08.08.2020 18:00 Uhr

North Sentinel Island: Hier lebt das abgeschiedenste Volk der Welt

Sie leben auf einer 60 Quadratkilometer großen Insel im Indischen Ozean und haben bisher jedwede Kontaktaufnahme seitens der Außenwelt mit Pfeilen abgewehrt: Das Volk der Sentinelesen will unter sich bleiben - mit allen Mitteln.

vivaswa/ Shutterstock.com

Die indische Regierung hat eine Kontaktaufnahme schon lange aufgegeben. Zu ausdauernd und heftig hatte sich das indigene Volk der Sentinelesen gegen ein Eindringen von außen gewehrt. Seit des Tods eines Missionars im Jahr 2018 ist endgültig klar: Dieser Stamm möchte nichts mit anderen Menschen zu tun haben.

Man suchte Kontakt zum „Urvolk“

Den meisten dürfte bei dem Begriff „unkontaktiertes Volk“ Schlagworte wie Südamerika, Amazonas und Dschungel in den Sinn kommen. Von North Sentinel Island, den Adamanen und Sentinelesen haben wohl die wenigsten schon mal gehört.

Seit über 50.000 Jahren sollen die Sentinelesen auf North Sentinel Island, einer Insel der Andamanen im Golf von Bengalen, leben. Viel weiß man nicht über sie, nicht einmal wie viele es überhaupt sind. Man geht von 50 bis 200 Personen aus, die in kleinen Gruppen leben. In der Vergangenheit gab es ein paar Versuche, Kontakt mit dem „Urwolk“ aufzunehmen, diese waren aber nicht von Erfolg gekrönt.

Im 19. Jahrhundert hatte man ein Paar mit vier Kindern von der Insel entführt, um das Volk zu erforschen sowie nach und nach zu „zivilisieren“. Ähnlich dem Coronavirus heute, hatten die Entführten den Viren ihrer Außenwelt nichts entgegenzusetzen: Die Eltern und Kindern erkrankten, der Frau und der Mann starben. Die Kinder wurden zurück auf die Insel geschickt. Bis heute ist unklar, ob sie damit Krankheiten unter ihr Volk brachten.

Ein Missionar scheiterte

Mit Kokosnüssen und anderen Geschenken versuchte ein Filmteam sich 1974 der Insel zu nähern. Für die Dokumentation „Man in Search of Man“ wollte die Crew Aufnahmen der Sentinelesen und ihrer Lebensweise erhaschen. Nach 1974 entstanden einige Film- und Fotoaufnahmen bei späteren Expeditionen der indischen Regierung. Stets wurden die „Besucher“ mit Pfeilen und lautem Geschrei verjagt. Seit 1996 gilt die Insel als „Reserviertes Stammesgebiet“, was auch dem Schutz der Sentinelesen dienen soll, da sie nach wie vor nicht gegen unsere Krankheiten immun sind.

Trotz des Verbots der Kontaktaufnahme versuchte der US-Amerikaner John Allen Chau 2018 auf die Insel zu gelangen. Er wollte die Einheimischen missionieren. Nachdem ihn zwei Fischer zur Insel gebracht und ihn dort auf eigenen Wunsch zurückgelassen hatten, sah man seine Leiche wenige Tage später am Strand, geborgen wurde sie nie.

(kms/spot)

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