Mittwoch, 13. November 2019 21:10 Uhr

Laurent (9) hat das Abi hinter sich, jetzt wird studiert

Foto: picture alliance/ Annette Birschel/ dpa

„Genie“ oder „Wunderkind“ – diese Spitznamen bekommt Laurent Simons (9) aus Amsterdam häufiger zu hören, denn der Junge ist superklug. Bereits mit nur acht Jahren hatte er das Abitur in der Tasche und nun beendet er sein Studium.

„Hallo, da bin ich.“, stürmt der kleine dunkelhaarige kleine Kerl begeistert in den Hörsaal. Kaum dass der Fahrstuhl gehalten hatte, war Laurent nicht mehr zu bremsen. Euphorisch rannte er bereits den langen Gang entlang, stoppte vor der Glastür des Lehrsaals, spähte in den Raum und stürmte dann rein.

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Abi und Uni im Schnelldurchlauf

Nur höchst selten wird Professor Peter Baltus so von seinen Studenten begrüßt. Aber der 9-jährige ist ja auch nicht irgendein Student, denn der Junge, der in Belgien und den Niederlanden aufwuchs, steht kurz vor der Bachelor-Prüfung an der TU Eindhoven. Andere Kinder in seinem Alter besuchen gewöhnlich die dritte Klasse einer Grundschule. Laurent ist aber ein richtiger Überflieger und studiert bereits seit dem Sommer letzten Jahres Elektrotechnik an der renommierten Universität im Südosten der Niederlande.

Und dort fühlt er sich zweifellos pudelwohl. Auch die anderen Studenten haben sich längst daran gewöhnt, dass ab und zu neben ihnen ein kleiner Junge im Labor Platz nimmt und zum Lötkolben greift. Der Hochbegabte Junge, der einen IQ von 145 hat, durchlief schon die Schulzeit in Belgien in Rekordzeit. Sein Abitur machte er schon im Sommer 2018, kurz darauf begann er das Studium in Eindhoven.

Schon jetzt wird der Kleine von den Medien gerne mit dem Astrophysiker Stephen Hawking und dem Nobelpreisträger Albert Einstein verglichen – was für ein herausragendes Kompliment in einem Atemzug mit diesen prägenden Wissenschaftlern genannt zu werden. Laurent ist das ziemlich gleichgültig. Schulter zuckend sagt er: „Ach, ist mir egal“. Seine Mutter Lydia Simons weiß aber, dass Komplimente aus nächster Nähe ihren Sohn durchaus interessieren.

Laurent (9) hat das Abi hinter sich, jetzt wird studiert

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Lernen in achtfacher Geschwindigkeit

„Aber nicht, wenn deine Freunde sagen, dass du superklug bist. Dann bist du auch stolz.“, sagt sie und Laurent grinst sie daraufhin verschmitzt an. Wohl doch gar nicht so egal. Vor allem Technik und Naturwissenschaften sind die Gebiete, über die der 9-jährige am Liebsten alles wissen möchte. Dafür fand er aber zum Beispiel Sprachunterricht nicht so prickelnd. „Da musste ich so viele Bücher lesen, Romane – und die lese ich nicht so gerne.“, begründet der Wuschelkopf.

Nicht nur das Schulsystem und die Uni hat der Junge ganz schön auf den Kopf gestellt, natürlich auch das Leben seiner Eltern. Das sagt zumindest sein Vater Alexander und auch Mutter Lydia stimmt zu. „Wir fahren jetzt ein elektrisches Auto und keinen alten Diesel mehr.“, so Laurents Papa. Für den Klimaschutz. Ein wenig seufzen die Eltern, denn die Familie fliegt auch längst nicht mehr so häufig ins Ferienhaus nach Spanien.

Das kleine Genie dagegen sitz daneben und sieht sehr zufrieden aus. „Irgendwann wird es eine technische Lösung geben für den Klimawandel“, da ist er sich sicher. „Wir sollten viel mehr investieren in die Forschung und Technik“, findet Laurent. Er wählt seine Worte vorsichtig, denn dass man ihn für altklug hält, das möchte der Junge auf keinen Fall. Das ist er auch gar nicht, sondern einfach nur ungeduldig.

Das scheint neben seinem hohen IQ auch das Geheimnis seiner Erfolgs zu sein, denn Laurent lernt in einem Wahnsinns-Tempo. Das Pensum, für das andere Studenten acht Wochen brauchen, schafft er locker in einer Woche. An der Uni bekommt er Einzelunterricht, wo er Lehrstoff bekommt, den er dann zu Hause selbstständig durch geht und sich so selbst auf die Prüfungen vorbereitet, die beispielsweise am Freitag stattfinden.

Manchmal doch typisch Neunjähriger

Sein Professor ist begeistert: „Es ist ein Abenteuer. Aber es macht wahnsinnigen Spaß.“ Kluge und auch hochbegabte Studenten ist der Dozent zwar durchaus gewöhnt, aber: „Laurent ist echt mindestens dreimal so klug“, gibt er zu. So manches Mal vergisst Professor Baltus auch, dass sein Super-Student noch ein Kind ist. Beispielsweise erinnert sich der Prof an eine Situation im Labor. Laurent konnte ein Kabel nicht losdrehen, auch wenn er sich noch so bemühte „er war einfach nicht stark genug.“

Zum Studienabschluss entwickelt Laurent einen Mikro-Chip, um Reaktionen von Gehirnzellen zu messen. Auf dem Gebiet will er auch danach gerne weiter forschen, sagt Laurent. „Ich will etwas entwickeln, dass das Leben verlängern kann.“, so der kleine Mann. Künstliche Organe schweben dem Belgier zum Beispiel vor. „Ich hoffe bloß, dass es etwas mit meinem Fach zu tun hat“, wünscht sich sein Professor und das aus einem einfachen Grund: „dann bleibt er noch ein Weilchen hier.“

Zur Zeit wird an einem individuellen Promotions-Programm für den baldigen Bachelor-Absolventen getüftelt und daher kann es auch sehr gut sein, dass Laurent vielleicht in den USA oder in Deutschland weiter studieren wird, statt in Eindhoven zu bleiben. Seine Eltern haben vorerst ihre Arbeit als Zahnärzte auf Eis gelegt. Dreimal wöchentlich fahren sie mit ihrem Sohn von Amsterdam nach Eindhoven, jeweils knapp zwei Auto-Stunden.

Sie sorgen dafür, dass er ungestört lernen kann, aber auch, dass er nicht zu sehr vereinnahmt wird. „Das kommt noch früh genug“, so Alexander Simons. Schließlich ist Laurent in mancher Hinsicht trotzdem noch ein ganz normaler Neunjähriger, der mit seinen beiden Hunden Sammy und Joe spielen will und Filme auf Netflix anschaut. „Und übers Essen mäkelt“, stöhnt Mutter Lydia. „Gar nicht wahr“, kontert der Frechdachs und grinst. „Ich esse alles, was Oma kocht.“

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