Donnerstag, 10. Mai 2018 19:40 Uhr

Kinotipp „Isle Of Dogs“: Coole Köter!

Die Japaner sind ja ein katzenliebendes Volk – Hunde dagegen übertragen nur Krankheiten, schnüffeln an Stellen, von denen man lieber nichts weiss und bei einen Fellvergleich würden auch immer Katzen haushoch gewinnen. Ach ja, und Hunde schnurren nicht, sind unelegant und pinkeln wirklich überall hin. Im neuen Kinofilm „Isle Of Dogs“ lernen wir noch mehr dazu…

Kinotipp "Isle Of Dogs": Coole Köter!

Wes Anderson und die fantasievollen Puppen des Films. Foto: Twentieth Century Fox

Japaner hassen Hunde. Da kommt die grassierende Seuche – das Schnauzenfieber – dem Bürgermeister von Megasaki City gerade recht, alle Hunde auf die Müllinsel „Trash Island“ zu verbannen. Eine Bestrafung für Tiere, die dem Gulag gleichkommt, eine Verbannung ohne Wiederkehr.

Herzzerreißend wird die Deportation des ersten Hundes über alle Medien übertragen. Der Hund sitzt in einer Transportgondel und erträgt stoisch das Seilbahngequietsche. Das Übersetzen dauert, der Hund guckt, die Augenlider blinken, er putzt sich mit einem Schleck, wahrscheinlich zur Beruhigung, mal das Fell. Der Korb wird auf Trash Island abgeworfen, platzsparend wie in einem riesigen Containerhafen und seinem Schicksal überlassen. Die Transportbox bleibt natürlich zu. Spätestens an dieser Stelle muss man schlucken – so gemein kann doch nicht mal der Japaner sein! Einen Stop-Motion-Klick später (denn das ist die altmodische Art, die der Regisseur Wes Anderson für diesen Trickfilm gewählt hat) sind die blanken Knochen und das Halsband in der Box zu sehen.

Kein Pipifax-Arthouse-Trickfilm

Sie dürfen an dieser Stelle wahrscheinlich mit Wut und Trauergefühlen rechnen und sich endgültig von von der Vorstellung verabschieden, einen Pipifax-Arthouse-Trickfilm aufzusitzen. Hunde, die es geschafft haben, stromern über die Insel und durchstöbern den Hausmüll, der aus Megasaki in denselben Boxen wie die Haustiere gekommen sind.

Denn das sind die Hunde: Haustiere. Tiere, die Besitzer hatten, die gefüttert, gebürstet und gestreichelt wurden. Gassi gehen, Stöcken aportieren, gemeinsam fernsehen, sich abends im Korb zusammenrollen und vor allem eines: Frauchen und Herrchen bedingungslos lieben. Die Besitzer haben sie im Stich gelassen. Alle. Alle, bis auf einen. Atari Kobayashi ist zwölf und das ist ein richtig gutes Alter für ein Kind, dass zu seinen Wünschen steht. Sein Hund Spots wurde ebenfalls deportiert.

Kinotipp "Isle Of Dogs": Coole Köter!

Foto: Twentieth Century Fox

Auf Trash Island landet bald ein Flugzeug, Atari hat es allein gekapert, eine klapprige Landung hingelegt und stromert jetzt, wie die vielen Hunde auch, über die Insel, um sein heiß und innig geliebtes Haustier wieder zu finden. Der Trupp bunter Hunde checkt das natürlich und hilft mit Hundelogik, die sehr witzig und einfach nur cool ist. Ab hier ist „Isle Of Dogs“ Abenteuer pur.

Sehr detailverliebt

Mit großer Hingabe und extrem pingeligem Hang zum Detail ist „Ataris Reise“, wie der Film im Untertitel heisst eines der größten Kinoerlebnisse überhaupt. Allein die die Hunde-Sychronsprecher, die Wes Anderson für das Original gewinnen konnte, liest sich wie ein Who is Who der Hollywood A-Liga: Boss (Stimme: Bill Murray), Chief (Bryan Cranston), Rex (Edward Norton), Duke (Jeff Goldblum), King (Bob Balaban), Spots (Liev Schreiber) u.vm.. Frauenpower on top gibt es mit den Stimmen von Tilda Swinton, Scarlett Johannson, Frances McDormand und Greta Gerwig.

Kinotipp "Isle Of Dogs": Coole Köter!

Foto: Twentieth Century Fox

Fazit: Mit „Isle Of Dogs – Ataris Reise“ hat Wes Anderson ein Meisterwerk in Stop Motion Technik hingezaubert. „Isle Of Dogs“ hat alles, was einen gelungenen Kinoabend ausmacht. Große Gefühle, die von Trickfiguren hervorgezaubert werden. Freigabe ist ab 6. (Katrin Wessel)

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