Sonntag, 22. September 2019 22:49 Uhr

Mit Jon Bon Jovi auf Kreuzfahrt: Unser Reisebericht

Jon Bon Jovi und ein Fan. Foto: Will Byington

Musikkreuzfahrten mit Stars zum Anfassen gibt es mittlerweile viele. Doch noch nie stach ein Rockstar des Formats Jon Bon Jovi mit seinen Fans in See. Wenn es nach den Veranstaltern geht, ist das erst der Anfang.

klatsch-tratsch.de-Reporterin Katja Schwemmers war mit an Bord der „Norwegian Pearl“ und kann „It’s My Life“ nun sogar im Schlaf mitsingen. Hier ihr Bericht von einer nicht alltäglichen Reise.

Mit Jon Bon Jovi auf Kreuzfahrt: Unser Reisebericht

Foto: Will Byington

Es soll Leute gegeben haben, die sofort aus der Dusche sprangen, als die Lautsprecheransage in ihre Kabine dröhnte. „Jon ist jetzt auf dem Weg zum Hafen. Er wird in 20 Minuten eintreffen“, teilte die freundliche Frauenstimme darin mit. Gemeint ist Jon Bon Jovi (57), seit 36 Jahren Frontmann und Songschreiber der von ihm gegründeten Stadionrockband Bon Jovi. Nur ist das hier kein Stadion in einer Weltmetropole, sondern das Kreuzfahrtschiff „Norwegian Pearl“ im Mittelmeer, das mit 2000 Passagieren gefüllt ist, von denen die meisten seit Jahrzehnten leidenschaftliche Fans des Musikers aus New Jersey sind.

Fans im Jon-Bon-Jovi-Look

So wie der Brite Paul Pullman (52), den die Band 1984 noch vor ihrem Durchbruch mit dem zum Wasserthema passenden „Slippery­ When Wet“ betört hat. Aufgrund seiner Lookalike-Optik ist er ein beliebtes Fotomotiv an Bord: „Ich bin jetzt schon bei Bild Nummer 33“, sagt er schmunzelnd.

Mit Jon Bon Jovi auf Kreuzfahrt: Unser Reisebericht

Paul Pullmann. Foto: Schwemmers

Intimere Fan-Events, so genannte „Runaways“, veranstaltet Bon Jovi schon seit Jahren, aber der Event auf dem Meer ist neu und als einmalige Sache geplant. Als der schwarze Van auf den verwaisten Steg des Kreuzfahrtterminals in Palma de Mallorca einbiegt, sind Reling und Balkone des Schiffs von Anhängern gesäumt. Jubel brandet auf, und manche halten ihre selbstgemachten Willkommensplakate in die Höhe, als John Francis Bongiovi Jr. lässig in T-Shirt und mit Sonnenbrille auf der Nase aus der Karosse steigt und winkt.

Jon wollte wieder runter vom Schiff

„Jon ist der einzige Mensch auf der Welt, der ein Kreuzfahrtschiff wie ein ‚Uber’ benutzt“, hatte Matt Bongiovi zuvor bei einer Talkrunde im Theater des Schiffes gewitzelt. Er macht keinen Hehl daraus, dass er seinen älteren Bruder mit Engelszungen zu diesem „Runaway to Paradise“ überreden musste: „Dass Jon nach den Konzerten das Schiff wieder verlassen kann, ist unser Kompromiss“, so Bongiovi, der 25 Jahre zum Management-Team seines Bruders gehörte. In einer Blase zu existieren, sei nichts für den Sänger und Schauspieler: „Jon ist auch nicht der Typ von Künstler, der nachts an der Bar abhängt“ – weshalb auf der viertägigen Cruise nun zwei kostspielige technische Stopps eingelegt werden müssen, um den Musiker aufzulesen.

Mit Jon Bon Jovi auf Kreuzfahrt: Unser Reisebericht

Katja mit Jons Sohn Jesse und Jons Bruder Matt Bongiovi

„Das ist auch für uns das erste Mal, dass der Künstler nicht im privaten Haven-Bereich an Bord übernachtet“, berichtet Anthony Diaz vom Veranstalter Sixthman. Seit 18 Jahren schickt er Musiker auf See – getreu dem Firmenmotto „Live Loud“.

Mit Kiss & Co. geht’s weiter

130 Themen-Cruises sind bereits zustande gekommen. „Mit KISS stechen wir im Oktober zum neunten Mal in See, Kid Rock ist jetzt beim zehnten Cruise, Joe Bonamassa beim sechsten. Es läuft in den Staaten. Und wir sind verrückt genug zu glauben: Was in Miami funktioniert, kann doch auch in Barcelona klappen.“

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Sixthman-Gründer Anthony Diaz. Foto: Schwemmers

Bei der Expansion nach Europa kommt Sixthman ihre Partnerschafft mit der international operierenden Norwegian Cruise Line zu Gute. „Es gibt nicht viele Schiffe mit einem Pooldeck, das eine Festival-Bühne und 3000 Leute gleichzeitig tragen kann.“

Neben Jon Bon Jovi sorgen noch weitere Music-Acts für Unterhaltung, wie die britische Newcomer-Band Collateral, die zwischen den Konzerten gemeinsam mit Fans im Whirlpool entspannt.

