No Angels: Die Band ist ihre „Seelenfamilie“

Nadja Benaissa, Lucy Diakovska, Sandy Mölling und Jessica Wahls sehen sich als mehr als nur die No Angels. Sie sind eine "Seelenfamilie". (jru/spot)
Nadja Benaissa, Lucy Diakovska, Sandy Mölling und Jessica Wahls sehen sich als mehr als nur die No Angels. Sie sind eine "Seelenfamilie". (jru/spot)

BMG/Ben Wolf

02.06.2021 12:37 Uhr

Die No Angels feiern in diesem Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum und warten dafür sogar mit einem neuen Album und einem Live-Konzert auf. Was das für die Musikerinnen bedeutet, verraten sie im Interview.

Die No Angels haben aufregende Tage hinter, aber auch noch vor sich. Nach elf Jahren musikalischer Pause meldeten sich Lucy Diakovska (45), Nadja Benaissa (39), Jessica Wahls (44) und Sandy Mölling (40) im Februar dieses Jahres in Viererformation zurück. Zum 20-jährigen Jubiläum der Band nahmen die Musikerinnen noch einmal ein Album auf und werden am 18. Juni 2022 sogar erneut ein großes Live-Konzert in Berlin spielen. Der Vorverkauf dazu startet bereits am Mittwoch (2. Juni). Was das den Sängerinnen bedeutet und warum sie Seelenverwandte sind, erklärten Lucy und Jessica im Interview mit spot on news.

Als Sie Ihr Comeback bekanntgegeben haben und erste Auftritte für Sie anstanden, waren Sie laut eigenen Aussagen „tierisch aufgeregt und ängstlich. Wie ist die Gefühlslage mittlerweile?

Jessica Wahls: Das war anfangs alles sehr aufregend. Wir hatten zwar davor schon miteinander telefoniert, aber alle vier haben wir uns gut zehn Jahre nicht mehr gesehen. Das erste Aufeinandertreffen war vor den Kameras und es wurde penibel darauf geachtet, dass wir uns vorher nicht zu sehen bekommen. Ich war richtig nervös. Mein Magen hat rebelliert und ich konnte die Nacht davor nicht richtig schlafen. Und so ging es eigentlich weiter. Wir hatten danach Tanztraining, eine große Show stand an und unser Videodreh – das hatten wir alles seit elf Jahren nicht mehr. Das war mir alles fast zu viel.

Sie widmen Ihr Comeback Ihren Fans – was für einen Einfluss hatten diese auf Ihre Karriere?

Lucy Diakovska: Eigentlich haben wir ihnen fast alles zu verdanken. Ohne die Menschen, die uns zu den Erfolgen verholfen haben und ohne diese Erfolge, hätte es die Band nicht gegeben. Zumindest nicht so lange… Aber: Erfolg kommt nicht von alleine – man arbeitet schließlich viel dafür: Die Studioarbeit, das Tanztraining, man hält sich fit.

Reisen können schnell zu Strapazen werden. Anfangs denkt man, die Arbeit einer Künstlerin findet auf der Bühne oder im Tonstudio statt. Aber so ist es nicht. Das sind vielleicht 20 Prozent. Der Rest ist Fotoshooting, Styling, das Flugzeug, Interviews, TV-Shows. Unsere Karriere verdanken wir so viel mehr Menschen als nur den Hardcore-Fans.

Und welche persönliche Bedeutung hat das Comeback für Sie?

Diakovska: Wir machen das alles auch für uns, weil uns dieses Jubiläum so unglaublich wichtig ist. Wir möchten noch einmal zelebrieren, was für einen Weg wir gegangen sind, wie viel wir geschafft haben und wie viel Hindernisse wir überwunden haben.

Frau Diakovska, Sie haben in einem Interview gesagt, dass sich die Band – besonders nach dem Tod Ihrer Mutter – mehr nach Familie anfühlt, als Sie je gedacht hätten. Woran liegt das?

Diakovska: Es gab immer ein Loch in mir, das voller Sehnsucht war. Die Band hat mich, wie meine Mutter, immer weitergebracht als alles andere im Leben. Meine Mutter war immer sehr direkt mit mir. Okay, das ist Familie. Wenn aber die Familie auch diejenigen sind, mit denen man arbeiten muss, ist es anders. Aus diesem Grund hat mir die Band gefehlt. Sie hatten immer konstruktive Kritik, die ich annehmen wollte.

Seit die Band wieder da ist, habe ich eine gewisse Ruhe in mir. Das ist schwer zu erklären. Ich bin nicht mehr so traurig, wie ich die Monate nach dem Verlust meiner Mutter war. Die Traurigkeit ist gewandelt. Ich glaube, unbewusst haben die Mädels mir davon etwas abgenommen.

Wahls: Ich finde es immer schwer zu sagen, ob wir Freundinnen oder Familie füreinander sind. Manchmal denke ich, das ist eine Seelenverwandtschaft. Die No Angels sind meine Seelenfamilie. Ich denke, dass manche Menschen in ihrem Leben miteinander verbunden sind und auch wenn wir oft weit voneinander entfernt sind, ist diese Verbundenheit immer da.

Hätten Sie damals zu „Popstars“-Zeiten gedacht, dass es Ihnen heute so ergehen würde?

Wahls: Niemals. (lacht) Ich hätte aber auch bis letztes Jahr nicht gedacht, dass wir nochmal ein Album zusammen aufnehmen. Ich kann das immer noch gar nicht alles glauben.

Wie war es für Sie, ausgerechnet in Zeiten der Corona-Pandemie ein Comeback zu starten?

Wahls: Auf der einen Seite war es schwierig, weil man wenig planen kann. Auf der anderen Seite wissen wir unsere privilegierte Stellung sehr zu schätzen. Nicht jeder kann das gerade machen. Aber ein Jubiläum kann man auch nicht schieben. Wir sind sehr dankbar und freuen uns, das bald mit den Fans zusammen von Angesicht zu Angesicht feiern zu können.

Diakovska: Wir haben gemerkt, dass wir in dieser Zeit eine Art Hoffnungsträger sein konnten. Das waren die No Angels schon immer. Wir standen schon immer für das Licht und die positive Veränderung. Es war uns wichtig, ein Zeichen zu setzen: Irgendwie wird es schon weitergehen. Wir hoffen, dass das in letzter Zeit einige Menschen beflügelt und ihnen Hoffnung geschenkt hat.