Nura über „Sing meinen Song“, Stripclubs und Helden der Jugend

Nura über "Sing meinen Song", Stripclubs und Helden der Jugend
Nura über "Sing meinen Song", Stripclubs und Helden der Jugend

Foto: TVNOW / Markus Hertrich

08.04.2021 20:45 Uhr

Am 20. April geht bei Vox die neue „Sing meinen Song - Das Tauschkonzert“-Staffel los und die Gästeliste verspricht, alle da gewesenen Jahre in den Schatten zu stellen.

Popsänger Johannes Oerding lädt zum „Tauschkonzert“. Nach seiner ersten Teilnahme führt er nun als neuer Gastgeber durch die Sendung. Eine seiner Gäst*innen ist Rapperin Nura, die in der neuen „Sing meinen Song„-Staffel für jede Menge Gefühl, Action und Lacher sorgen wird. Der ehemalige SXTN-Star sprach mit Klatsch-tratsch.de über Helden der Jugend, Stripclubs und warum bei „Sing meinen Song“ eigentlich immer so viel geweint wird.

Wie oft in der Sendung hört man dein legendäres “Allo Leute”?
“Allo Leute!” gar nicht, aber dafür „Whats poppin, Bitches!?“ Ich würde mal sagen: I came, I influenced. (lacht) Sogar DJ Bobo kam eines Morgens zum Frühstückstisch und meinte „Whats poppin, Bitches!?“ Aber andersrum genauso. Wir haben dann auch irgendwann angefangen Wörter zu übernehmen, die Gentleman immer gesagt hat. Beispielsweise wenn ihm jemand eine Cola mitgebracht hat, hat er immer gesagt: „Give thumbs!“ Mittlerweile sage ich das auch immer – ganz egal, wo ich bin. Es war dann superlustig, wenn dann plötzlich auch ein Joris „Give thumbs!“ gesagt hat. Jeder hat wirklich von jedem etwas übernommen und das war cool.

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Was war dein erster Eindruck von den anderen Kandidaten?
Ich mag es nicht, in Schubladen zu denken, aber das habe ich, um ehrlich zu sein, auch gemacht. Ich muss aber sagen, ich war voll positiv überrascht, dass wir alle so gleich sind. Das war so schön zu sehen, wie Künstler aus unterschiedlichen Musikrichtungen so drauf sind. Und da konnte man tatsächlich keine Schubladen aufmachen, weil wir alle gleich waren.

Vielleicht ist der eine etwas ruhiger als der andere, aber im Endeffekt waren beispielsweise Gentleman und ich genau auf einem Level: Vom Party-Mode über den Moment, in dem wir einen geraucht haben bis hin zum Humor. Ich hatte wirklich von jedem eine Eigenschaft, bei der ich mir gedacht habe, krass wie viel wir gemeinsam haben. Ich musste mich überhaupt nicht verstellen und das war meine größte Angst, dass ich das vielleicht muss, mich ein bisschen zurücknehmen muss. Dass ich meine Sprache ändern muss. Ich kann halt nicht morgens in einen Raum kommen und nicht „Whats poppin, Bitches!?“ sagen. (lacht)

Foto: TVNOW / Markus Hertrich

Wegen Corona konntet ihr ja nicht wie sonst die Sendung in Südafrika drehen …
Nein, aber wir waren im Südafrika Deutschlands: der Ostsee! Ich fand es da megaidyllisch und habe es auch als eine Art Statement gesehen: Es ist Corona-Zeit und ihr müsst nicht irgendwohin fliegen, sondern ihr könnt auch hier ganz normal eine Sendung drehen und einen gewissen Vibe haben. Egal, wo wir die Sendung gedreht hätten, die wäre megakrass geworden. Alleine schon weil die Auswahl der Menschen richtig top war. Es war wie eine große Klassenfahrt und die macht man ja auch immer an die Ostsee. (lacht)

Wer hat dich am meisten überrascht?
Das kann man gar nicht so sagen. Mich haben viele verschiedene Dinge geflasht. Beispielsweise ein DJ Bobo, der so ruhig und entspannt am Frühstückstisch sitzen kann, seinen Cappuccino schlürft, während wir ihm wie so Kinder 1000 Fragen stellen. Alle waren voll aufgeregt und er erzählt so einfach, wie ihn Tina Turner zur Hochzeit eingeladen hat oder er Vorgruppe von Michael Jackson war oder die Backstreet Boys und N’Sync bei ihm Vorgruppen waren. Für mich als 90’s Kid sind diese Sachen gleich doppelt krass.

