Dienstag, 12. Juli 2011 13:48 Uhr

Loveparade-Chef hat sich nur noch verkleidet nach draußen getraut

Köln. Rainer Schaller, ehemaliger Veranstalter der Loveparade, äußert sich jetzt erstmals über die Hintergründe der Loveparade-Katastrophe von Duisburg und seine persönliche Aufarbeitung. Er erzählte in der WDR/ARD Dokumentation „Die letzte Loveparade“ (Das Erste, 13.7., 23.30 Uhr und WDR Fernsehen, 20.7., 20.15 Uhr), dass er sich wochenlang selbst abends im Dunkeln nur mit Sonnenbrille und Mütze nach draußen getraut habe.

Dazu sagte er wörtlích: „Man denkt, jeder guckt einen an. Selbst beim Einkaufen im Supermarkt, wenn […] die Kassiererin nicht gleich freundlich lächelt, hat man das Gefühl, man ist erkannt und muss sich rechtfertigen, sich einfach schlecht fühlen.“

Erstmals äußert sich der 42-Jähruge in der Dokumentation auch zur Problematik des verhängnisvollen Tunnels als einzigem Ein- und Ausgang zum Veranstaltungsgelände: „Man hat Monate geplant, und für mich ist es natürlich ein Rätsel, wie man das über Monate gemeinsam nicht hat sehen können. Das ist etwas, was ich mich bis heute frage: Wie konnte man das nicht sehen?“

In der Planungsphase seien viele Menschen beteiligt gewesen, von der Stadt, über sie selbst als Veranstalter, bis hin zur Polizei, Bundespolizei, Feuerwehr und Sanitätern, so Schaller.

Im Mai 2011 ging Rainer Schaller zum ersten Mal seit der Loveparade zur Unglücksstelle. Er arbeitete seit der Katastrophe weniger, holte sich psychologische Hilfe und traf sich mit den Angehörigen der Opfer: „Das war einer der schwersten, wenn nicht sogar der schwerste Moment in meinem Leben.“ Er habe gemerkt, was es bedeute, Verantwortung zu übernehmen und Menschen gegenüber zu stehen, die ihr Kind verloren haben.

Ein Jahr lang haben die Autoren der WDR/ARD Dokumentation Angehörige der Opfer und die Verantwortlichen der Loveparade begleitet und bei dem Versuch beobachtet, die Katastrophe zu überstehen.

Die letzte Loveparade, Das Erste, 13.7.2011, 23.30 Uhr und WDR Fernsehen, 20.7.2011, 20.15 Uhr (ots)

Fotos: WDR

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