21.03.2020 08:44 Uhr

„Let’s Dance“ wie im Krieg: Traurige Show aus dem vereinsamten RTL-Tanzpalast

Die Jury (v.l.) Jorge González, Motsi Mabuse und Joachim Llambi. Foto: TVNOW / Stefan Gregorowius

Ohne Zuschauer, ohne Wendler und sogar ohne John Kelly ging die vierte „Let’s Dance“-Folge im RTL-Tanzpalast über die Bühne. Dafür gab es eine tanzende Jury und die erste Zehn-Punkte-Bewertung von Urgestein Joachim Llambi in dieser Staffel. 4,91 Millionen sahen die Corona-Krisen-Show.

Applaus vom Band, ein aufgeklebtes Publikum, Luftküsse und oben steht neben dem RTL-Logo „#WirBleibenZuhause“. Von wegen! Die vierte Folge der RTL-Promitanz-Show „Let’s Dance“ war wegen der Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz vor dem Coronavirus eine visuell extrem reduzierte Ausgabe. Wettgemacht wurde das zum Teil durch den Einsatz von Teilnehmern und der Jury.

"Let's Dance" wie im Krieg: Eine traurige Show aus dem einsamen RTL-Tanzpalast

Halten Abstand: Victoria Swarovski und Daniel Hartwich. Foto: TVNOW / Stefan Gregorowius

In einem leeren Studio saßen die Promis paarweise auf den Zuschauertribünen verteilt und nicht wie sonst in der Promi-Lounge. Nicht mal der Wendler durfte rein. In dieser Woche waren auch keine Freunde und Familienmitglieder im Studio mehr erlaubt. Dafür hatte RTL zuvor eingesendete Zuschauer-Fotos auf die Sitze geklebt. Und immer ganz viel Beifall eingespielt – wie das Lachen in US-amerikanischen Sitcoms. Ganz schlimm sowas. Soviel Trostlosigkeit.

Victoria Swarovski eröffnete die Geistershow bemüht mit den Worten: „Wie Sie sehen, ist das Studio wirklich sehr leer geworden, denn wir verzichten in Absprache mit den Behörden auch auf unser Publikum und ergreifen wirklich alle wichtigen Maßnahmen, um diese wunderschöne Show weitergehen zu lassen“.

"Let's Dance" wie im Krieg: Eine traurige Show aus dem einsamen RTL-Tanzpalast

Lili Paul-Roncalli und Massimo Sinató. Foto: TVNOW / Stefan Gregorowius

Animationsprogramm der Jury

Besondere Zeiten erfordern eben besondere Mittel: Denn „Let‘s Dance“ in Zeiten von Corona ist, wenn auch die Jury tanzt. Jury-Urgestein Joachim Llambi, Profi-Tänzerin Motsi Mabuse und Choreografin Jorge González performten einen kurzen Tanz zu Beginn der Sendung und forderten die Zuschauer explizit zum Mitmachen auf. Das Hände-Drehen und Oberkörper-Schütteln sollten die Zuhause-Tänzer auf Instagram stellen. Irgendwie muss man ja die Zeit mit gestrichenen Programmpunkten rumkriegen.

"Let's Dance" wie im Krieg: Eine traurige Show aus dem einsamen RTL-Tanzpalast

Tijan Njie und Kathrin Menzinger tanzen Wiener Walzer. Foto: TVNOW / Stefan Gregorowius

Statt des geplanten „Boys vs Girls Battle“ wurden deshalb die in der Woche aufgezeichneten Übungsaufnahmen von den Proben eingespielt. Und die wurden („nach ein paar Mal Üben“, ‚Bild‘-Zeitung) von der Jury auch noch bewertet! Einer schimpfte deshalb bei Twitter: „Was wollen die denn einen Tanz bewerten nach ein paar Stunden Training, mit einer Aufnahme, die wahrscheinlich nur als Probenvideo genutzt werden sollte.“

Neben dem Publikum fehlte zusätzlich Teilnehmer John Kelly (52). Der Musiker, einst Mitglied der „Kelly-Family“, konnte aus „familiären Gründen“ nicht teilnehmen, wie Moderatorin Victoria Swarovski (26) zu Beginn der Sendung bekanntgab. Grund dafür sei ein Krankheitsfall in der Familie. Um Covid-19 solle es sich laut RTL aber nicht handeln. In der kommenden Woche soll er wohl wieder dabei sein.

