Konzerte in der Corona-Pandemie? Schiller bleibt „optimistisch“

Christopher von Deylen veröffentlicht sein neues Album "Summer in Berlin". (tae/spot)

Annemone Taake

11.02.2021 15:30 Uhr

Schiller alias Christopher von Deylen ist es gewohnt, auf großen Bühnen zu stehen. In der Corona-Pandemie ist das jedoch nicht möglich. Warum er trotzdem optimistisch bleibt und welchen neuen Mitbewohner er im Lockdown gefunden hat, verrät er im Interview.

Schiller alias Christopher von Deylen (50, „Dream Of You“) ist musikalisch zu dem Ort zurückgekehrt, den er vor sechs Jahren verlassen hat: Auf seinem neuen Album „Summer in Berlin“ spielt er wieder mit Klängen – diesmal war die Stadt Berlin seine Inspiration. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news verrät der Musiker, was ihn an der Stadt so sehr fasziniert und wo er derzeit lebt. Außerdem spricht er über Möglichkeiten von Konzerten in der Corona-Pandemie und welchen neuen Mitbewohner er im Lockdown gefunden hat.

Sie veröffentlichen „Summer in Berlin“ im Februar. Wie passt das zusammen?

Christopher von Deylen: Gegensätze ziehen sich an. (lacht) Im Moment träumen wir alle von einem unbeschwerten Sommer, und weil ich gerne Soundtracks zu Träumen mache, habe ich mich für diesen Titel entschieden. Berlin ist dabei eine Metapher für einen Ort, an dem Menschen mit den unterschiedlichsten Lebensläufen zusammenkommen.

Was zeichnet den Sommer in Berlin Ihrer Meinung nach aus?

von Deylen: Es gibt einen Film von Wim Wenders mit dem Titel „Der Himmel über Berlin“. Das trifft es eigentlich ganz gut, denn gerade im Sommer besitzt der Himmel über der Hauptstadt eine epische Weite. Dazu kommen die vielen grünen Oasen, die diese Stadt im Sommer sehr magisch werden lassen.

Der Titeltrack ist ein Remake von Alphavilles Hit „Summer in Berlin“. Was hält die Band von Ihrer Version?

von Deylen: Ich bin sehr glücklich, dass meine neue Version bei Alphaville Anklang gefunden hat. Es ist immer ein Wagnis, ein eigentlich perfektes Stück in ein anderes Klanggewand zu bringen.

„Summer in Berlin“ soll eine Vorschau darauf sein, was man in Zukunft noch von Ihnen zu erwarten hat. Auf was können sich Ihre Fans freuen?

von Deylen: Mein Motto lautet: „Die Reise geht weiter“. Ich bin froh, dass es so viele Menschen gibt, die mich auf meinen Klangreisen begleiten. Jedes Album und jede Tournee ist dabei die Bestandsaufnahme eines bestimmten Moments auf dem Zeitstrahl. Wohin die Reise in Zukunft gehen wird? Das wird sich zeigen. Das Leben kann voller Überraschungen sein, denen ich möglichst viel Raum geben möchte.

In der heutigen Zeit ist eine kurze Aufmerksamkeitsspanne gang und gäbe. Warum haben Sie sich trotzdem dazu entschieden, ein acht Stunden Spielzeit umfassendes Boxset zu veröffentlichen?

von Deylen: Alles zu seiner Zeit. Natürlich gibt es Situationen, in denen ein kompakter Popsong genau das ist, was man gerade braucht. Aber es gibt auch Momente, in denen man sich etwas fallen lassen möchte. Sozusagen eine kleine Auszeit. Oder besser gesagt Traumzeit. Dafür gibt es auf „Summer in Berlin“ ein Stück, das zwanzig Minuten lang ist und den Hörer auf einen ausgedehnten Traum-Trip mitnimmt.

