Sonntag, 3. März 2019 14:29 Uhr

Kabarettist Werner Schneyder gestorben

Der österreichische Kabarettist, Moderator, Autor und RTL-Boxkommentator Werner Schneyder ist tot. Schneyder sei im Alter von 82 Jahren gestorben, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Sonntag aus Kreisen seiner Familie.

Kabarettist Werner Schneyder gestorben

Foto: Schultz-Coulon/WENN.com

Schneyder arbeitete schon in der Schulzeit als Sportjournalist. Lange danach kam dann ein Kontakt mit dem ZDF zustande, der ab 1975 zur Präsentation des „Aktuellen Sportstudios“ und 1978 zur kabarettistischen Jahresbilanz-Show „Das ausgefallene Sport-Studio“ führte, die er bis 1990 sieben Mal moderierte. Ab den Olympischen Spielen in Los Angeles 1984 kommentierte er Amateur- und später dann auch das Berufsboxen im Fernsehen. Vor allem als Box-Kommentator bei RTL machte er sich einen Namen.

In keine Schublade

Schneyder passte in keine Schublade – eine gute Voraussetzung für originelle und tiefschürfende Analysen. Er selbst sah sich politisch als vielfarbig. „Ich bin in einigen Punkten erzkonservativ, in anderen tief grün, flächendeckend liberal und sozialpolitisch sehr links“, so Schneyder über Schneyder. Mit dieser Grundhaltung fand er in der Multi-Krisen-Welt viel Stoff für Bücher und Bühnenauftritte. 2016 stand er wie andere Künstler im Bundespräsidentenwahlkampf in Österreich auf der Seite des Grünen-nahen Alexander Van der Bellen. Den rechtspopulistischen FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer fand er schwer erträglich.

Der gebürtige Grazer mit Doktortitel in Publizistik war zunächst Lokal-Sportreporter und Werbetexter. Wenig später arbeitete er in
Salzburg als Theaterdramaturg und schrieb auch Theaterkritiken, bevor er wiederum die Seiten wechselte und selbst als Kabarettist auf der Bühne stand. Meist verfolgte er seine Interessen parallel, war gleichzeitig Autor und Kabarettist, Schauspieler und Aphoristiker oder Regisseur und Drehbuchautor. Zeitweise schrieb er Kolumnen im Männermagazin „Playboy“. Rund 20 Bücher hat er verfasst.

Erschüttert vom Krebstod seiner Frau

Bekannt wurde Schneyder in Deutschland als kongenialer Partner von Kabarett-Legende Hildebrandt. Das erste gemeinsame Programm „Talk täglich“ wurde 1974 in der Münchner „Lach- & Schießgesellschaft“ ein Riesenerfolg. „Es war eine politische Seelenverwandtschaft“, sagte Schneyder über die Jahre mit dem 2013 gestorbenen Künstler.

„Mir sind die Erfolge passiert“, meinte er einmal zu den Weichenstellungen in seinem Leben. Musik und die Kunst gehörten zu den Eckpfeilern in Schneyders Leben. Er sammelte voller Begeisterung Bilder und war ein großer Opernfan. Diese Musikgattung sah er allerdings bedroht. Sein Verjüngungsrezept: Konsequentes Übersetzen der Texte in die jeweilige Sprache des Publikums. Nachdichtungen könnten viel besser sein als die italienischen, französischen, russischen Originale. Seine Lieblingsoper war Verdis „Falstaff“: „Eine unfassbare Musik, ein grandioses Libretto, komponiert von einem 80-Jährigen“, befand er in seinem Buch „Gespräch unter zwei Augen“.

Erschütternd war für Schneyder der Krebstod seiner ersten Frau Ilse. Deren Leidensweg erzählte er 2008 im Buch „Krebs. Eine Nacherzählung“ auf drastische Weise. Das Buch geriet zur Anklage gegen die ärztliche Kunst. Die könne auch als Folter begriffen werden, meinte Schneyder.

Die weiche Seite des Satirikers kam zum Vorschein, wenn er bei seinen Auftritten zum Sänger wurde. Unter dem Titel „Das war’s von mir“ präsentierte er 2017 seine besten Kabarettnummern in aktualisierter Version und mit vielen Chansons. „In der zweiten Hälfte singe ich Liebeslieder. Das ist der andere Schneyder“, so der Künstler damals zum Auftakt des Programms. (dpa/KT)

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