Mittwoch, 29. August 2018 23:05 Uhr

„Kindeswohl“: Emma Thompson und Stanley Tucci geben sich die Kante

Stehen vor einem Scherbenhaufen: Emma Thompson und Stanley Tucci geben sich in „Kindeswohl“ die Kante. Zugegeben, der Titel ist abtörnend, der Film ist es nicht. Das Drama startet am 30. August in den deutschen Kinos.

"Kindeswohl": Emma Thompson und Stanley Tucci geben sich die Kante

Foto: Concorde

Zwei der wohl tollsten Schauspieler Hollywoods sind in „Kindeswohl“ ein Ehepaar. Sie, Fiona May (Oscargewinnerin Emma Thompson, 59, „Sinn und Sinnlichkeit“, „Saving Mr Banks“) ist Richterin am Familiengericht in London. Er, Jack May (Stanley Tucci, 57, „Der Teufel trägt Prada“, „Die Tribute von Panem“) unterrichtet an der Uni. Jack sucht das Gespräch mit seiner Frau, die auch zu Hause ständig in Arbeit so versunken ist, dass sie den verbalen Bombeneinschlag ihres Mannes erst gar nicht mitbekommt. Er fragt sie, ob er eine Affäre eingehen kann: in Zukunft wohlgemerkt.

Da gibt es diese eine nette Assistentin, mit der könne er sich das vorstellen. Sie zeige ihm, dass er attraktiv ist und das gäbe ihm endlich wieder Esprit in seinem Leben. Natürlich liebe er Fiona, aber so geht das ja nicht weiter. Ob sie ihm grünes Licht für die Affäre geben könne?

Was für ein Paukenschlag als Auftakt!

Vielschichtig, witzig und bitter

Dabei hat Fiona so wahnsinnig viel und so wichtige Dinge zu entscheiden, als Familienrichterin ist sie in einer Machtposition, die alleine macht. Sie fällt wegweisende Urteile, hat den Schreibtisch pickepackevoll und arbeitet eigentlich rund um die Uhr. Im Kopf geht sie sorgsam die Fälle durch und doch ist sie im Gerichtssaal schnell, scharf und präzise. Hinter den Kulissen hat sie ein relativ kleines Büro, umgeben von der stets hilfreichen rechten Hand Nigel Pauling (sensationell: Jason Watkins, 51, „Being Human“) und immer Fälle, Fälle, Fälle.

"Kindeswohl": Emma Thompson und Stanley Tucci geben sich die Kante

Foto: Concorde

Als einer der verzwicktesten stellt sich heraus, in dem Eltern ihrem fast volljährigen Sohn die rettende Bluttransfusion verbieten, weil sie Zeugen Jehovas sind. Adam (Fionn Whitehead, 21, „Dunkirk“) liegt im Sterben, die Ärzte stehen vor Gericht, um die Bluttransfusionen durchzusetzen. Sie vermuten, dass der Junge die Tragweite seiner Entscheidung nicht ermessen kann, Adams Vater Kevin Henry (Ben Chaplin) hält dagegen.

Fiona entscheidet sich für einen Termin Vorort, weil es ihr unmöglich erscheint, aus dem Gerichtssaal heraus zu entscheiden, ob es wirklich die alleinige Entscheidung des Teenagers ist. Was dann am Bett des Jungen passiert, ist ein Kammerspiel für sich: es geht um Leben und Tod und die das Gespräch endet mit einem Lied.

"Kindeswohl": Emma Thompson und Stanley Tucci geben sich die Kante

Foto: Concorde

Der Junge wird leben (müssen). Adam aber hat dieses Gespräch verändert, er stellt der Richterin nach, denn erstmals in seinem Leben, hat ihn überhaupt jemand für ernst genommen. Er verwechselt die Anteilnahme zur Urteilsfindung mit Zuneigung. Dass er ein „Fall“ war, kapiert er erst, als die Richterin sich dem nächsten zuwendet. Harter Stoff. Zwischen diesen an sich schon komplexen Polen – dem Scherbenhaufen ihrer Ehe und den höchsten Ansprüchen in der Rechtsprechung – findet das Leben von Fiona Maye statt.

Fazit: Kino zum Mitdenken. „Kindeswohl“ („The Children Act“) ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Ian McEwan, der auch das Drehbuch verfasst hat. Was für ein Volltreffer! Vielschichtig, witzig und bitter ist die Bandbreite an Themen in „Kindeswohl“. Verfilmt im wunderschönen London mit ausnahmslos verehrungswürdigen Schauspielern. Man verlässt betroffen das Kino. (Kinotante Katrin)

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