Nina Queer spricht nach dem Dschungelshow-Aus: Das Interview

Nina Queer nach dem Dschungelshow-Aus: Das Interview
Nina Queer nach dem Dschungelshow-Aus: Das Interview

© Magnus Vortmeyer

13.01.2021 10:58 Uhr

Es ist das Thema des Tages: Die Berliner Frauspielerin Nina Queer fliegt aus der RTL-Dschungelshow, bevor die überhaupt angefangen hat. Die Vorwürfe: Sie sei Rassistin. Im Interview stellt sie sich drängenden Fragen.

Entertainerin Désirée Gerda Saskia Pamela Amneris Aida Nick hat am Wochenende eine Anklage gegen ihre einstige Freundin Nina Queer gebastelt und diese auf ihren Social-Media-Kanälen gepostet. Die Vorwürfe sind teils vier bzw. über ein Jahr alt, RTL reagierte umgehend auf eine entsprechend formulierte Nicksche Frage und ersetzte Nina Queer flugs durch Reality-Darsteller Sam Dylan aus dem herangezüchteten hauseigenen Pool der unzähligen Ich-Darsteller.

Nick, die unter dem Deckmäntelchen „Debattenkultur“ andere öffentlich als „Kackbratze“, „hirnlosen Honk“, „Schuhcremeschwuppe“ oder „billiges Flittchen, das sich erst zur Schlampe hocharbeiten müsse“ beschimpfte, bejubelte anschließend, nach dem das RTL-Fallbeil herabgerauscht war, im Netz ihren Rache-Blitzkrieg mit den Worten: „Don‘t mess with Desi! RTL hat vorbildlich gehandelt“.

klatsch-tratsch.de hatte ein paar Fragen an die Angeklagte (und einige an die Anklägerin. Aber das ist eine weitere Geschichte).

Nina Queer nach dem Dschungelshow-Aus: Das Interview

Freundinnen. © imago images / eventfoto54

Nina, wie haben Sie am Montag von ihrem Rausschmiss erfahren aus einer Show, die noch gar nicht begonnen hat?

Meine Agentin wurde von RTL telefonisch informiert.

Was sind die Vorwürfe?

Dass ich mich rassistisch und sexistisch geäußert hätte und mich als „Hitler-Transe“ bezeichnet hätte – was nicht stimmt. Die Aussage ist hart, aber klar satirisch.

Désirée Nick hat Sie am Wochenende mit einer Collage und einem Wutpost angegriffen. In der Folge hat RTL sie aus dem Cast genommen. Sind Sie denunziert worden?

Ich kann mich schwer in die Motivation dahinter hineinversetzen. Ich bin kein böser Mensch. Fakt ist, Désirée hat diese Collage erstellt. Sie besteht aus einem altem Gag über Roberto Blanco. Der ging zu weit, dafür habe ich mich schon vor längerer Zeit entschuldigt. Beim Vorwurf, mich eine Rassistin zu nennen, ging es wohl um ein Interview im „Tagesspiegel“, meine Reaktion auf einen gewalttätigen homophoben Angriff vor einigen Jahren in Berlin. Ich habe mich für die emotionale Wortwahl, die ich kurz nach diesem schrecklichen Verbrechen benutzt habe, übrigens auch entschuldigt. Habe im Interview aber auch klar gemacht, dass ich solche Angriffe auf die queere Community nie akzeptieren werde.

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© DesireeNick/Instagram

Désirée Nick feiert ihren Rauswurf auf ihren Social-Media-Seiten. Wie finden Sie das?

Furchtbar. Aber nicht nur für mich, sondern auch für Désirée. Sie meint, dass Sie einfach nur ihre Rache feiert. In Wahrheit zeigt sie sich als hasserfüllte Denunziantin, die alles und jeden, der sich in ihren Weg stellt vernichtet. Da werden sich einige – Fans, Freunde und Geschäftspartner denken: Hey was macht die mit mir, wenn ich ihr mal dumm komme? Sie macht nämlich vor allen ihren Fans, Freunden und Geschäftspartnern Angst vor ihr.

Sie waren 17 Jahre Freundinnen, scheinbar unzertrennlich. Wie erklären sie sich das plötzliche Verhalten mit einer eigentlich alten Geschichte, für die sie sich längst entschuldigt haben?

Das müsste man jetzt Désirée fragen. Wenn ich eine Rassistin und Sexistin bin – warum war sie so lange mit mir befreundet? Denn man kann Désirée ja nicht vorwerfen, sie wäre nicht intelligent – oder hätte eine schlechte Menschenkenntnis. Und daran merkt doch jeder, hier geht es um Rache. In dem Interview hätte auch „Stalin-Transe“ stehen können. Oder „Kim-Jong-un-Transe“. Es geht Désirée nicht um Rassismus. Oder um Hitler. Es geht ihr darum mir eins auszuwischen.

Nick triumphiert auf ihren Social-Media-Seiten, enttarnt sich allerdings mit der Bemerkung „Leg Dich nicht mit Desi an!“ als Anstifterin der Aktion.

Ja. Das ist Rache. Ich habe ihr im November 2020 die Freundschaft gekündigt. Und da bin ich nicht zimperlich mit ihr umgegangen – da muss man ehrlich sein. Die Methodik die sie hier anwendet, ist am Ende allerdings für sie gefährlich. Wenn sich nämlich die Leute, von denen sie sich jetzt feiern lässt, mal ihre alten Bühnenprogramme und Interviews vornehmen, dann wird es Désirée deutlich schlimmer als für mich jetzt. Und bei allem was zwischen uns war – ich wünsche ihr das nicht.

