27.04.2020 20:00 Uhr

König Willem-Alexander feiert Königstag ohne Volk

imago images / PPE

Stell dir vor, Holländer feiern, und es ist öde: Leere Straßen, verwaiste Grachten, missmutige Gesichter. König Willem-Alexander Geburtstag ohne Oranje-Party, aber mit eineinhalb Meter Abstand. Wie geht das denn?

Die Fahnen flattern, die Glocken läuten, und die Nationalhymne ertönt. Angestimmt von den Musikern des Amsterdamer Concertgebouw Orchester spielen tausende Niederländer das „Wilhelmus“ in ihren Wohnzimmern, auf Straßen und in Vorgärten. Die Niederlande feiern Königstag, den Geburtstag von Willem-Alexander – allerdings mit eineinhalb Meter Abstand. Denn in Corona-Zeiten ist alles anders.

Willem-Alexander and Queen Maxima

Foto: Patrick van Katwijk/ANP ROYAL IMAGES POOL/dpa

Die Straßen sind leer, die Plätze öde, die Grachten verwaist. „Koningsdag“ 2020 ist „Woningsdag“ oder „Balkoningsdag“. Keine Volksfeste, keine Party, keine Mega-Flohmärkte – das hat es seit über 50 Jahren nicht gegeben.

Familienbesuch abgesagt

„Ein einzigartiger Königstag“, sagte König Willem-Alexander in einer kurzen live ausgestrahlten Ansprache an seinem 53. Geburtstag in seinem Palast Huis ten Bosch in Den Haag. Der offizielle Besuch der Familie in Maastricht war abgesagt worden, wie auch alle Feste mit mehr als drei Personen verboten sind. „Lasst uns das Beste daraus machen“, sagte er – im passenden Outfit für eine häusliche Party: leger und ohne Schlips.

Seine Frau Máxima (48) und die Töchter Amalia (16), Alexia (14) und Ariane (13) hatten sich aber mit Frühlingskleidern herausgeputzt und winkten fröhlich in die Kamera. Die Oranjes haben auch gut lachen. Der König bekam gute Noten von mehr als 70 Prozent seiner Landsleute, da kann so mancher Politiker vor Neid erblassen. Nur seine Frau Máxima ist – wie eh und je – noch beliebter als er.

Willem-Alexander and Queen Maxima

Foto: Patrick van Katwijk/ANP ROYAL IMAGES POOL/dpa

Die Niederländer versuchten, das Beste aus diesem Tag zu machen. In Utrecht hatten Kneipenwirte eine „Prinz-Pils-Box“ zusammengestellt mit lebenswichtigen Utensilien für den „Koningsdag“ zuhause: Oranje-Wimpel, Tröte, natürlich ein Pilsje. Der Name der Box ist eine kleine Anspielung auf den früheren Beinamen des Königs, der in seiner Studentenzeit ein Bierchen nicht verschmähte. Die sonst üblichen Live-Konzerte auf Straßen und in Kneipen waren aber nur im Internet zu hören.

So sieht’s in den Niederlanden aus

In Amsterdam spielte der Buchhalter Martijn (43) mit seinen beiden kleinen Töchtern auf dem Spielplatz. Die Mädels passend in knallorangene T-Shirts gekleidet. „Eigentlich wollten sie Trödel verkaufen“, sagt er. Normalerweise verscherbeln Holländer ihren übers Jahr angesammelten Ramsch an diesem einen Tag auf gigantischen Flohmärkten. In Corona-Zeiten sollten sie ihre Ware auf dem Teppich zu Hause ausbreiten und online anbieten, so wollte es der Bund der königstreuen Oranje-Vereine. Doch kaum jemand nutzte die einmalige Chance, um etwa seine gehamsterten Klo-Rollen wieder los zu werden.

Lange Schlangen bildeten sich vor den Bäckern. Mit einem Tompouce mit orange-farbener Glasur wollten sich viele zumindest das Oranje-Gefühl ernaschen. Die Lehrerin Janneke Visser (50) backt dieses traditionelle Königstag-Gebäck selbst. „Jetzt hab ich ja Zeit genug.“

Die Amsterdamerin Dieuwke van Ooij (61) nutzte den arbeitsfreien Tag, um mit ihrem Sohn Jim Möbel nach Groningen zu bringen. „Das ist normalerweise der totale Wahnsinn“, sagte sie. „Am Koningsdag kommst du sonst noch nicht einmal mit dem Fahrrad durch die Stadt.“

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Alte Volksfeste in Dauerschleife

Inzwischen zeigte das Fernsehen Höhepunkte der Volksfeste mit der königlichen Familie quasi in der Endlos-Schleife. Dazu gehörte der ruhmreiche Moment, als Willem-Alexander – noch als Kronprinz – Weltmeister im Toilettenschüssel-Weitwurf wurde. Ein Klassiker der alt-holländischen Geselligkeit ist auch der Versuch von Máxima auf Stilettos, um an Tauen festgebundene Honigkuchen aus der Luft zu schnappen – nur mit dem Mund versteht sich.

Doch die Bilder des gemütlichen Gedränges liegen für manche gefühlt so lange zurück wie das erste Mal, als Kinderstar Heintje im Fernsehen „Mama“ trällerte – das war 1967. Heute droht bei zu großer Nähe eine Geldstrafe von 390 Euro.

Die meisten Niederländer haben zwar Verständnis, dass alles abgesagt worden war. Doch bewerteten sie in Umfragen diesen Tag als „niet gezellig“. Das ist so ziemlich das Schlimmste, was einem Holländer widerfahren kann. „So gesellig wie ein Fußballspiel ohne Zuschauer eben“, sagte missmutig ein Radio-Moderator. Und dem stimmte im Kern auch der König zu. Einen einzigartigen Königstag, hatte Willem-Alexander allen gewünscht. „Einzigartig, weil dies hoffentlich der aller-, allerletzte Königstag zu Hause sein wird.“ (Annette Birschel, dpa)