Angelo Tristan von Collatoral. Foto: Schwemmers

Auch bei deutschen Reedereien werden Musik-Kreuzfahrten immer beliebter. Ob Kelly Family, David Garrett, Maite Kelly, Johannes Oerding oder die Fantastischen Vier – in den kommenden Monaten singen sie alle auf dem Meer. Mit „Stars at Sea“ hat sich gar eine Marke für derlei Event-Kreuzfahrten etabliert. Ein Unterschied zum Sixthman-Angebot: Hier bleiben Deutschsprachige meist unter sich.

Beim Jon-Bon-Jovi-Cruise sind es Menschen aus 53 Ländern, die sich über ihre Musik-Vorliebe verbinden, darunter 10 Prozent Deutsche. Rührend, wie Fans aus Brasilien, Mexiko, Südafrika, Australien, Japan, den USA und Europa an Bord zu Freunden werden. Manche feiern ihren Hochzeits- oder Geburtstag, andere wollen nur ihrem Idol so nah wie möglich kommen. „Wenn Künstler mit uns auf Cruise gehen wollen, aber die Nähe zu Fans ablehnen, dann arbeiten wir nicht mit ihnen zusammen“, betont Diaz.

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Foto: Will Byington

Jesse präsentiert das Weintesting

Jon Bon Jovi ist ein Paradebeispiel, wenn es darum geht, einen Family-Vibe herzustellen. Neben seinem Bruder ist auch sein Sohn Jesse (24) mit an Bord, der den „Hampton Water“-Rosé der Bongiovis bei einem „Winetasting“ vorstellt.

„Wenn ich in New York durch die Straßen gehe, fragt mich niemand nach einem Selfie. Es ist noch etwas merkwürdig für mich. Aber es ist Teil der Cruise“, weiß Jesse.

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Jesse Bongiovi beim Winetasting. Foto. Schwemmers

Das Hauptrestaurant der „Norwegian Pearl“ wurde kurzerhand zur „Soul Kitchen“, so wie das 2011 eröffnete Restaurant von Jon Bon Jovi in New Jersey, in denen sich Menschen in finanziellen Nöten ihr Essen verdienen können.

Jeder, der während der Cruise hier speist, spendet automatisch an die Jon Bon Jovi Soul Foundation. „Thank you for making this world a better place“, steht auf einem der vielen gelben Zettel an der Eingangstür.

Mit Jon Bon Jovi auf Kreuzfahrt: Unser Reisebericht

Foto: Schwemmers

Ob als Bild im Fahrstuhl, Pappaufsteller oder auf dem Musik-TV-Kanal in der Kabine: Jon Bon Jovi ist allgegenwärtig, selbst wenn er gerade nicht auf dem Schiff ist.

Sixthmans Liebe zum Detail drückt sich auch in Memorabilia-Schaukästen, einer Gedenkmünz-Maschine, mit dem „Runaway“-Logo bedruckten Bechern und Schokolinsen sowie exklusiven Fan-Artikeln aus, die die Gäste abends auf dem Kopfkissen ihrer Kabine vorfinden.

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Foto: Schwemmers

Zwei Shows im Schiffs-Theater

Dem Star scheint das Wohl der Gäste Herzensangelegenheit zu sein: Als sein akustisches Storytelling-Konzert aufgrund schlechtem Wetters vom Außenbereich ins intimere Theater verlegt werden muss, gibt er zwei Konzerte statt einem und beantwortet Fragen der Fans. Eine junge Frau stürmt die Bühne, um ihrem Lieblingssänger einen Kuss auf den Mund zu geben – er handhabt die Situation tapfer. Und man hat das Gefühl: Privater und authentischer kann man den Weltstar kaum kennenlernen, selbst nicht wenn man das etwa 900 Dollar teurere „Gold Package“ gebucht hat, das ein Foto mit Jon Bon Jovi vorsieht.

Nach jedem der beiden Konzertabende stehen etwa 400 Fans dafür Schlange – Mintbonbons und Spiegel werden gereicht. Nach 3 bis 10 Sekunden ist die Begegnung mit dem Idol schon wieder vorbei. Beschwerden hört man keine. Die Fans werden auf einer Woge der Euphorie getragen.

Mit Jon Bon Jovi auf Kreuzfahrt: Unser Reisebericht

Schlangestehen für ein Foto. Foto: Schwemmers

Bei seiner Open-Air-Rockshow mit der Begleitband Kings Of Suburbia bittet Jon Bon Jovi für Hits wie „It’s My Life“, das man an den vier Tagen etwa drei Dutzend Mal in allen erdenklichen (Karaoke-)Versionen hört, weibliche Fans zum Duett auf die Bühne. Für eine Umarmung der Rollstuhlfahrer nimmt er freudestrahlend ein Bad in der Menge in Kauf. Auch aus Veranstaltersicht sind damit sämtliche Erwartungen erfüllt.

Als Matt Bongiovi am letzten Abend ein Geburtstagsständchen am Pooldeck gesungen bekommt, sät er bei den Fans Hoffnung, dass der Cruise doch kein einmaliges Erlebnis bleiben wird. „Ich kann noch nichts über das Wann und Wie sagen, aber wir sind schon in Gesprächen“, offenbart er. Und wer weiß? Vielleicht bleibt Jon Bon Jovi dann die ganze Nacht.

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