Jonathan Berlin als Bare-Knuckle-Fighter in „Martha und Tommy“

Jonathan Berlin als Bare-Knuckle-Fighter in "Martha und Tommy"

© NDR/Andrea Hansen/Jan Raiber

23.02.2021 23:33 Uhr

Jonathan Berlin und Senta Berger sind die Stars in dem bewegenden ARD-Filmdrama "Martha und Tommy". Darin geht es um einen illegalen Mixed-Martial-Arts-Kämpfer, der ein Doppelleben führt.

Die alleinstehende Martha (Senta Berger) kümmert sich liebevoll um die Kinder in ihrer Nachbarschaft, unterstützt wird sie dabei von dem Ex-Boxer Max (Uwe Kockisch). Eines Tages zieht der verschlossen wirkende Tommy Skagen (Jonathan Berlin) gemeinsam mit seinem achtjährigen Bruder Winnie in Marthas Mietshaus ein.

Jonathan Berlin als Bare-Knuckle-Fighter in "Martha und Tommy"

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Er ist jung und braucht das Geld

Tommy, der tagsüber Jura studiert, ist oft nächtelang verschwunden und lässt seinen Bruder allein. In den Docks unterhalb von St. Pauli finden illegale Mixed-Martial-Arts Kämpfe statt. Hier treten – gegen hohe Wetteinsätze – Fighter ohne Boxhandschuhe und Kopfschutz gegeneinander an. Tommy ist einer von ihnen. Er liebt den Kampf und er braucht das Geld. Doch sein Doppelleben überfordert ihn zusehends. Als eines Tages Viktor Skagen (Peter Lohmeyer) auftaucht, um das Sorgerecht für Winnie zurückzufordern, beginnt Martha sich tatkräftig einzumischen.

Behutsam nähern sich Martha und Tommy an. Tommy beginnt zu ahnen, dass auch Martha ein Geheimnis hat, das sie sorgsam hinter ihrer ebenso beeindruckenden wie freundlichen Fassade verbirgt…

Jonathan Berlin als Bare-Knuckle-Fighter in "Martha und Tommy"

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Jonathan Berlin dreht seit 2007

Im Presseheft zum Film findet sich ein interessantes Interview mit Jonathan Berlin, das wir hier in Auszügen wiedergeben. (Weiter unten gibt es den Trailer!)

Der 26-Jährige Schauspieler ist seit 2007 im Geschäft und hatte bereits bemerkenswerte Auftritte in großen TV-Events wie „Tannbach – Schicksal eines Dorfes“ (2015 und 2018), „Preis der Freiheit“ (2019) oder Filmen wie „Die Freibadclique“ (2017) und „Kruso“ (2018).

Jonathan Berlin als Bare-Knuckle-Fighter in "Martha und Tommy"

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Tommy Skagen vereint ungewöhnliche Talente in sich. Was hat Sie an ihm interessiert?

Genau diese Widersprüche: auf der einen Seite der Kampfsport, auf der anderen das Klavierspielen; da die Härte, da die Weichheit, die aber am Ende eine Einheit ergeben und in Tommys Person ohne einander quasi nicht existieren können. Diese zwei markanten Elemente als Überbau für ein Trauma und einen enormen inneren Kampf zu haben, war eine wahnsinnig tolle Herausforderung. Solche Figuren spielen zu dürfen, das ist wirklich selten.

Mit Senta Berger stand Ihnen hier eine Kollegin gegenüber, die sehr viel Berufs- und Lebenserfahrung mit in so ein Projekt bringt. Was ist Ihnen davon in besonderer Erinnerung geblieben?

Das war für mich natürlich ein wahnsinniges Geschenk. Senta ist eine sehr großzügige, wache, präzise Spielpartnerin, man spürt all ihre Erfahrung.
Ihr enormer Respekt im Umgang mit den Menschen, mit denen sie arbeitet, ist wirklich toll. Sie hat wahrhaft Grazie, im allerbesten Sinn. Uwe Kockisch in seiner trockenen Art und Unmittelbarkeit und genauso großen Herzlichkeit war eine ebenso große Bereicherung für mich, ich konnte viel mit ihm lachen in den Drehpausen. Von beiden durfte ich wirklich viel lernen, dafür bin ich ihnen sehr dankbar.

Jonathan Berlin als Bare-Knuckle-Fighter in "Martha und Tommy"

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Was kann Tommy von jemanden wie Martha lernen? Was kann ein 26-Jähriger von einer älteren Dame lernen und umgekehrt?

