Donnerstag, 26. April 2018 18:45 Uhr

Joaquin Phoenix mit Hammer als Ein-Mann-Armee unterwegs

Heute startet in den deutschen Kinos „A Beautiful Day“. Cineasten sei der Thriller mit dem „Prädikat wertvoll“ und einem grandiosen Joaquin Phoenix deshalb ans Herz gelegt!

Joaquin Phoenix mit Hammer als Ein-Mann-Armee unterwegs

Foto: Constantin

Joe (Joaquin Phoenix) macht einen heruntergekommenen Eindruck, aber keinen schwachen. Zottellook wohin man schaut, die Haare sind „Bäh!“ und der Wildwuchs von Bart wuchert eklig vor sich hin. Auf Kleidung scheint Joe auch keinen Wert zu legen, Hauptsache Hoddie und Schuhe, die kein Geräusch machen. Robust und stämmig ist Joes Körper – wie ein kräftiger Primat. Der Eindruck muss erst einmal sacken, denn kräftig, roh und gedrungen sind jetzt nicht unbedingt die Eigenschaften, die einem zwangsläufig einfallen, wenn man an den Schauspieler Joaquin Phoenix denkt. Wenn da nicht die Augen wären, sanft, unergründlich und behutsam bei der Betrachtung anderer. Joe ist Auftragskiller, Ex-FBI-Agent und Kriegsveteran.

Der Hammermörder

Er erschlägt seine „Ziele“ gern mit einem stinknormalen Hammer aus dem Heimwerkermarkt. Eines seiner Ziele sind Menschenhändler, die Minderjährige an Pädophile verhökern und dann im Tauschring weiterverleihen. Die Zuhälter sind erwartungsgemäß nicht zimperlich im Umgang mit den Kindern, die Kunden sind aber auch nicht ohne. Joes aktueller Auftrag lautet: Befreie Nina (Ekaterina Samsonov), die Tochter des mitten im Wahlkampf steckenden Senators Votto (Alex Manette). Nachdem Joe den aktuellen Auftrag erhalten hat, wirkt er wie augewechselt – jetzt kommt der Profi zum Vorschein.

Routiniert nimmt er die Fährte auf und kreist die Orte ein, an dem sich Nina aufhalten könnte. Ruhig und effizient beobachtet er die Lage, bevor er seinen Befreiuungsschlag plant.

Joaquin Phoenix mit Hammer als Ein-Mann-Armee unterwegs

Foto: Constantin

Mann mit zwei Gesichtern

Wenn der private Joe sichtbar wird, ändert sich alles an ihm. Er pflegt seine demente Mutter (Judith Roberts) hingebungsvoll. Wenn die Mutter baden geht und dabei eine prächtige Überschwemmung veranstaltet, wischt Joe die Wassermassen auf. Sie sitzen am Tisch und sehen sich ein Fotoalbum an, kommen darüber ins Singen von Liedern aus der Kindheit. Eines davon ist ein charmantes ABC-Liebeslied, welchen beide leise und schief zusammen singen. Joe wird das Liedchen später auch für sich selbst zur Beruhigung singen, da steht er mit nackten, narbenübersäten Oberkörper vor einem Spiegel und sind ganz leise mit angekratzer Stimme, „F – du bist die Feder in meinem Arm“, während er sich selbst verarztet.

Ein zartbesaiteter Schläger, der bei senilen Mutter wohnt. Die Probleme bei seinem aktuellen Job haben mit dieser kleinen Welt nichts zu tun.

Joaquin Phoenix mit Hammer als Ein-Mann-Armee unterwegs

Foto: Constantin

Alles läuft aus dem Ruder

Bei dem aktuellem Job, der Nina-Befreiungsaktion wird nichts so sein, wie Joe das sonst so händelt. Dieses Mal wird alles anders. Schlampig recherchierte Informationen lassen Joe ins offene Messer laufen, er ist verladen worden, überhaupt läuft die ganze Situation komplett aus dem Ruder. Nichtsdestotrotz lässt Joe erst einmal nicht davon ab, weiter nach Nina zu suchen. Joe ist mitten in einer Verschwörung in höchsten politischen Kreisen. Er erkennt aber erst Zug um Zug, in welcher Sauerei er steckt und muss sich exponieren. Zieht er sich letztendlich zurück oder hilft er Nina? „A Beautiful Day“ (Originaltitel „You Were Never Really Here“) ist ein einziges berauschendes Joaquin-Phoenix-Festival.

Joaquin Phoenix mit Hammer als Ein-Mann-Armee unterwegs

Foto: Constantin

Fazit: Martin Scorseses „Taxi Driver“ aus dem Jahr 1976 lässt grüßen. Regie führte bei „A Beautiful Day“ Lynne Ramsay, die schon mit „We need to talk about Kevin“ einen Klasse-Film gedreht hat. (Katrin Wessel)

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