17.02.2020 19:24 Uhr

Jay Khan kritisiert öffentliche Wendler-Hetzjagd

imago images / Future Image

Sänger Jay Khan hat sich zu Michael Wendler geäußert, der ja seit einigen Wochen als unfreiwillige Zielscheibe für Späße von Comedian Oliver Pocher fungiert. Dem TV-Komiker wirft er Mobbing vor. Anlass für sein Schreiben ist der Selbstmord einer britischen TV-Moderatorin. In einem längeren Post auf Facebook äußerte sich Jay Khan wie folgt:

„Ich fühle mich auch in keiner Weise dazu befugt, die Lanze für ‚den Wendler‘ zu halten, da er weder mein Freund noch ein flüchtiger Bekannter ist. Es geht mir auch weniger um die Person Michael Wendler, sondern um etwas Allgemeines. Dass ein etablierter Comedian u. Entertainer, der selbst Jahre lang von Kritik und medialer Schelte nicht befreit war, sich auf eine Person so nachhaltig und konsequent einschießt, erschließt sich mir nicht …. aber dass nun durch Beihilfe des medialen Echos und den gegebenen viralen Plattformen sich plötzlich Hinz und Kunz auch zu Wort melden müssen, um nochmal ordentlich nachzutreten, macht mich schlichtweg sprachlos.“

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Officialjaykhan (@jaykhanmusik) am Feb 16, 2020 um 4:38 PST

(…) „Dass nun vermeintliche Kollegen, darunter auch gestandene TV- Moderatoren, angesehene Schlager-Interpreten und Castingshow-Juroren etc. zu Wort melden und jauchzend die Hetze unterstützen und bestärken ist einzig allein als klassisches MOBBING zu betiteln. Durch eine entstandene Eigendynamik bilden sich Kollektive u. Gruppierungen, die sich mit gewetzten Messern auf den bereits getretenen Gaul raufstürzen, in der Annahme, es wäre in Ordnung, weil ‚Er‘ und ‚Sie‘ es ja auch tun, ohne einen scheinbaren Schaden davon zu tragen, im Gegenteil sogar dafür bejubelt u. angefeuert werden.“

Man muss nicht alles am Wendler mögen

Jay Khan wisse nicht, ob er „Herrn Wendler mögen würde, wenn ich ihn näher erfahren würde und finde sicherlich auch einige seiner Handhabungen fragwürdig“, schreibt er weiter in seinem Facebook-Post.

„Als ‚das Bashing Fest‘ begann, war mein erster Gedanke, es handle sich hierbei um eine sorgfältig strukturierte PR Kampagne, in der beide Protagonisten klammheimlich miteinander auf die gelungene Cross Promo anstoßen. Aber was, wenn nicht? Und welches Recht hätte ich dann als Person der Öffentlichkeit mit meiner im Verhältnis lauteren Stimme u. Reichweite auf einen mir Fremden einzuprügeln. Wie auch immer diese Person tickt, er ist ein MENSCH und hat auch Gefühle, Dinge die ihm schlaflose Nächte bereiten u. plagen. Und so schmerzfrei er einem vielleicht erscheint, ist und bleibt er trotzdem MENSCH, der irgendwo unter seiner Schale den ein oder anderen wunden Punkt verbirgt, der ihn am falschen Tag aus dem Gleichgewicht bringen könnte.“

Was macht das mit einem?

Der 37-Jährige Sänger schaut in seinem Post weise voraus und schreibt über die Beziehung von Michael Wendler mit seiner 19 Jahre jungen Laura Müller: „Was ist wenn seine neue Lebensgefährtin mit 22 merkt, dass sie nicht mit einem Anfang 50-Jährigen zusammen sein möchte und ihn für einen Fußballer, Rapper oder Fitness Model verlässt?… Was könnte das aus einem Mann mittleren Alters machen, wenn alles was ihm noch bleibt Hohn, Spott und Schulden sind?“

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Oliver Pocher (@oliverpocher) am Feb 16, 2020 um 1:13 PST

Khan erinnert an die Zeit, als er Zielscheibe von Hohn und Spott war und schrieb: „Ich habe mich in meinen späten 20ern damals auch unvorteilhaft präsentiert, Fehler gemacht und innerhalb von wenigen Tagen meine Karriere nahezu beerdigt. Ich stand im 100% Fokus der Öffentlichkeit und wurde tagtäglich gebasht, denunziert und an den Pranger gestellt.“

Bittere eigene Erfahrungen

Er schreibe das nicht um Mitleid zu ernten, doch habe er nicht aufgegeben, „habe weitergemacht und kämpfe nach fast einem Jahrzehnt immer noch gegen die scheinbar unbezwingbaren Geister namens ‚Vorurteil u. vorgefertigte Meinung‘ an…“

„Aber ich werde nie vergessen, wie ich mich damals gefühlt habe, wie hilflos ich war und wie emotional abhängig ich von der Liebe u. Gunst der Menschen war, die über meine Faux pas hinwegsahen u. mich wieder auffingen. Wieso also jemanden wiederholt auf die Fresse hauen, der scheinbar ein großes Talent dafür besitzt, es sich ohnehin sehr schwer zu machen?“

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von MICHAEL WENDLER (@wendler.michael) am Feb 7, 2020 um 12:43 PST

Es sei unser gutes Recht, uns ein Bild oder eine Meinung über eine Person zu machen, die wir nicht kennen, so Jay Khan weiter. „Das ist menschlich und in jedem von uns verankert. Aber zwischen dem und ÖFFENTLICHER HETZE liegen Welten …“ Der Sänger schließt mit den Worten: „In einer Welt, in der Du alles sein kannst, SEI RÜCKSICHTSVOLLER, SEI NETTER UND SEI DIR DER WIRKUNG DEINER WORTE BEWUSST.“

Hat Jay Khan recht?

Ja zweifelsfrei. Irgendwann ist auch mal gut.
Jeder Künstler muss sich Kritik gefallen lassen.
Ach ist doch alles nur Spaß!