SelbstverliebtKönig Kaiser umgibt sich nicht mehr mit Ja-Sagern

Roland Kaiser in der NDR-Talkshow
Roland Kaiser in der NDR-Talkshow

©Uwe Ernst/NDR

Paul VerhobenPaul Verhoben | 10.09.2022, 11:15 Uhr

Roland Kaiser ist noch immer der König des deutschen Schlagers. Seine Überheblichkeit ist schon vor Jahrzehnten gewichen, wie er jetzt verrät.

Im Mai wurde der Kaiser 70 Jahre alt, hat in dieser Woche einen neuen Grund zum Feiern: Mit seinem neuen Album „Perspektiven“ meldet sich der Grandseigneur des deutschen Schlagers auf furiose Weise in den Offiziellen Deutschen Charts zurück. Über 40 Jahre nach seiner letzten Spitzenplatzierung („Dich zu lieben“, 1981) besteigt Kaiser nun endlich wieder den Thron.

Der Sänger steht seit fast 50 Jahren auf der Bühne steht und zählt mit rund 90 Millionen verkauften Tonträgern zu den erfolgreichsten deutschen Popstars.

Roland Kaiser mag keine Geburtstage

Am Freitagabend (9. September) war der Sänger Gast in der NDR-Talkshow, plauderte dort über seinen 70. Geburtstag: „Meine Geburtstage mag ich nicht, die meiner Familie schon. Meine Kinder haben mir dann gesagt: das geht nicht, du musst jetzt mal feiern. Und dann sind wir nach Österreich gefahren und haben mit Familie und Freunden gefeiert.“

Schon lange hat Kaiser auch keine Lust mehr sich nur noch mit Ja-Sagern zu umgeben, was in der gelegentlich schwer verlogenen Branche durchaus üblich ist, um etwas von der Strahlkraft des Künstlers zu profitieren oder sich in dessen Abglanz zu sonnen.

Kritik konnte der Kaiser nicht ab

„In den 80ern, als ich in kurzer Zeit viele Hits hatte, da war ich schwer kritisierbar und offen gesagt auch ein kleines Arschloch“, so Roland Kaiser in der NDR-Talkshow.

„Aber wenn man das merkt und die Kurve kriegt, dann ist es gut. Und das ist mir gelungen, weg von den Claqueuren und zurück zu mir selbst. Damals war ich so selbstverliebt, da hatte ich nur Menschen aus der Schlagerbranche um mich herum, heute habe ich nur wenige Freunde aus der Branche und mit denen rede ich nicht über den Job, sondern über die Kinder oder über Fußball.“



Roland Kaiser hat nichts gegen die Fantasie seines Publikums

Übrigens: Der Schlagersänger hat trotz einer selbstverordneter Stilsicherheit gar nichts gegen plumpe sexuelle Hinzudichtungen bei seinen Liedtexten. „Es passiert ja bei vielen Songs, dass nachträglich Einschübe gemacht werden, sodass sie deutlich derber daherkommen. Jetzt kann man versuchen, dagegen vorzugehen oder Theater zu machen. Oder man sagt: ,Komm, lass es laufen, das verändert die Welt nicht‘“, sagte der 70-Jährige in einem aktuellen „Playboy“-Interview mit Blick auf seinen Hit „Joana“, den Teile des Publikums seit Jahren gern mit Einschüben wie „du geile Sau“ auf Ballermann trimmen.

Kaiser weiter: „Ich singe ,Joana‘ ohne die Zusätze, und wenn die Leute sie hineinrufen, tun sie es. Ich kann damit leben“.