„Ku’damm“-Doku: Das erlebte Karl Dall im Jahr 1963 in Berlin

Karl Dall erinnert sich in "Ku'damm 63 - Die Dokumentation" an seine Zeit im Berlin der 1960er Jahre. (ili/spot)
Karl Dall erinnert sich in "Ku'damm 63 - Die Dokumentation" an seine Zeit im Berlin der 1960er Jahre. (ili/spot)

ZDF / Jonny Müller-Goldenstedt

21.03.2021 10:30 Uhr

Karl Dall erzählt in der "Ku'damm"-Doku, wie er John F. Kennedys Besuch 1963 in Berlin erlebt hat. Außerdem geht es um eine ähnlich spektakuläre DDR-Flucht wie im Bully-Thriller "Ballon".

Die langersehnte dritte Staffel der erfolgreichen Serie „Ku’damm“ (seit 2016) startet am heutigen Sonntag (21.3., 20:15 Uhr) im ZDF. Die drei neuen Folgen rund um das Schicksal der alleinerziehenden Berliner Tanzschulleiterin Caterina Schöllack (Claudia Michelsen, 52) und ihrer drei Töchter Monika (Sonja Gerhardt, 31), Helga (Maria Ehrich, 28) und Eva (Emilia Schüle, 28) spielen im Jahr 1963. Die Folgen zwei und drei werden am Montag (22.3.) und Mittwoch (24.3.) gezeigt.

Was damals alles im realen Berlin los war, davon berichtet im Anschluss an die Ausstrahlung der ersten Episode die Doku „Ku’damm 63 – Die Dokumentation“ (21.3., 21:45 Uhr, ZDF). Darin kommt unter anderem der im November in Hamburg verstorbene Schauspieler und Komiker Karl Dall (1941-2020) zu Wort. Der gebürtige Emdener und gelernte Buchdrucker zog im Jahr 1963 nach West-Berlin, und genoss das neue Freiheitsgefühl und das Nachtleben.

„Dieses Berlin-Gefühl für uns war, da bin ich auch ganz ehrlich, dass die Kneipen rund um die Uhr aufhatten“, erinnert Karl Dall sich in der Doku. „Man bekam eine Flasche Cognac, ’ne richtige 0,7-Flasche für 2,70 D-Mark. Wenn man also von seinem Wochenlohn ’ne Mark übrige hatte, dann hat man die auf den Tisch geknallt und konnte sich mit noch zwei Freunden die Dröhnung geben“, erzählt er weiter.

„Ich bin ein Berliner“

Doch Karl Dall machte nicht nur Party. Er interessierte sich auch für das Zeitgeschehen. Und so stand er am 26. Juni 1963 in der Menschenmenge vor dem Schöneberger Rathaus, als US-Präsident John F. Kennedy (1917-1963) anlässlich des 15. Jahrestags der Berliner Luftbrücke seinen berühmten Satz „Ich bin ein Berliner“ sagte. Da seien die Berliner ausgeflippt, erinnert sich Zeitzeuge Dall. Schätzungsweise seien eine halbe Million Menschen vor Ort gewesen. „Ich hatte einen ungünstigen Platz, weil da immer die Ohnmächtigen weggetragen wurden oder die Sanitäter mit der Bahre standen. Aber ich war ziemlich dicht an Kennedy dran“, so Dall.

Als John F. Kennedy zusammen mit dem damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer (1876-1967) und Berlins regierendem Bürgermeister Willi Brandt (1913-1992) in einer offenen Limousine durch die Straßen West-Berlins fuhr, „hatten die Berliner ihre Zeitungen zerschnitten und den amerikanischen Regen gemacht“, beschreibt Karl Dall die Konfetti-Szenerie. Im November desselben Jahres wurde Kennedy in Dallas, Texas, in einem offenen Wagen erschossen.

Weitere spannende Themen der Dokumentation

Ebenfalls thematisiert werden in der „Ku’damm“-Doku die Auschwitzprozesse, die 1963 in Frankfurt am Mai begannen und eine „Zeitenwende“ in der Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus markierten. Außerdem geht es um die schwierige Rolle der Frau in Gesellschaft und Ehe samt einer Art Sexpflicht.

Der länderübergreifende Gesangswettbewerb Grand Prix d’Eurovision de la Chanson (heute ESC) spielt ebenso eine Rolle wie die freie Kunst-Szene, die Kunstrichtung Fluxus und die Avantgarde der jungen Wilden – während die Klassische Moderne das Straßenbild prägte. Und dann wird noch von einer ähnlich spektakulären DDR-Fluchtgeschichte erzählt wie im Bully-Thriller „Ballon“ (2018) – ein echter Gänsehaut-Moment.