Rehab“ des zweiten Albums „Back to Black“ brachte der Sängerin 2006 internationale Berühmtheit ein. Ihre typische Beehive-Frisur, der dick aufgetragene Lidstrich und ihre tiefe, kratzige Stimme machten sie unverkennbar. Doch von Beginn ihrer Karriere an hatte sie auch mit einer Alkohol- und Drogensucht zu kämpfen.

Immer wieder sorgte die Künstlerin mit betrunkenen Auftritten für Schlagzeilen, bis sie 2009 eine Karrierepause ankündigte. Das geplante Comeback 2011 scheiterte, als sie am 18. Juni 2011 erneut stark alkoholisiert zu einem Auftritt erschien. Einen Monat später wurde Winehouse am 23. Juli 2011 von ihrem Bodyguard tot aufgefunden. Sie war an einer Alkoholvergiftung mit 4,16 Promille im Blut gestorben.

(jru/spot)

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