Samstag, 22. Februar 2020 16:08 Uhr

Lars Eidinger unter Tränen: Tragisch, wenn man Liebe in die Welt trägt und Hass erntet

imago images / snapshot

Lars Eidinger spielt in dem Film „Persian Lessons“ mit, der auf der Berlinale seine Premiere feiert. Kurz vor dem Start zeigt sich der Theater-und Filmstar sehr emotional.

Der große Schauspieler Lars Eidinger hat sich mit einem emotionalen Statement gegen den Hass in Deutschland gewandt. „Ich finde, unsere Gesellschaft ist so dermaßen vergiftet, was Hass und Missgunst angeht“, sagte Eidinger mit Tränen in den Augen und zunehmend brechender Stimme in Berlin vor der Berlinale-Präsentation des Films „Persian Lessons“ von Vadim Perelman.

Eidinger erinnerte an einen Text des Schriftstellers Stefan Zweig (1881-1942), in dem es „um die moralische Entgiftung Europas“ nach dem Ersten Weltkrieg gegangen sei. Darin habe Zweig nach einem Medium verlangt, das die Menschen wieder zusammenbringe und sich der Liebe verschreibe.

Lars Eidinger unter Tränen: Tragisch, wenn man Liebe in die Welt trägt und Hass erntet

Foto: Michael Kappeler/dpa

„Das Internet ist ja genau dieses Medium“, sagte Eidinger, „es wird aber genau für das Gegenteil genutzt.“ Das berühre ihn sehr. Für ihn sei das Anlass, „dagegen zu kämpfen“. „Es ist natürlich umso tragischer, wenn man versucht, ganz platt Liebe in die Welt zu tragen und kriegt dafür Hass als Antwort.“

Neuer Film bei der Berlinale

In „Persian Lessons“ spielt Eidinger einen Nazi-Offizier, der sich von einem als Perser getarnten Juden (Nahuel Pérez Biscayart) in einer frei erfundenen Farsi-Variante unterrichten lässt.

„Was mich daran gereizt hat ist tatsächlich meine Geschichte“, erläuterte Eidinger seine Motivation. Ihm sei noch gesagt worden: „Wir haben damit nichts mehr zu tun, wir sind eine neue Generation.“ Er freue sich, wenn er die Möglichkeit habe, sich mit so einem Film auf komplexe Art und Weise dem Thema zu stellen. „Gerade jetzt merkt man ja gerade wieder, wie schnell die Gefahr droht, dass sich Geschichte wiederholt und wie sehr wir täglich wieder Schuld auf uns laden“, sagte Eidinger. (dpa/KT)

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