Ich glaube, beide sehen im anderen im Prinzip eine Art Spiegelbild, nur in unterschiedlicher Ausprägung: Tommy kämpft ums Loslassen und erkennt in Martha eine Weichheit, die ihm fehlt. Martha kämpft ebenso, wird aber mit Tommys Direktheit und Härte konfrontiert, die sie braucht, um das Verdrängen ihres Traumas zu beenden. Sie sind zwei Seiten einer Medaille, wenn man so will. Dadurch ist es fast naheliegend, dass sie auch aus zwei unterschiedlichen Generationen kommen.

Jonathan Berlin als Bare-Knuckle-Fighter in "Martha und Tommy"

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Tommy macht am Klavier und beim Bare-Knuckle-Fight eine gute Figur. Was haben Sie mitgebracht für die Rolle? Was war die schwerste Hürde?

Ich hatte ein wenig Klavierkenntnisse, aber die waren wirklich mau. Ich habe immer viel Sport gemacht, war im Leistungschwimmen, Tennis und all das. Mit Kampfsport hatte ich noch nie zu tun, hatte aber wahnsinnige Lust, mich in diese Welt hineinzubegeben. Tatsächlich war es die größte Herausforderung, diese zwei Komponenten des MMA und Klavier miteinander zu verbinden – schon rein körperlich betrachtet –, weil beides enorm auf die Hände bzw. Arme geht. In den ersten zwei Monaten der Vorbereitung war ich oft am Rande einer Sehnenscheidenentzündung, das war ein Drahtseilakt.

Jonathan Berlin als Bare-Knuckle-Fighter in "Martha und Tommy"

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Wie sah Ihre Vorbereitung konkret aus?

Ich fing fünf Monate vor Drehbeginn an mit der körperlichen Vorbereitung für den MMA-Teil, wenige Wochen später kam das Klavier dazu. Ich hatte lange MMA-Sessions mit meinem großartigen Trainer Mike Möller, dazu jede Menge Stunden im Fitnessstudio, pro Woche waren das fünf bis sechs Trainingseinheiten. Zweimal in der Woche hatte ich dann noch Klavierunterricht, manchmal bin ich direkt vom Training zum Klavierunterricht, und da merkt man dann schon die krasse Widersprüchlichkeit zwischen diesen zwei Welten. Eigentlich bestand mein Leben in dieser Zeit vor allem aus Training, Essen, Klavier, wieder Essen, Klavier, schlafen, Training, und so weiter…

Welche Vorbilder waren wichtig für Sie?

Ich hatte mich immer wieder mit verschiedenen ProfiSportlern beschäftigt, mir viel über ihre Routine angelesen, aber natürlich auch mit verschiedenen Schauspielern, die sich in solche Rollen reingeworfen haben. Was für eine Verwandlung zum Beispiel Jake Gyllenhall in „Southpaw“ als Boxer durchmacht, ist Wahnsinn. Ryan Gosling hat sämtliche Klavierszenen in „LaLa-Land“ selbst gespielt, all sowas hat mich angetrieben.

Jonathan Berlin als Bare-Knuckle-Fighter in "Martha und Tommy"

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Wie sehen Sie diese Kampf-Welt persönlich? Wie waren Ihre Erfahrungen damit?

Mein Gefühl war, dass neben der vermeintlich vorherrschenden Gewalt die Philosophie und natürlich auch die Technik, ein gegenseitiger Respekt zwischen den beiden Kämpfern, wahnsinnig entscheidend sind im MMA. Ich bin ein absolut pazifistischer Mensch, aber sich in der gegenseitigen Absprache auf diese absolute, geführte Archaik einzulassen, hat wiederum etwas wahnsinnig Feines, Intimes, Respektvolles. Mit meinem Schauspielcoach hatte ich dazu ein Video analysiert: Ein Gnu und ein Löwe, die sich in einen nicht enden wollenden Kampf verfangen hatten … unfassbar traurig, weil man weiß, einer der beiden wird es vermutlich nicht überleben. Aber in dem Kampf, so erbittert er geführt wurde, gab es immer wieder Momente der Ruhe, des Durchatmens. Als würden sie sich da sagen: „Entweder du darfst gehen oder gewinnen.“ Das hat neben dieser erschreckenden Brutalität auch eine enorme Schönheit. Und die findet sich im MMA wieder.

„Mathja und Tommy“ am Mittwoch (24. Februar) um 20:15 Uhr im Ersten und bereits in der Mediathek.