11.08.2020 13:18 Uhr

Nina Ruge spricht erstmals über ihr Kindheits-Trauma

Nina Ruge gehört zu den bekanntesten deutschen Promis. Sie hat mit zahlreichen Moderationen, Büchern und mit ihrem sozialen Engagement von sich reden gemacht. Eine starke Frau. Als Kind hat sich die gebürtige Münchnerin allerdings noch nicht so viel zugetraut.

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„Ich war ein so anderes Wesen als heute“, sagt Nina Ruge im Interview mit der Zeitschrift „Psychologie bringt dich weiter“. „Sehr schüchtern und ängstlich war ich. Extrem anhänglich, schmusebedürftig, verletzlich, sensibel. Mein Vater nannte mich ‚die Prinzessin neben der Erbse‘. Ich spürte sie schon, wenn ich daneben saß.“

„Ich spürte, dass da etwas sehr Bedrohliches war“

Wenn die heute 63-Jährige an ihre Kindheit denkt, sind die heraufbeschworenen Emotionen ambivalent: „Ich fühle Sicherheit (in der Familie), ich fühle Enge (der 60er-Jahre), ich fühle Glück (weiß-blauer Himmel Bayerns und gute Freunde), ich fühle Verlorenheit (Liebe war eine Währung, die oft an Bedingungen geknüpft war).“

Nina Ruge hatte keinen leichten Start ins Leben. Die Krebserkrankung ihrer Mutter, die während der Schwangerschaft diagnostiziert wurde, hatte Auswirkungen auf die Beziehung: „Meine Mutter wollte meine Schwester und mich schützen, indem sie nicht von ihrer Erkrankung erzählte. Ich spürte, dass da etwas sehr Bedrohliches war, wusste es aber nicht einzugrenzen, das verunsicherte mich sehr.“

Nina Ruge spricht erstmals über ihr Kindheits-Trauma

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„Wir waren uns durchaus nah – aber niemals vertraut“

Nina Ruge beschreibt ihre Mutter als „eine sehr moderne Frau“, die sich ihr Medizinstudium gegen alle Widerstände auf eigene Kosten ermöglichte – „und dann mit zwei Kindern zu Hause blieb, worunter sie litt“, sagt die Journalistin. „Meine Mutter war eine Frau mit großer Kraft und starken Prinzipien, zugleich verschlossen. Das war typisch für die Zeit, denke ich. So waren wir uns durchaus nah – aber niemals vertraut, leider.“

Auch ihr Vater blieb immer etwas auf Distanz. Jürgen Ruge trug eine schwere Last mit sich, die er mit seinen Kindern erst spät teilte: Als Halbjude war er während des Holocausts interniert. „Mein Vater erzählte uns von seinen brutalen Erfahrungen, als ich mitten in meiner ultralinken Phase war und die ‚Zionisten‘ wüst beschimpfte.“

„Mein Vater wollte die Vergangenheit abschütteln“

Und weiter: „Das ließ meine politische Engstirnigkeit durchaus bröckeln. Mein Vater wollte die Vergangenheit abschütteln, vergessen. Ich konnte das nachvollziehen, verstand aber erst sehr viel später, dass er damit auch jede Menge Emotionen abschütteln musste. Auch positive, warme, liebevolle.“

Im Gespräch mit „Psychologie bringt dich weiter“ erzählt Nina Ruge aber auch von ihrer schönsten Kindheitserinnerung – und was die mit ihrem Leben zu tun hat: „Wenn mein Vater ‚Flieg, Nina, flieg!‘ mit mir spielte. Er hielt mich an einem Arm und Bein und wirbelte mich um sich in der Luft herum. Sicherheit und Freiheit: Das ist die Dualität, für die ich bis heute lebe.“

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