30.03.2020 11:25 Uhr

Nach Shitstorm: Adidas zahlt privaten Vermietern weiter Miete

Kasper Rorsted, Vorstandsvorsitzender. Foto: imago images / Sven Simon

Die Corona-Krise trifft nicht nur Kleinunternehmer, sonder auch die ganz großen Fische – wie Weltkonzern Adidas. Der kündigte an, trotz 22 Milliarden Euro Jahresumsatz, ab April keine Miete mehr für seine Läden zu zahlen. Statt Verständnis hagelte es einen amtlichen Shitstorm von allen Seiten.

Andere Großkonzerne ziehen nach

Die Argumentation des Sporthersteller-Riesen: Die erzwungenen Shop-Schließungen wegen der Corona-Epidemie sorgen für Umsatzeinbußen, die das Unternehmen irgendwie kompensieren muss. Und zum Glück gibt es ja seit Mittwoch ein Gesetz, nach dem Vermieter ihren Mietern trotz ausbleibender Miete nicht kündigen dürfen. Zumindest, wenn die Mieter nachweisen können, dass „die Nichtleistung auf den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie“ beruhe. Nicht nur für Global Player Adidas ein gefundenes Fressen – diverse andere Großkonzerne zogen nach. So kündigten MediaMarktSaturn, H&M, C&A, KiK, Takko und auch Schuh-Riese Deichmann an, die Miet-Überweisungen für die geschlossenen Geschäfte einzustellen.

„Geiz statt Sportsgeist“

Die Öffentlichkeit hat mit einer Welle der Empörung auf die angekündigten Sparmaßnahmen der Großkonzerne reagiert. Selbst von Seiten der Politik gab es deutliche Worte – vor allem für Adidas. Der Konzern offenbare „gerade Geiz statt Sportsgeist“, sagte Cem Özdemir (54, Grüne). „Man muss nicht alles ausnutzen, was geht.“ Ex-Justizministerin Katarina Barley (SPD, 51) zeigte auf Twitter ein Foto ihrer Laufschuhe, schrieb dazu: „Das hier waren waren übrigens die letzten Adidas, die wir gekauft haben.“ Es sei „schäbig“, dass ein Konzern mit Milliardengewinnen „eine Schutzvorschrift für Mieter in Existenznot“ ausnutze. Auch SPD-Mann Florian Post (38) kündigte einen Boykott der Marke an – und verbrannte passend dazu öffentlichkeitswirksam ein Polo-Shirt von Adidas.

Adidas rudert zurück

Inzwischen hat Adidas-Chef Kasper Rorsted auf den Shitstorm reagiert und ist leicht zurückgerudert: Der Vorstandschef kündigte in einem Interview mit der „FAZ“ an, zumindest Privatvermietern die Miete für April und Mai weiter zu bezahlen. Es gehe aber grundsätzlich nicht darum, die Miete für den April nicht zu zahlen. „Es geht um eine Stundung. Wir sind dazu mit den betreffenden Vermietern in engem Austausch“, so Rorsted. Die meisten eigenen Geschäfte würden von großen Immobilienvermarktern und Versicherungsfonds angemietet. Diese hätten für den vorläufigen Mietzahlungsstopp „überwiegend Verständnis gezeigt“.

Konzern in der Krise

Er gab aber auch zu bedenken, dass Adidas zwar noch zu Beginn der Krise ein „kerngesundes Unternehmen“ gewesen sei, sich die Lage allerdings in den vergangenen drei Wochen „drastisch verändert“ habe. Man habe Kurzarbeit beantragt – und werde Kredite benötigen, um durch die Krise zu kommen. Rorsted erwartet schlimmere Folgen für das Unternehmen, als nach der Finanzkrise 2008/2009.

Modebranche leidet massiv

Und so geht es auch vielen seiner Kollegen. Die Textil- und Modebranche leidet besonders massiv unter den Auswirkungen der geschlossenen Filialen, weil sie ihre Frühjahrskollektionen nur online an die Kunden bringen können, was schon jetzt massive Umsatzeinbußen mit sich bringt. Einem Bericht des Magazins „Capital“ zufolge stellt im Moment „mindestens die Hälfte der namhaften Filialisten die Mietzahlung für April“ ein. Dauerten die Schließungen länger an, wird die Zahl sogar noch steigen.