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© Reitzenstein Management

Bei Facebook fragt eine Userin Nick: „Hättest du das auch gemacht, wenn die Freundschaft nicht zerbrochen wäre ?!? Finde die Aktion dezent übertrieben.“

Ich glaube, da kann man jeden Grundschüler fragen. Natürlich wäre es dann anders gewesen.

Nick setzt Sie mit politisch äußerst umstrittenen Persönlichkeiten wie Naidoo, Wendler und Hildmann gleich. Sie schrieb in ihrem nicht fehlerfreien Wut-Post: „Ganz frei nach dem Motto alle guten Dinge sind drei, holt sich @rtl.tv nach Aluhut-Xavier, dem Holocaust-Verharmloser Michael Wendler nun Sex- und Rassistin Nina Queer ins Haus. Wer bekommt als nächstes eure Plattform @rtl.de? Gibt es bald eine Attila Hildmann Koch-Show?“

Nun, RTL hat jedes Recht sich von Naidoo und Hildmann zu distanzieren. Von Michael Wendler ebenso. Und bei mir – ich glaube jeder der die Vorwürfe gegen mich liest und mal kurz nachdenkt, der kommt zu dem Schluss, dass ich in diese Liga reingerutscht bin, aber das ich ganz sicher nicht in diese Kategorie gehöre! Allerdings, dadurch das die Lügen über mich ja jetzt schon seit langem verbreitet werden, nicht nur von Désirée, muss ich mich jetzt umfassend dagegen wehren. Es werden jetzt viele Post von meinem Anwalt bekommen – und dann sollen Sie mal beweisen, dass ich eine Rassistin oder Sexistin bin! Ich habe früher immer gesagt, komm, jetzt sei nicht wie der Mann am Fenster, der Falschparker aufschreibt. Sei nicht kleinlich. Aber durch Désirée hat der Schmutz, den eine kleine Gruppe in Berlin schon seit Jahren über mir auskübelt eine andere Dimension bekommen. Das hier grenzt an Rufmord. Und das wird jetzt und hier beendet – und zwar von mir.

Beim Christopher Street Day 2017 in Berlin zum Beispiel haben Sie unter dem Motto „Mehr von uns – jede Stimme gegen rechts“ mitgemacht. Warum?

Weil ich voll und ganz gegen rechts bin. Ich habe übrigens bei hunderten Aktionen dieser Art mitgemacht und mehrmals vor Wahlen aufgerufen, nicht die AfD oder rechte Parteien zu wählen! Das wird aber von meinen Kritikern zu gerne übersehen.

Désirée Nick sorgte 2006 ihrerseits mit einer Äußerung für Empörung. Sie beurteilte in einem Interview Barbara Becker als Schauspielerin im Theaterstück „Jedermann“ im Berliner Dom so: „Wenn ich schwarz wäre, würde ich mich nicht auf dem Plakat heller retuschieren lassen“, hatte sie erklärt. „Also, wenn ich Babs Becker wäre, würde ich mich als Buhlschaft pechschwarz anmalen und mit Nasen-Ringen und bemalten Brüsten auftreten. Das wäre doch lustig.“

Ja… Sehen Sie, ich habe mich für Sprüche die daneben gegangen sind, entschuldigt. Ob nun auf der Bühne oder in Interviews. Désirée hat sich für die Aussage meines Wissen nicht entschuldigt. Jetzt kann sich jeder entscheiden, für wen von uns beiden das spricht.

Anke Engelke sieht aus heutiger Sicht einige ihren alten rassistische Ladykracher-Sketche äußerst kritisch. Nach der Nickschen Logik dürfte Komikerin ja dann heute trotzdem auch nicht mehr auftreten, wenn man ihre alten Sachen hervorkramen würde.

Das ist eine große gesellschaftliche Debatte. Darüber könnten wir stundenlang diskutieren. Was kann man sagen? Was darf man sagen? Was soll man sagen. Ich bin im Rahmen von Satire und Comedy dafür, sprachlich an die Grenze zu gehen. Ich glaube, das Wegstreichen aller möglichen Äußerungen – diese Cancel Culture – wird am Ende zu nix gutem führen.

Ein User postet auf der Nick-Facebook-Seite: „Wer nicht spurt, wird gedisst, wenn es deiner guten Presse dient, wird gedisst, wer deine Felgen nicht leckt, wird gedisst, wer mit dir nicht mehr befreundet oder verheiratet ist, dem pisst du ans Bein? Du bist ja hoch gefährlich! Du weißt auch nicht, wo die Grenzen sind! Du hast eine große schwule Fanbase, ohne die würdest du wahrscheinlich nur noch auf Clubschiffen auftreten.“

In diesen für mich nicht einfachen Tagen freue ich mich darüber, dass es so viele kluge Menschen im Internet gibt. Dass sich eben nicht jeder ein X für ein U vormachen lässt. Und genau für diese Leute werde ich weiter Comedy, Fernsehen und Partys machen. Das war es noch lange nicht. Diese Zitrone hat noch viel Saft.

In eigener Sache

Klatsch-tratsch.de liebt Vielfalt in allen Facetten. Daher ist uns Diskriminierung in keinster Form willkommen – und wir gehen mit allen Mitteln gegen Hass und die Verbreitung von Vorurteilen und Rassismus vor. Wir haben uns dazu entschieden, dass Interview mit Nina Queer zu veröffentlichen, um ihr die Chance einer Stellungnahme zu geben. Denn auch Hate- und Cancel-Culture sowie mediale Rachefeldzüge werden von uns nicht aktiv unterstützt.