KriminalitätMordprozess um getötete Polizisten: Gericht hört Zeugen

dpadpa | 27.06.2022, 08:30 Uhr
Blumen und Kerzen stehen an dem Tatort, an dem Ende Januar 2022 bei Kusel zwei Polizeibeamte bei einer Verkehrskontrolle erschossen wurden.
Blumen und Kerzen stehen an dem Tatort, an dem Ende Januar 2022 bei Kusel zwei Polizeibeamte bei einer Verkehrskontrolle erschossen wurden.

Sebastian Gollnow/dpa

Was geschah am Tatort nach dem Gewalttod einer Polizistin und ihres Kollegen bei einer Verkehrskontrolle? Das will das Gericht von Zeugen wissen. Auch Angehörige des Hauptangeklagten sind geladen.

Mit dem Vernehmen erster Zeugen beginnt am Montag (9.00 Uhr) im Mordprozess um die tödlichen Schüsse auf zwei Polizisten bei Kusel (Pfalz) die Beweisaufnahme.

Dem Landgericht Kaiserslautern zufolge sind 13 Zeugen geladen, darunter die Ehefrau und die Schwiegermutter des mutmaßlichen Schützen. Sie besitzen aber ein sogenanntes Zeugnisverweigerungsrecht und müssen nicht aussagen.

Freundin von Mittäter als Zeugin

Als Zeugen geladen sind auch Polizisten und Rettungssanitäter, die in der Tatnacht vor fünf Monaten als erste am Tatort waren. Zudem wird eine Freundin des Mannes erwartet, der mit dem mutmaßlichen Schützen in der Tatnacht illegal Wild gejagt haben soll.

Die Staatsanwaltschaft wirft einem 39 Jahre alten Mann vor, Ende Januar eine 24 Jahre alte Polizeianwärterin und einen 29 Jahre alten Polizeikommissar bei einer nächtlichen Fahrzeugkontrolle mit Gewehrschüssen getötet zu haben, um Jagdwilderei zu verdecken. Die Gewalttat sorgte bundesweit für Entsetzen. Einem 33 Jahre alten Komplizen wirft die Anklagebehörde versuchte Strafvereitelung vor. Er soll beim Verwischen von Spuren geholfen haben.

Vorwürfe zurückgewiesen

Zum Prozessauftakt in der vergangenen Woche hatte der Hauptangeklagte von seinem Verteidiger eine Erklärung verlesen lassen. Darin wies er die Mordvorwürfe zurück und gab seinem Komplizen die Schuld am Tod der Polizistin. Für sich selbst schilderte er eine Art Notwehrlage, aus der heraus er auf den Polizisten geschossen habe. Der Verteidiger des 33-Jährigen hatte die Erklärung als unzutreffend zurückgewiesen.

Bisher sind vom Landgericht mehrere weitere Termine bis zum 9. September vorgesehen. Nach Einschätzung eines Soziologen kann der Prozess das Leid der Hinterbliebenen nur wenig lindern. „Schmerz ist nicht Teil der juristischen Aufarbeitung“, sagte Thorsten Benkel der Deutschen Presse-Agentur. Auch die härteste Strafe für einen Täter könne die Trauer nicht beenden. „Einen gerechten Ausgleich für den Verlust eines Menschen gibt es nicht“, sagte Benkel, der in Passau zur Trauerkultur in Deutschland forscht. So banal es oft klinge, heile nur die Zeit die Wunden. „Irgendwann ist der Alltag wieder da.“

Mittäter nicht in Untersuchungshaft

Wenige Stunden nach Entdecken der toten Polizisten am Rande einer abgelegenen Kreisstraße waren die beiden Verdächtigen im Saarland festgenommen worden.

Der Mordvorwurf gegen den 33-Jährigen war später fallengelassen worden, er befindet sich nicht in Untersuchungshaft. Bei dem 39 Jahre alten Hauptverdächtigen kommt nach Angaben der Staatsanwaltschaft im Falle einer Verurteilung auch Unterbringung in Sicherheitsverwahrung in Betracht.