Cool bei DJ Bobo fand ich, dass er erzählt hat, dass Michael Jackson sein Vorbild war und ihn zum Tanzen animiert hat. Er hat früher gebreakdanced, hat Graffiti gesprüht und war DJ. Er erzählt das genauso bescheiden, wie wenn mir das jemand vor Corona in einem Club erzählt hätte. Er ist auch HipHop – vielleicht auf eine andere Art, aber damals war das sowieso etwas anders. Diese Parallele habe ich mit DJ Bobo.

Foto: TVNOW / Markus Hertrich

Welches Cover hat dir am meisten bedeutet?
Das ist schwer zu sagen. Oft war es schon so, dass der Song von mir im Original schon sehr emotional war. Ihn dann so von jemand anderem zu hören, war dann oft doppelt emotional. Ich war sehr beeindruck, wie gut die Cover umgesetzt wurden und welche Songs die Jeweiligen von den 25 Songs ausgewählt haben, die ich eingereicht habe. Es war heftig zu sehen, wer welchen Song gewählt hat, ohne mich vorher zu kennen. Man hat quasi erst den Song gewählt und sich dann erst kennengelernt. Dadurch nehme ich mir das noch mehr zu Herzen. Ich dachte mir: Krass, du hast dir so viel Mühe gegeben und die kleinsten Details gemerkt. So wie ich den anderen Künstlern eine Freude machen wollte, haben die mir eine gemacht. Jeder Song war ein Geschenk.

Viele sagen ja; Bei “Sing meinen Song” wird nur gesungen und geweint. Bist du selbst nah am Wasser gebaut?
Oh, mein Gott! Das habe ich mir bei der Sendung auch immer gedacht. (Lacht) Ich habe mich früher echt gefragt, ob die mehr Geld bekommen, wenn die losheulen. Dann war ich aber selbst da und habe geheult. Ich bin aber auch insgesamt nah am Wasser gebaut und weine sogar, wenn ich Nachrichten sehe, die mir nicht gefallen und mich fertigmachen. Aber auch bei traurigen Filmen oder emotionalen Sachen, aber bei „Sing meinen Song“ wurde geheult, weil das sehr krasse Themen waren. Auch Themen, die mich als schwarze Frau in Deutschland betreffen etc. Natürlich wird man da emotional, weil das für einen krass ist und man redet darüber und die Leute hören dir wirklich zu und das wünscht man sich einfach.

In deiner neuen Single “Lola” setzt du dich für die Rechte von Sexworkern ein. Wie kam es dazu?
Ich habe den Song für eine Freundin geschrieben, die noch bis vor Corona gestrippt hat. Wir saßen zusammen und sie hat mir erzählt, wie sehr sie es vermisst, im Stripclub zu tanzen: Das Arbeiten und das Bewundert werden. Wir haben dann sehr lange geredet und ich habe ihr erzählt, dass ich von der Szene vermutlich den Eindruck habe, den wohl die meisten haben: Krasse Schattenseiten und Frauen, die gezwungen werden mit Zwangsprostitution bis zum geht nicht mehr.

Deshalb war es für mich krass auch mal eine andere Perspektive zu hören. Sie hat mir dann mehr davon erzählt, nachdem ich ihr gesagt habe, dass ich ihr gerne den Song widmen möchte. Sie hat sich riesig gefreut und mir Nachrichten geschrieben und anhand dieser Nachrichten habe ich dann den Song geschrieben. Sie hat mir einfach beschrieben, was sie so im Club gemacht hat und wie so ihr typischer Abend ablief, als sie noch im Club gearbeitet hat. Mir war es einfach wichtig, die Leute mal aufzuklären und das Thema in die Gesellschaft zu holen. Das muss gar nicht generell so kriminalisiert werden. Ich wollte ein Bewusstsein schaffen, dass viele Leute aus dieser Branche gerade wegen Corona hart strugglen.

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Du nutzt deine Plattform für politische Themen wie für Black Lives Matter, die Queere-Szene, Sexworker etc, Hast du bei “Sing meinen Song” deine Botschaften unterbringen können?
Auf jeden Fall! Ich würde nicht ins Fernsehen gehen, um da nichts zu sagen. Mir war immer klar, dass ich nur Songs nehmen werde, die krasse Aussagen haben. Ich habe in der Sendung auch selbst einen Song performt, in dem ich das Schwarzsein in Deutschland thematisiere. (DA)