Emotionale AchterbahnLiebe vs. Limerenz: Wann Verliebtheit zur Gefahr wird

Limerenz geht oft mit Kontrollverlust einher. (ncz/spot)
Limerenz geht oft mit Kontrollverlust einher. (ncz/spot)

NATNN/Shutterstock.com

SpotOn NewsSpotOn News | 17.02.2024, 20:16 Uhr

Verliebtsein kann das schönste Gefühl der Welt sein - aber was, wenn es uns gefangen hält und zu einem obsessiven Verhalten führt? Die sogenannte Limerenz kann eine jahrelange Spirale sein. Wie überwindet man sie?

Die berühmten Schmetterlinge im Bauch haben die meisten Menschen schon einmal verspürt. Sie können einerseits ein Zeichen für die Aufregung sein, die wir spüren, wenn wir uns zu jemandem hingezogen fühlen. Sie können aber auch ein Signal des Körpers für ein unwohles Gefühl sein – etwa, wenn Unsicherheit oder Eifersucht vorliegen. Denn für die einen ist Verliebtsein das Schönste, was sie sich vorstellen können. Gleichzeitig ist sie aber eines der komplexesten Phänomene des Menschseins. Denn bleibt sie unerwidert, birgt sie die Gefahr der Limerenz.

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Was ist Limerenz?

Dabei handelt es sich um einen Zustand intensiver Verliebtheit, der zu obsessivem Verhalten führen kann. Oft dreht sich das gesamte Sein nur noch darum, dass die Person der Begierde die eigenen Emotionen erwidert. Die Person wird dabei oft als perfekt wahrgenommen. Der Begriff "Limerenz", im Englischen "limerence", stammt aus dem Buch "Love and Limerence: The Experience of Being in Love" von der Psychologin Dorothy Tennov aus dem Jahr 1979. Sie beschrieb die Limerenz in drei Phasen: die Idealisierungsphase, die Unsicherheitsphase und die Desillusionierungsphase.

Aber was genau ist der Unterschied zwischen Liebe und Limerenz? Laut der Psychologin Dr. Giulia Poerio macht Limerenz vor allem eine extreme Intensität aus, eine emotionale Achterbahn, die zwischen Euphorie und Verzweiflung schwankt. Gegenüber der "New York Times" beschreibt sie: "Jedes Zeichen der Ablehnung kann einen in einen Tiefpunkt versetzen, und jedes Zeichen von Interesse kann einen in einen Rausch versetzen." Es sei ein endloses Gedankenspiel von "Sie liebt mich, sie liebt mich nicht".

Wann wird Limerenz zur Gefahr?

Das große Problem: Wer an Limerenz leidet, macht den eigenen Selbstwert oft abhängig von der anderen Person, die möglicherweise gar nicht von deren Existenz weiß. Laut Dr. Poerio kann es sich um einen Freund, Kollegen oder sogar Fremde handeln – oder aber eine ehemalige Kurzzeitromanze, die sich unerledigt anfühlt. Besonders schlimm sei es, wenn das Gegenüber die limerente Person weiter hinhält. Limerenz lebt davon, Erinnerungen und kleine Momente im Kopf wieder und wieder durchzuspielen und mögliche zukünftige Treffen einzustudieren.

Dieser Zustand kann möglicherweise sogar Jahre andauern. Der Neurowissenschaftler Dr. Judson Brewer spricht sogar von einer "Sucht". "Sie bleiben in zukunftsgerichteten Fantasien und vergangenheitsorientiertem Bedauern stecken", erklärt er der "New York Times". Die Erwartungshaltung schütte im Körper Dopamin aus, was der Körper als Belohnung empfindet.

Laut Dr. Poerio erlebt eine große Mehrheit aller Menschen in ihrem Leben eine Art der Limerenz. Problematisch wird es, wenn ein Kontrollverlust vorliegt, und die Fähigkeit, bedeutungsvolle Beziehungen in der realen Welt zu führen, beeinträchtigt wird, weil man eine nicht existierende Beziehung in seinem Kopf aufrechterhält.

Die Besessenheits-Spirale überwinden

Der Umgang mit Limerenz kann eine Herausforderung sein, es gibt aber Strategien, die Betroffenen helfen können. Zunächst einmal hilft es, zu erkennen und akzeptieren, dass man Limerenz erlebt. Ein erster Schritt sollte sein, den Kontakt mit dem "Objekt der Begierde" komplett abzubrechen und Situationen und Auslöser zu vermeiden, die die Gefühle verstärken könnten.

Wichtig ist dann die Selbstfürsorge: Betroffene sollten sich Zeit für Aktivitäten nehmen, die das eigene Wohlbefinden stärken – etwa Sport, kreative Hobbys oder Zeit mit Familie und Freunden. Oder die mit Limerenz verbundene Energie in Produktivität verwandeln, etwa persönliche Ziele verfolgen. Zudem kann es helfen, die Gefühle zu teilen – sei es mit dem persönlichen Umfeld oder einem Therapeuten.