Sie sind auf der ganzen Welt unterwegs und bezeichnen sich als „selbstgewählt heimatlos“. Würden Sie Berlin trotzdem als Ihr Zuhause bezeichnen?

von Deylen: Berlin ist auf jeden Fall EIN Zuhause. Ich habe dort sehr viel Zeit verbracht und kenne die Stadt sehr gut. Sie macht es einem sehr leicht, sich ihr verbunden zu fühlen, auch wenn man gerade nicht vor Ort ist.

Was begeistert Sie so sehr an Berlin?

von Deylen: Berlin ist ein Platzhalter für Fantasie und unbegrenzte Möglichkeiten. Das gibt es natürlich auch an anderen Orten auf der Welt. Aber irgendwie erscheint mir diese Stadt wie ein Mikrokosmos der gesamten Welt. Sozusagen ein „Tiny Planet“. Die Kontraste der Stadt können zwar wahnsinnig fordernd sein, üben aber auch eine enorme Faszination auf mich aus.

Wo leben Sie derzeit?

von Deylen: Im Moment bin ich im Exil in der norddeutschen Tiefebene. (lacht)

Sie haben im Lockdown einen neuen Mitbewohner gefunden – eine Katze. Wie kamen Sie zu dem Haustier?

von Deylen: Auf einmal stand der Kater vor der Tür. Erst sporadisch, dann immer öfter. Ich hatte mit Katzen eigentlich nie viel zu tun, war eher ein Hundemensch. Durch seine Beharrlichkeit hat sich der Kater dann aber in mein Herz geschlichen und er ist dann buchstäblich bei mir eingezogen. Wo er genau herkommt und wie sein Leben bisher verlief, kann ich nur erahnen. Das ist vielleicht aber auch besser so. Mittlerweile hört er auf den Namen Balthasar. Aber wie Katzen so sind, hört er natürlich meistens nicht. (lacht)

Sie sind bekannt für Ihre kreativen Konzepte und neuen Ideen. Haben Sie auch schon über alternative Möglichkeiten für Live-Auftritte in der Corona-Pandemie nachgedacht?

von Deylen: Ja, das habe ich. Es gibt viele Möglichkeiten, solange man den Kontakt zum Publikum und vor allen Dingen innerhalb des Publikums vermeidet. Da aber genau diese Nähe ein wesentlicher Bestandteil eines Konzerts ist, entfernt man natürlich eine tragende Säule dieses gemeinschaftlichen Erlebnisses. Wie es momentan aussieht, werden wir damit noch eine ganze Weile klarkommen müssen. Ich bleibe aber optimistisch, dass es bald wieder richtig „losgehen“ kann.

Oft lassen Sie sich von besonderen Orten inspirieren, momentan ist Reisen allerdings nicht möglich. Ist die Corona-Pandemie auch eine musikalische Inspiration für Sie?

von Deylen: Gute Frage. Es gibt im Leben ja zum Glück keine B-Probe. Ich kann also nicht genau sagen, wie „Summer in Berlin“ ohne Pandemie geklungen hätte oder ob es dieses Album in erster Instanz überhaupt gäbe. Ich bin zurzeit auf jeden Fall sehr gerne im Studio und kann mich momentan sehr gut auf neue Melodien und Sounds konzentrieren.

Wie sehr fehlen Ihnen derzeit die großen Live-Konzerte?

von Deylen: Mir fehlen alle Konzerte, ob groß oder klein. Der Austausch mit dem Publikum ist ja ein wesentlicher Bestandteil meines Energiehaushalts. Mit jedem Konzert lernt man etwas dazu und oftmals entstehen auf der Bühne neue Songs, die einem sonst gar nicht passiert wären.

Sie stehen seit über 25 Jahren auf der Bühne. Wie blicken Sie auf Ihre bisherige Karriere zurück?

von Deylen: Gar nicht. Ich blicke immer nach vorne. Wohin sonst? (lacht).

(tae/spot)