Kälte bleibt – Katastrophenfall in Jena

Nach der Havarie einer Leitung sind in Jena rund 6500 Haushalte ohne Versorgung mit Fernwärme.
Nach der Havarie einer Leitung sind in Jena rund 6500 Haushalte ohne Versorgung mit Fernwärme.

Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

11.02.2021 05:10 Uhr

Nach den Mega-Staus auf den Autobahnen hat sich die Lage auf den Straßen entspannt. Die Rettungskräfte haben dennoch gut zu tun - etwa bei einem Katastrophenfall in Jena.

Der Winter sorgt weiterhin für klirrende Kälte in Deutschland – Autofahrer mussten in der Nacht zu Donnerstag jedoch keine größeren Behinderungen mehr in Kauf nehmen.

In Jena kam es bei den eisigen Temperaturen allerdings zu einem Katastrophenfall: Dort mussten rund 6500 Haushalte ohne Heizung und warmes Wasser auskommen, nachdem eine Fernwärmeleitung unterbrochen worden war. Wann die Fernwärmeversorgung wieder aufgenommen werden kann, war unklar. Die Anwohner wurden aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten, um das Auskühlen ihrer Wohnungen hinauszuzögern. Einige Bürger wurden an Notunterkünfte vermittelt.

Stundenlang hatten Mitarbeiter der Stadtwerke und Spezialfirmen in der Thüringer Stadt nach der Ursache der Havarie gesucht und dafür auch eine Straße aufgerissen. Am Abend wurden sie fündig: Eine Leitung in einem Kreuzungsbereich hatte ein Leck, das noch in der Nacht repariert werden sollte.

Andernorts blieb die Lage in der Nacht ruhig. Im Raum Bielefeld, wo sich Autos und Lastwagen auf der A2 in den vergangenen Nächten zum Teil extrem gestaut hatte, floss der Verkehr weitgehend problemlos. „Es ist entspannter als in den Nächten zuvor“, sagte ein Polizeisprecher. Bei Braunschweig parkten auf der Autobahn laut der dortigen Polizei weiterhin viele Lastwagen auf dem Standstreifen, weil Rastplätze voll waren. Unfälle habe es aber nicht gegeben. Ein Sprecher der Göttinger Autobahnpolizei sagte, dass es „endlich mal keine Probleme“ gebe.

Auch in anderen Regionen meldeten die Polizeistationen vergleichsweise wenige Glätteunfälle. Allerdings gab es im Landkreis Sigmaringen in Baden-Württemberg einen tödlichen Verkehrsunfall. Eine 41-Jährige war bei winterlichen Straßenverhältnissen in den Gegenverkehr geraten – und kam ums Leben.

Glimpflich verlief ein Unfall im Kreis Ravensburg: Ein 52-Jähriger kam mit seinem Transporter bei Schneeglätte von der B12 ab und durchbrach im Erdgeschoss die Hauswand eines Bauernhauses. Dieses musste anschließend von der Feuerwehr abgestützt werden. Der Schaden am Haus wird auf 50.000 Euro geschätzt. Der Fahrer des Transporters blieb unverletzt, die Hausbewohnerin kam mit dem Schrecken davon. Im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte wurden drei Menschen verletzt, als ein Auto ins Rutschen geriet und gegen einen Baum krachte.

Abseits der Straße waren die Einsatzkräfte ebenfalls mit Schnee und Glätte beschäftigt – am Mittwoch meldeten sie vermehrt Freizeitnotfälle: In einem Teich in Berlin suchten Retter stundenlang nach einem Mann, der anscheinend bewusst ins Wasser gestiegen war – mutmaßlich zum Baden oder Tauchen. Der Feuerwehr zufolge wurde er „unter Reanimationsbedingungen“ in eine Spezialklinik gebracht. In der Nähe von Flensburg brachen zwei Kinder auf dem Eis eines Teichs ein. Ein Ehepaar beobachtete den Vorfall und rettete die Kinder im Alter zwischen vier und sechs Jahren aus dem eiskalten Wasser.

Nach Angaben der Bahn liefen die wichtigsten Nord-Süd- und Ost-West-Fernverkehrsverbindungen am Mittwoch „überwiegend stabil, wenn auch mit deutlichen Verspätungen“. Am Donnerstag sollte der Verkehr von Dresden Richtung Leipzig und Frankfurt wieder anfahren, wie die Bahn auf ihrer Internetseite meldete. Auch zwischen Hamburg und Kiel sowie Lübeck sollte es wieder ein „eingeschränktes Angebot“ geben.

Auch in den kommenden Tagen bleibt es frostig in Deutschland. Dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge war die Nacht auf Mittwoch die kälteste des bisherigen Jahres. „Über der tief verschneiten Mitte und dem Osten kühlte es gebietsweise auf unter minus 20 Grad ab“, erläuterte Meteorologe Adrian Leyser. „“Coldspot“ war dabei Thüringen mit einem Tiefstwert von minus 26,7 Grad Celsius, gemessen in Mühlhausen.“

Die ausgestorbenen Innenstädte im Corona-Lockdown erleichtern derweil den wenigen Kältebussen die Versorgung der Obdachlosen. „Die Straßen sind bislang völlig leer gewesen. Da fällt es natürlich leichter, durch die Fußgängerzonen zu kommen. Man kann die Wohnungslosen auch schneller erkennen“, sagt Sandra Welsch, die als Sozialarbeiterin für das Deutsche Rote Kreuz in Stuttgart den Einsatz des Kältebusses dort koordiniert. Haben Restaurants oder Clubs geöffnet, seien deutlich mehr Menschen und angetrunkene Feiernde unterwegs, die die Arbeit der Ehrenamtlichen störten, sagt sie weiter. Wohnungslose könnten im Moment auch leichter einen Schlafplatz finden, weil Geschäfte geschlossen seien.

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