20.08.2020 15:00 Uhr

Neue Netflix-Serie „Biohackers“: Das Spiel mit der DNA

Die Schauspielerinnen Luna Wedler und Jessica Schwarz tauchen in "Biohackers" in die Welt der Genmanipulation ein. Lohnt sich die neue deutsche Netflix-Serie?

Marco Nagel/Netflix

Ab 20. August 2020 entführt der Streamingdienst Netflix in den sechs Folgen der neuen deutschen Original-Serie „Biohackers“ die Zuschauer in die Welt der synthetischen Biologie. Es dreht sich alles um die DNA und vorrangig Genmanipulation. Menschen können dadurch „von Geschöpfen zu Schöpfern“ werden, so die Prämisse von Schauspielerin Jessica Schwarz (43, „Das perfekte Geheimnis“) in ihrer Rolle als Prof. Dr. Tanja Lorenz. „Wir machen Gott obsolet“, sagt sie gar zu ihren Studenten.

Achtung, die folgenden Passagen enthalten Spoiler zur neuen Serie „Biohackers“!

Darum geht es in „Biohackers“

Die Serie beginnt mit einer Zugfahrt – und mysteriösen Ohnmachtsanfällen der Passagiere. Was es damit auf sich hat, wird vorerst nicht geklärt. Denn die Zeit springt zwei Wochen zurück und Mia Akerlund (Luna Wedler) startet an der Uni Freiburg ihr Medizinstudium. Sie trifft als erstes auf ihre neuen WG-Mitbewohner: Partygirl Lotta (Caro Cult), Botanik-Freak Chen-Lu (Jing Xiang) und Bodyhacker Ole (Sebastian Jakob Doppelbauer).

Einen ihrer Kurse leitet Prof. Dr. Tanja Lorenz (Jessica Schwarz), Star-Dozentin der Uni und renommierte Wissenschaftlerin, die mit ihrem privatwirtschaftlichen Exzellenz-Zentrum Forschungsprojekte im Feld der synthetischen Biologie fördert und sich gleichzeitig dafür einsetzt, die EU-Gesetzgebung in diesem Bereich zu liberalisieren.

Mia verfolgt einen Plan: Sie will das Vertrauen ihrer Dozentin gewinnen und Hiwi bei ihr werden, um Antworten und Beweise zu bekommen. Studentin und Dozentin verbindet ein düsteres Geheimnis aus der Vergangenheit – wovon Tanja Lorenz aber nichts ahnt. Über den Biologiestudenten Jasper (Adrian Julius Tillmann), für den Mia Gefühle entwickelt, kommt sie schließlich noch näher an Tanja Lorenz heran. Verbissen riskiert Mia mehr als einmal Kopf und Kragen. Dabei fördert sie brisante Informationen ans Tageslicht.

Wenn diese an die Öffentlichkeit gelangen, droht mehr als eine Person Schaden zu nehmen. Auch Jasper hütet (mehr als) ein Geheimnis. Wird Mia ihren Plan dennoch durchziehen? Wird sie von Tanja Lorenz die entscheidenden Antworten bekommen? Und hat Mia womöglich Gefühle für Jaspers Mitbewohner Niklas (Thomas Prenn)? Gemeinsam mit ihm landet sie im Zugchaos der Anfangssituation. Am Ende ist nichts so, wie es zu sein scheint.

Was erwartet den Zuschauer in „Biohackers“?

„Biohackers“ ist eine spannende Serie, mit einem hochaktuellen Thema, aber ein paar Schwächen in der Umsetzung. Die sechs kurzweiligen Episoden rangieren jeweils um die 40 bis 45 Minuten, die innerhalb von zwei Wochen spielen. Das gibt ein rasantes Tempo für den Plot vor. Denn alles geht ziemlich schnell – manchmal zu schnell. Da bleibt die Figurenentwicklung auf der Strecke, was beim gelungen gecasteten Schauspielensemble schade ist. Außerdem wird dermaßen selbstverständlich mit Fachjargon um sich geschmissen, dass man als Laie dem nicht immer folgen kann.

Ideengeber und Regisseur Christian Ditter (geb. 1977, „How to Be Single“) bedient sich zudem an Klischees für seine Figuren. Jessica Schwarz spielt die eiskalte, karriereorientierte Forscherin auf den Punkt genau, doch ihr wird jeglicher Tiefgang verwehrt. Eine Frau, die Karriere macht – da sind natürlich eine glückliche Partnerschaft, ein glückliches Familienleben oder auch nur Freunde ausgeschlossen. Oder steckt noch etwas anderes dahinter?

Luna Wedler, die als „Das schönste Mädchen der Welt“ (2017) ihren Durchbruch hatte, schafft es als undurchsichtige Mia in Rekordzeit alle für sich einzunehmen – etwas zu einfach? Ihre WG mit den schrägen Typen ist hingegen deutlich überzeichnet. Eine Schnellrednerin ohne Punkt und Komma, die selbst Pflanzen anbaut, eine Partymaus, die gerne halbnackt herumläuft und stets Sex im Hinterkopf hat sowie ein Nerd, der immerzu seine skurrilen Erfindungen präsentiert und auch an sich selbst experimentiert. Klassischer könnte ein „Comic Relief“ nicht sein. Die Lacher sind aber garantiert.

Hinzukommen zwei gutaussehende Typen, die ebenso charmant wie mysteriös sind. Thomas Prenn alias Niklas wird jedoch etwas zu rasant von der anfänglichen Randerscheinung zum wichtigen Verbündeten. Seine Motive liegen aber völlig im Dunkeln. Nicht zu vergessen Benno Fürmann (48, „Babylon Berlin“) – dessen Kurzauftritt als Wissenschaftsjournalist Andreas Winter bereits erahnen lässt, dass er noch einmal in Erscheinung treten könnte.

Ist eine zweite Staffel möglich?

Die Serie will an so mancher Stelle zu viel. Weniger ist bekanntlich manchmal mehr. Die Selbstverständlichkeit, mit der sich Erstsemester-Studentin Mia in der Thematik der Genmanipulation bewegt, kommt etwas unrealistisch daher. Die ein oder andere Erklärung von Begriffen, mit der man den Zuschauer an der Hand nimmt, hätte nicht geschadet. Nicht jeder ist mit DNA und Co. vertraut.

„Biohackers“ endet mit einem riesigen Cliffhanger, der geradezu nach einer Fortsetzung schreit. Lust auf mehr hat man als Zuschauer, zu viele Fragen sind offen, zu viel Potential wurde noch nicht ausgeschöpft. Die DNA wirkt unvollständig – eine genauere Forschung würde aber nicht schaden.

(cam/spot)

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