Sonntag, 16. Februar 2020 22:26 Uhr

La Roux über ihr Comeback, Feminismus und nackte Brüste

Foto: Ed Miles

Nach fünf Jahren Funkstille ist Elly Jackson alias La Roux endlich zurück. Dabei macht die Britin keine halben Sachen: neben der neuen Single “International Woman of Leisure” und dem dazugehörigen, schillernden Video, kündigt die Popikone auch gleich ein neues Album und eine Welttournee an. klatsch-tratsch.de traf sich mit der sympathischen Sängerin zum Talk. 

Quelle: instagram.com

Wovon handelt deine neue Single „International Woman of Leisure“?
Es geht darum deine Macht in den Fähigkeiten einer Frau zu entdecken. Für mich persönlich gab es da einen bestimmten Moment im Studio, wo ich realisiert habe, dass ich keinen Mann brauche, um bestimmte Dinge zu vollbringen. Es gibt viele Sachen – vor allem bei den technischen Aspekten – die noch immer noch eine reine Männer-Domäne sind. Eigenschaften, die noch immer vor allem Männern zugeschrieben werden.

Ich wuchs in einer sehr offenen Familie auf, in der wir dazu ermutigt wurden Dinge zu machen, die nicht nur weiblich sind. Es gibt immer noch immer ein Muster in der Gesellschaft, die gewisse Dinge als typisch männlich oder weiblich zuschreiben. Ich hatte früher oft das Gefühl, dass ich eine Lücke schließen musste in dem ich einen Mann für gewisse Dinge dabei hatte – auch wenn ich 80% oder sogar alles eigentlich hätte alleine machen können.

Irgendwann kam der Punkt, an dem ich eingesehen habe, dass das richtiger Bullshit ist, als Frau dieses mangelnde Selbstbewusstsein zu haben. Denn jeder kann alles lernen – auch ich. Wir sind nämlich gar nicht so verschieden. Warum sollte ich als Frau keine handwerklichen oder elektronischen Dinge können, wenn Frauen sogar sieben Sprachen lernen können oder Neurowissenschaftlerinnen sind? Warum sollte ein Studio da eine Grenze darstellen?

Zieht sich dieser feministische Ansatz denn weiter durch dein neues Album?
Ja, aber das war eigentlich gar nicht der Grund. Es geht für mich persönlich darum mehr über sich selbst zu lernen, Zeit allein zu verbringen und herauszufinden, wer man eigentlich ist und damit Frieden zu schließen. 

La Roux über Feminismus, nackte Brüste und Ängste

Foto: Ed Miles

Du warst jetzt fünf Jahre weg vom Fenster. Was hast du in dieser Zeit gemacht?
Es ist jetzt nicht so, als hätte ich die ganze Zeit Urlaub gemacht. Ich habe mit jemandem an einem Album gearbeitet. Es lief aber nicht so gut und ich war nicht zufrieden. Es hat mich nicht glücklich gemacht und ich wusste nicht warum. Ich konnte mich kreativ nicht so entfalten, habe mich ausgebremst gefühlt.

Es fühlte sich wie ein einzig großer Kompromiss an. Eines Tages habe ich realisiert wie unglücklich ich damit bin und habe einen Schritt zurück gemacht. Und selbst das war hart; Einfach so drei Jahre harte Arbeit in die Tonne zu kloppen. Ich musste es aber tun. Eine Sache habe ich aber dabei gelernt: Je größer die Unzufriedenheit ist, umso größer die Lehre, die man daraus zieht.

Was ist das Konzept von deinem neuen Album?
Es ist definitiv kein Konzept-Album. Es heißt „Supervision“, weil ich das Gefühl habe, dass ich jetzt einfach klarer sehen kann – beispielsweise mein Leben. Auch was meine Kreativität angeht, habe ich mich weiterentwickelt und spüre, dass ich keine Aufsicht als kreative Person brauche. Ich habe einfach begonnen Songs zu schreiben, die ich einfach schreiben musste.

Du gehst jetzt auf große Welttour und kommst auch nach Deutschland. Was können wir von deiner Show erwarten?
Hoffentlich sehr viel Energie, denn das neue Album ist sehr energetisch. Es ist sehr unkompliziert, deshalb werden wir auch die Show nicht unnötig kompliziert machen. Es wird weniger Band-Elemente haben, wie die vorherigen Touren. Ich persönlich gehe sehr ungern zu Konzerten wo ein großer Unterschied zwischen Album und Live-Show ist. Die Lichter stehen im Fokus und was ich schon sagen kann es wird sehr tanzbar und clubbig.

Mit welchen Emotionen verbindest du die Zeit um deinen bisher größten Hit „Bulletproof“?
Ich kann mir das Video gar nicht ansehen. Es sieht so unbequem aus. Ich kenne mich ja und ich finde, dass ich da ziemlich unglücklich aussehe. Man sieht, dass ich mich nicht ganz wohl gefühlt habe. Damals sah ich einfach so aus, als sollte ich besser nicht in einem Musikvideo sein. (lacht) Quasi ein unsicherer Teenager, der vor die Kamera gezerrt wurde.

Ich weiß, dass viele das Video mögen und cool finden, das finde okay. Ich fühle kaum noch eine Verbindung dazu – was auch in Ordnung ist. Es ist mittlerweile 10 Jahre her. Es ist beinahe so, als ob man von einem verlangen würde, sich heute noch mit seinen Hausarbeiten aus der Schule verbinden und identifizieren zu können. Das ist echt seltsam.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein von @stormzy geteilter Beitrag am Dez 12, 2019 um 4:03 PST

Du hast kürzlich Rapper Stormzy getroffen. Wie war das? Könntest du dir vorstellen auch mit ihm zusammenzuarbeiten?
Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht, aber wenn es mir angeboten würde, dann würde ich das ernsthaft in Betracht ziehen. So lange die Musik gut ist und es etwas ist, das ich liebe, warum nicht? Es war echt schön ihn zu treffen. Er ist wirklich ein cooler Typ. Wir stammen beide aus Süd-London und haben uns viel darüber und wie es sich verändert hat, unterhalten.

Deine Songs werden viel im Radio und auch in den Clubs gespielt. Über dich und dein Privatleben weiß man aber kaum etwas. Woran liegt das?
Das weiß ich gar nicht so zu 100%. Vermutlich weil ich nicht da so die typische Frau, wie man sie sonst aus den Medien kennt. Die Durchschnittsfrau kann sich vielleicht nicht so mit mir identifizieren und möchte auch nicht wie ich aussehen. Sie wollen sich nicht die Haare abschneiden und androgyn aussehen. Das würde sie davon abhalten, dass andere Frauen zu ihnen aufschauen, oder Männer sie ficken wollen. Und das ist vermutlich diese Sache, die ich nicht habe.

Quelle: instagram.com

Außerdem habe ich mich zu Beginn meiner Karriere nicht so offensiv präsentiert. Ich habe quasi das Mysterium aufrechterhalten. Als mein erstes Album rauskam gab es noch kein Social Media. Ich kann mich noch an ein Meeting damals mit meiner Plattenfirma erinnern, als sie verkündeten, dass Twitter auf den Markt kommt. Das dürfte für viele jungen Menschen kaum vorstellbar sein, dass es damals noch nicht mal Instagram und Co gab. Früher war es einfacher sein Privatleben privat zu halten.

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