Matthias Horx: Nach der Pandemiekrise kommen die „Exzesse des Nachholens“

Matthias Horx: Nach der Pandemiekrise kommen die "Exzesse des Nachholens"
Matthias Horx: Nach der Pandemiekrise kommen die "Exzesse des Nachholens"

© IMAGO / Manfred Siebinger

14.05.2021 20:15 Uhr

Der bekannte Trendforscher Matthias Horx rechnet mit einem kurz bevorstehenden Umschwung aus der Pandemie-bedingten gesellschaftlichen Krisenstimmung in allgemeine Euphorie.

„Sobald man ein bestimmtes Stadium erreicht hat, dreht sich die Stimmung“, erklärte der 66 Jahre alte Publizist und Institutsgründer Matthias Horx in einem aktuellen Interview dem Magazin „Playboy“.

Mit der Herdenimmunität kommt die Euphorie

Wann es soweit sein werde, sei „leicht auszurechnen“, so der Gründer des Firmen beratenden Frankfurter Zukunftsinstituts weiter.  Nämlich dann „wenn es noch ungefähr einen Monat bis zur Herdenimmunität dauert. Also bei einer Impfabdeckung von 40 bis 50 Prozent. Das wird schneller kommen, als wir fürchten“. Damit werde in absehbarer Zeit das Hochgefühl herrschen, die Krise sei ausgestanden.

„Nichts stärkt die menschliche Psyche mehr als das Gefühl, es geschafft zu haben“.

Horx erwartet „Exzesse des Nachholens“

Für die Zeit nach der Corona-Krise erwartet Horx übrigens „Exzesse des Nachholens“, wie er gegenüber dem „Playboy“ erklärte. „Ein Teil der Menschen wird extrem Party machen, in jeder Hinsicht“, so Horx. Das betreffe allerdings aber nicht die Bevölkerungsmehrheit. Im Großen und Ganzen sieht der Trendforscher vielmehr ein „moralisches Zeitalter“ nach der Corona-Krise anbrechen: durch Umbrüche in der Wirtschaft und neue ethische Zielsetzungen anstelle der Orientierung an früheren Wachstumsraten.

Der Single-Status hat an Attraktivität eingebüßt

Für das Privatleben sagt er voraus, dass „Themen wie Treue und Verbindlichkeit wieder wichtiger werden, und es wächst die Sehnsucht nach funktionierender Monogamie“. Corona habe eine ungeheure Geborgenheitssehnsucht erzeugt. „Das Modell ,Familie‘, vor allen Dingen ,große Unterstützerfamilie‘ – also eigentlich die alte Großfamilie – ist zum Sehnsuchtsmodell geworden, weil es in solchen Krisenzeiten stützend und adaptiv wirkt. Das Single-Dasein hingegen hat enorm an Attraktivität eingebüßt.“