04.03.2020 09:14 Uhr

Joko und Klaas unter Beschuss: Das ist das verheerende Medienecho

imago images / APress

Was haben Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf nicht immer gebattelt, gelitten, oder andere Leute verarscht. Jetzt erscheinen rückblickend viele ihrer Beiträge in einem anderen Licht. Die ProSieben-Entertainer müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, ihre Beiträge nicht nur gescripted zu haben, sondern auch Szenen gestellt und gefaked zu haben. Verantwortlich für die Enthüllungen ist das NDR-Format „STRG_F“, das die Redaktion von „Panorama“ im Rahmen von „funk“ für YouTube produziert.

Fake-Vorwürfe

Bislang haben sich die beiden Entertainer nicht persönlich geäußert. Konkret geht es um die jüngsten Filmbeiträge mit Sophia Thomalla, Edin Hasanovic und Fahhraddiebe.

Wir glauben aber, das ist nur die Spitze des Eisberges. Wer erinnert sich nicht beim „Duell um die Welt“, als Joko Winterscheidt angeblich allein in einem Flugzeug zurückgelassen wurde (siehe unten), oder bei „Circus Halligalli“ an „Bei leise Preise!“ (siehe unten). Warum soll da nicht nachgeholfen worden sein?

Vielleicht werden die beide TV-Anarchos die schweren Vorwürfe mit überbordernder Ironie herunterspielen und daraus einen Filmbeitrag machen. Und glauben damit, die Sache vergessen zu machen…

Wir haben hier die Pressestimmen zu dem Skandal zusammengetragen. Zu dem Enthüllungsvideo, das am Dienstagabend veröffentlicht wurde geht’s hier.

Medienreaktionen

„Die Unterhaltungskünstler Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf setzen offenbar umfangreich Schauspielerinnen und Schauspieler in ihren Einspielfilmen ein, obwohl die Ereignisse als spontan und echt dargestellt werden. Das haben Recherchen des NDR Formats STRG_F ergeben, das die Redaktion von „Panorama“ im Rahmen von funk für YouTube produziert. Demnach konnte anhand mehrerer Beispiele der Einsatz gecasteter Laiendarsteller nachgewiesen werden. Auch Darstellungen von Ereignissen sind grob verkürzt oder offenbar gescripted.“ (NDR)

„Die Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf sehen sich aktuell mit schweren Vorwürfen konfrontiert. So sollen die Entertainer laut eines Berichts des NDR-Formats „STRG_F“ zufolge bei den Formaten „Late Night Berlin“ und „Duell um die Welt“ den Zuschauer getäuscht haben. Als spontan verkaufte Szenen sollen demnach geskriptet und mehrfach abgedreht worden sein.“ (Westdeutsche Zeitung)

„Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf sind für ihre Ideen und die hohen moralischen Standards ihrer Sendungen bekannt – nun werden Fälschungsvorwürfe laut. (…) Fakt ist nach der Fake-Geschichte: Die Glaubwürdigkeit zweier sehr wichtiger Protagonisten des deutschen Privatfernsehens ist beschädigt.“ (Süddeutsche Zeitung)

„Die Enthüllung bedroht die Grundlage des Erfolgs von Joko und Klaas. Es wird den Zuschauern danach schwer fallen, ihre Pranks mit der gleichen Unbefangenheit zu sehen wie vorher. Und es wird Joko und Klaas danach schwer fallen, mit derselben moralischen Autorität aufzutreten wie bisher.“ (Übermedien)

„Es wurde anhand mehrerer Fälle der Einsatz gecasteter Laiendarsteller nachgewiesen. Auch Darstellungen von Ereignissen sollen grob verkürzt oder offenbar gescripted sein.“ (Bild)

„Die TV-Streiche der ProSieben-Stars Joko & Klaas begeistern, weil sie authentisch wirken. NDR-Recherchen haben jetzt ergeben, dass in den Einspielfilmen statt echter Passanten auch Schauspieler eingesetzt werden.“ (Der Spiegel)

„In einem Ausschnitt wird demzufolge dargestellt, wie ein Dieb dabei erwischt wird, ein Fahrrad zu stehlen. Heufer-Umlauf beschreibt den Clip im Vorfeld mit: ‚Ich möchte Fahrraddiebe auf frischer Tat ertappen.‘ Jetzt kam raus: Der in dem Einspieler gezeigte Dieb ist in Wahrheit ein Laiendarsteller. Die Szene wurde demnach mindestens zweimal gedreht.“ (Express)

„Während Winterscheidt und Heufer-Umlauf sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert haben, bezieht jetzt ProSieben Stellung. In einer am Dienstagnachmittag veröffentlichten Pressemitteilung geht der Sender auf die konkreten Behauptungen ein. Dass teilweise Schauspieler zum Einsatz kommen, bestreitet Pressesprecher Christoph Körfer nicht. Jedoch wirft er der Redaktion von „STRG_F“ unsaubere Methoden bei der Recherche vor. (…) Bei der Recherche des NDR seien gezielt Menschen angesprochen worden sein, die nicht gut auf Joko und Klaas oder deren Shows zu sprechen seien. Aber reicht das, um eine falsche Aussage zu bekommen? Interessant ist, dass ProSieben die Vorwürfe im Detail gar nicht bestreitet (…) (Stern)

„Der STRG_F-Redaktionsleiter Dietmar Schiffermüller wies die Behauptungen als haltlos zurück, es sei niemand unter Druck gesetzt worden. ‚Wir hätten uns vonseiten Pro Siebens über substantielle Antworten auf unsere Vorwürfe sehr gefreut.‘ Pro Sieben gibt an, man habe auf insgesamt 53 Fragen geantwortet. Die Moderatoren äußerten sich bisher nicht.“ (FAZ)

„Womöglich wären die Macher also gut beraten, sich in Zukunft ein Stück weit mehr in die Karten schauen zu lassen, um dem Fake-Vorwurf von Beginn an entgegenzutreten. Das gilt erst recht für Einspielfilme, in denen sich mit vermeintlich versteckter Kamera gefilmte Protagonisten als Eingeweihte entpuppen oder Darsteller engagiert werden, die zufällig angesprochene Passanten mimen sollen. Allem Spaßfaktor zum Trotz raubt das den Einspielfilmen die Authentizität, weil Realität und Fiktion verschwimmen und die Aktionen auf diese Weise mehr mit Scripted Entertainment zu tun haben als mit lustigen Streichen. Fraglich auch, ob den Verantwortlichen als Reaktion auf die Recherche stellenweise nicht etwas mehr Selbstkritik und Ernsthaftigkeit gut zu Gesicht gestanden hätte. Und vielleicht wären auch Joko und Klaas selbst gut beraten gewesen, sich zu den durchaus schwerwiegenden Vorwürfen zu äußern. Denn was auch immer dran sein mag: Ein etwas fader Beigeschmack bleibt. (DWDL.de)