31.12.2020 09:53 Uhr

Neue Nationalgalerie: „Mies van der Rohe in Reinform“

Der riesige Flachbau aus Stahl und gigantischen Glasfronten ist eine Ikone des Museumsbaus. Nach langen Jahren der Sanierung steht die Neue Nationalgalerie in Berlin vor ersten Ausstellungen. Auch hinter den Kulissen gibt es wichtige Änderungen.

Christophe Gateau/dpa

Der Bau gilt als Ikone und Wahrzeichen moderner Architektur. Der Architekt Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969) schuf den riesigen Flachbau aus Stahl und gigantischen Glasfronten Ende der 60er Jahre als ein Museum für die Kunst des 20. Jahrhunderts. Nach gut fünf Jahren Sanierung steht die Neue Nationalgalerie in Berlin vor der Rückkehr in den Kulturbetrieb.

„Es wird Mies van der Rohe in Reinform“, sagte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Die Nationalgalerie ist ein wunderbares Gebäude, das wir mit der Sanierung zurückgewinnen. Man sieht es jetzt schon von außen, wie sich der Glastempel erhebt.“

Es sei eine Herausforderung für Architekten heute, im Umgang mit diesem Kleinod die eigene Handschrift zurückzustellen. „David Chipperfield und sein Team schaffen es vorzüglich, nicht sich selbst, sondern sich durch Mies zu verwirklichen“, sagte Parzinger. Der britische Architekt Chipperfield, der für die Stiftung zuletzt die James-Simon-Galerie auf der Museumsinsel in Berlin realisiert hat, zeichnet verantwortlich für die rund 140 Millionen Euro teuren Arbeiten.

„Es sind aber einige, kaum sichtbare Veränderungen erfolgt, die das Haus für die heutigen Erfordernisse besser ausstattet. Das spielt sich aber im Untergeschoss und im Wesentlichen in den nicht-öffentlichen Bereichen ab“, sagte Parzinger. „Wir werden am 29. April die Schlüsselübergabe mit Tagen der Offenen Tür haben – sofern es die Pandemie-Bedingungen zulassen.“ Im August ist dann die erste Ausstellung geplant mit Arbeiten des US-amerikanischen Künstlers Alexander Calder (1898-1976).

Bis dahin wird die Nationalgalerie auch andere Leitungsstrukturen haben. „Wir haben zu viele Hierarchieebenen“, begründete Parzinger eine erste Konsequenz aus der Analyse der Stiftung und ihrer Staatlichen Museen Berlins, deren 15 Sammlungen mit 4,7 Millionen Objekten an 19 Standorten präsentiert werden. Ein Kurator habe bisher eine Museumsleitung, den Direktor der Nationalgalerie, den Generaldirektor der Staatlichen Museen „und irgendwo dann noch den Präsidenten der Stiftung“ über sich. Das sei zu viel.

In der Nationalgalerie werde es künftig je eine Direktion für das 19., 20. und 21. Jahrhundert geben. „Die entsprechenden Stellen werden international ausgeschrieben. Der Verbund der Nationalgalerie als solcher steht damit nicht in Frage, aber wir beseitigen eine Hierarchieebene und stärken die Autonomie der Häuser.“

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