25.10.2020 17:10 Uhr

Kanye West vergleicht Abtreibungen mit Kindersoldaten

Kanye West schockiert mal wieder mit einer überzogenen Aussage. Er verglich Abtreibungen jetzt mit Kindersoldaten in Afrika.

imago images / MediaPunch

Bei vielen Aussagen von Kanye West (43) will man sich einfach nur an den Kopf fassen. Der Rapper machte nun einen Vergleich, der genauso kontrovers und unbedacht scheint wie sein „300 Jahre Sklaverei? Das klingt von fast wie eine Entscheidung“-Kommentar.

Der Grammy-Gewinner verglich im Podcast „The Joe Rogan Experience“ Abtreibungen mit afrikanischen Kindersoldaten. Wir haben seine Aussagen einem Faktencheck unterzogen.

Bizarres Kindersoldaten-Vergleich

Konkret sagte der vierfache Vater und Ehemann von Kim Kardashian (40):

„In Afrika gibt es Kindersoldaten. Sie werden aufgeputscht und psychologisch so bearbeitet, dass sie am Ende ihre Eltern töten. In unserer Kultur werden wir hingegen aufgeputscht und psychologisch so bearbeitet, dass wir unsere Kinder töten.“

Faktencheck: Kindersoldaten werden misshandelt und unter Drogen gesetzt, um sie zum Morden gefügig zu machen. Hierbei handelt es sich um ein schreckliches Kriegsverbrechen. Eine Abtreibung darf nur in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten durchgeführt werden, bevor der Fötus ein eigenes Fühlen und Erleben entwickelt. Diese zwei Dinge als gleich grausam zu vergleich ist abstrus.

Kanye West nennt Abtreibung Völkermord

Kanye West geht sogar noch weiter. Er nennt Abtreibungen einen Völkermord an der schwarzen Bevölkerung:

„In unserer Abtreibungs-Kultur werden täglich 1000 schwarze Kinder abgetrieben. Täglich. Wir erleben einen Völkermord. Seit Februar starben also mehr schwarze Kinder durch Abtreibungen, als Menschen durch Corona. Aber jeder trägt eine Maske. Er ist also die Frage, welche Umständen wir ignorieren und welche nicht.“

Faktencheck: Aktuelle Zahlen des Guttmacher Instituts zeigen, dass 2017 insgesamt 862 000 Abtreibungen durchgeführt wurden. Das entspricht 2360 Abtreibungen pro Tag. Circa 36 Prozent der abtreibenden Frauen sind Afro-Amerikanerinnen. Das macht 850 Abtreibungen am Tag. Kanye Wests Aussage stimmt bezüglich der Zahlen somit in etwa.

Völkermord mit Abtreibungen mit zu vergleichen, bleibt hingegen höchst fragwürdig. Denn während das eine Mord ist, sind Abtreibungen gerade für arme Frauen besonders wichtig. Sie leiden am meisten unter der strukturellen Benachteiligung von Frauen und Müttern auf dem Arbeitsmarkt. Schwarze Mütter werden sogar dreifach diskriminiert – als Mutter, als Frau und als Afro-Amerikanerin.

Wilde Verschwörungstheorien

Kanye Wests Aussagen rutschen danach noch tiefer in wilde Verschwörungstheorien ab. Er behauptete erneut, dass Margaret Sanger, die Gründerin von Planned Parenthood (NGO mit über 600 Klinken in den USA, die unter anderem Abtreibungen durchführen) eine Rassistin war. Es wäre ihr Ziel gewesen, die schwarze Bevölkerung mithilfe von Abtreibungen klein zu halten.

Faktencheck: Es stimmt, dass Margaret Sanger sich für Eugenik (Erbgesundheitslehre) interessierte. Sie glaubte aber vor allem, dass jedes Kind gewollt sein sollte. Sie schrieb in der Zeitschrift „Negro Digest“ im August 1946: „Schwarze Eltern müssen, wie andere Eltern, die nächste Generation aus Stärke schaffen, nicht aus Schwäche; aus Gesundheit, nicht aus Verzweiflung“.

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Seine Alternative zu Abtreibungen

Doch anstatt sich mit Sexismus in der Arbeitswelt oder der fehlenden Unterstützung von Familien durch den Staat zu beschäftigen, tüftelt Kanye West an einem anderen Plan.

Er will Abtreibungen verhindern, in er eine attraktive Alternative für Menschen aufzeigen, die sich nicht für ein Kind bereit fühlen. Er will Einrichtungen für Waisen- und Pflegekinder schaffen, die den Kleinen ein schönes Leben bieten. So kann eine Frau, die das Kind nicht behalten will, ihr Baby guten Gewissens abgeben.