Tim Pröses Buch lüftet GeheimnisKlinik rettete ihn: Dieter Hallervorden wollte nicht mehr leben

"Tim Pröse: Hallervorden. Ein Komiker macht Ernst" (288 Seiten, EUR 12,00 [DE], Heyne) erscheint am 13. Oktober. (hub/spot)
"Tim Pröse: Hallervorden. Ein Komiker macht Ernst" (288 Seiten, EUR 12,00 [DE], Heyne) erscheint am 13. Oktober. (hub/spot)

(c) Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Muenchen

SpotOn NewsSpotOn News | 12.10.2022, 09:05 Uhr

Dieter Hallervorden hat in der aktualisierten Biografie von Tim Pröse, "Hallervorden. Ein Komiker macht Ernst", über sein lang gehütetes Geheimnis gesprochen. Der Schauspieler war schwer krank.

Dieter Hallervorden (87) hat mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung gekämpft. In der aktualisierten Biografie von Tim Pröse, „Hallervorden. Ein Komiker macht Ernst“ (288 Seiten, EUR 12,00 [DE], Heyne), spricht der Schauspieler das erste Mal über sein lang gehütetes Geheimnis.

„Mir ging es eine Zeit lang nicht gut. Und deswegen ließ ich mich in eine Klinik einweisen. Ich hatte damals einfach zu viele Selbstmordgedanken“, zitiert ihn Tim Pröse in der Neuauflage, die am 13. Oktober erscheint. „Diese Suizidgedanken zogen mich eines Tages länger und tiefer herunter, als ich das ohnehin schon gewohnt war.“

Akut sei dies vor einem Jahr geworden. „Seine Frau Christiane und sein bester Freund suchten damals eine psychiatrische Klinik für ihn aus. Hallervorden sagte alle Termine für die nächsten Wochen ab, packte seinen Koffer und zog 21 Tage in das Krankenhaus“, heißt es im Buch. Hallervorden erzählte Pröse von einem Schlafmittel, „das er 30 Jahre lang und leider viel zu oft genommen hatte. Dabei stand schon von Beginn an auf dem Beipackzettel, dass man dieses Medikament keinesfalls länger als sechs Wochen nehmen sollte“. Irgendwann habe sich Hallervorden eingestanden, „dass ihn dieses Mittel nicht mehr beruhigte, sondern krank machte“.

„Ich konnte nicht mehr so leben“

„Die Alarmzeichen wurden immer deutlicher. Es ging nicht mehr so weiter. Ich konnte nicht mehr so leben“, sagte er laut Pröse. Im Herbst 2021 habe Hallervorden seiner Frau Christiane offenbart, „was für ein Abgrund sich in ihm aufgetan hatte und wie dunkel es in seiner Seele war“. Den wichtigsten Schritt sei er dann allein gegangen: „Er gab in der Klinik in Berlin-Charlottenburg zum ersten Mal in seinem Leben seine Tabletten ab. Natürlich auch seine Zigaretten“.

Die Ärztinnen der Klinik suchten nach einem Ersatzstoff, der nicht abhängig macht, schreibt Pröse in „Hallervorden. Ein Komiker macht Ernst“ weiter. Außerdem habe Hallervorden in der Klinik unter anderem zu meditieren gelernt und „dass man seinem Atem folgt“. Wie ihm das gelinge, verriet der 87-Jährige Tim Pröse auch: „Indem ich Christianes Atem folge, die immer sehr schnell einschläft, wenn sie nachts neben mir liegt. Das klappt sehr gut. Ich lege mich in ihre Arme, schmiege mich an sie und übernehme ihren Atemrhythmus – ihre tiefen, ruhigen, gleichmäßigen Züge.“

Hallervorden „rennt durch sein Leben“

Heute sei Dieter Hallervorden „voller Tatendrang“, erzählt Pröse im Interview mit spot on news. Er habe „gerade sein drittes Theater eröffnet, diesmal in seiner Geburtsstadt Dessau. Und er will immer mehr. Er rennt durch sein Leben“.

Über die Zeit in der Klink heißt es im Buch: „Die Experten entwarfen für ihren Patienten einen neuen Lebensstil.“ Für Außenstehende sei eine Veränderung anschließend „eher nicht“ zu sehen gewesen, sagt der Autor. Hallervorden habe das lange gut geheim gehalten. „Es ist ja auch nicht einfach, dass ausgerechnet ein Mann, der immer alle zum Lachen bringt, nun in unserem Buch gesteht, dass er manchmal nicht mehr leben wollte.“

„Er hat mir das anvertraut“, so Pröse, „weil ich ihn nun schon fünf Jahre lang begleite und auch mit ihm auftrete. Mich interessiert am meisten der Mensch Hallervorden – mit seiner verwundbaren und oft wehen Seele. Und so fragte ich ihn eines Nachts, wie es ihm denn nun wirklich geht. Dieser Mann kämpft mit den Depressionen eines Künstlers, der immer alles von sich gibt. Und deswegen regelmäßig ins Dunkle kippt nach der Zeit im Rampenlicht. Vor einem Jahr aber spitzte sich das zu und wurde lebensgefährlich. Indem er nun in der Neuauflage des Buchs ‚Ein Komiker macht Ernst“ darüber spricht, möchte er den Menschen Mut machen, sich zu öffnen und das, was sie bedrückt, zu besprechen, statt es zu verschweigen.“

Gemeinsame Auftritte mit Hallervorden zur aktualisierten Biografie wird es auch geben: „In Berlin und zweimal in Dessau, alle drei Vorstellungen sind restlos ausverkauft. Aber am 18. und 19.2.23 planen wir gerade noch welche in Dessau in seinem Mitteldeutschen Theater, für die es noch Karten gibt.“

Hilfe bei Depressionen bietet auch die Telefonseelsorge unter der kostenlosen Rufnummer: 0800/111 0 111