"Let's Dance" wie im Krieg: Eine traurige Show aus dem einsamen RTL-Tanzpalast

Luca Hänni und Christina Luft. Foto: TVNOW / Stefan Gregorowius

Erstmals 10 Punkte von Llambi

Moderator Sükrü Pehlivan, unter anderem bekannt aus dem RTL-Format „Die Superhändler“, bekam von Juror Joachim Llambi die härteste Kritik an diesem Abend. „Das war gar nichts. Das war Dosenwerfen auf der Kirmes“, sagte er zu Pehlivans Jive und gab in der anschließenden Bewertung null Punkte. Da das aufgrund der Regeln in der Show nicht möglich ist, korrigierte Moderatorin Victoria Swarovski den Punktestand auf eins.

Auf der anderen Seite überraschte das kritischste Mitglied der „Let’s Dance“-Jury mit seiner Bewertung für Luca Hänni. Nach der „Contemporary“-Performance des „DSDS“-Gewinners von 2012 sagte Llambi: „Wir machen das ganz kurz: erste Zehn (Punkte) von mir in dieser Staffel.“

"Let's Dance" wie im Krieg: Eine traurige Show aus dem einsamen RTL-Tanzpalast

Laura Müller und Christian Polanc tanzen Charleston. Foto: TVNOW / Stefan Gregorowius

Lob gab’s von Motsi Mabuse nach 24 Punkten für Wendler-Freundin Laura Müller: „Laura, du wirst immer stärker. Du bist supergefährlich!“

Durch die ganze Sendung zog sich die Aussage: Wir machen hier weiter, damit die Zuschauer Spaß und Ablenkung haben. Mit dieser Einstellung schien sich die Konkurrenz-Situation zwischen den Teilnehmern eher aufzuweichen. Dass dann das niederländische Model Loiza Lamers (25, war mal ein Junge) am Ende von den Zuschauern rausgewählt wurde, wirkte vor dem aktuellen Hintergrund eher harmlos. Und unbedeutend.

"Let's Dance" wie im Krieg: Eine traurige Show aus dem einsamen RTL-Tanzpalast

Ilka Bessin und Erich Klann tanzen Paso Doble. Foto: TVNOW / Stefan Gregorowius

„Ob wir kommende Woche noch senden?“

Das finale Urteil von Llambi zur publikumslosen Show: „Das ist natürlich erstmal eine ganz ungewohnte Atmosphäre.“ Es sei nicht der Druck da, den rund 1000 Menschen im Saal erzeugen könnten, sagte er.

Fraglich bleibt, ob die Show in der kommenden Woche gesendet wird. Die ganze Atmosphäre war komplett dahin. Trostlosigkeit wie im Krieg bei den Daheimgebliebenen. 30 Punkte für RTL für den tapferen Versuch, Stimmung zu verbreiten!

"Let's Dance" wie im Krieg: Eine traurige Show aus dem einsamen RTL-Tanzpalast

Loiza Lamers und Andrzej Cibis. Foto: TVNOW / Stefan Gregorowius

Einer postete bei Twitter: „Wenn #letsdance in der allgemeinen Krise vor #covid_19de in den Twitter Charts steht, dann kann hier irgendwas nicht stimmen. Es ist eine schmerzende Welt welche wir vor uns haben, dieses wird so ziemlich jeden betreffen!“ Daniel Hartwich hat wohl eine Vorahnung, dass es so nicht weitergehen kann, verabschiedete sich so: „Ob wir kommende Woche noch senden? Wir werden’s sehen.“

Unterdessen sind rund 20.000 Menschen in Deutschland mit dem Coronavirus infiziert. Die Zahl der Todesfälle ist auf 60 gestiegen. (dpa/KT)