Donnerstag, 21. November 2019 20:54 Uhr

Olivia Jones ist jetzt 50. und Schluss ist noch lange nicht!

Olivia Jones alias Oliver Knöbel. Fotos: imago images / Future Image - STAR PRESS/BECHER

Am heutigen 21. November ist ein großer Tag für Travestiekünstlerin Olivia Jones, denn heute feiert die Kiez-Queen der Hamburger Reeperbahn ihren 50. geburtstag. Ein halbes Jahrhundert ist also Oliver Knöbel, wie die Dragqueen bürgerlich heißt, heute auf dieser Erde. Die mittlerweile nicht mehr 2,07m sonder dank OP nun nur noch 1,95m große Kiez-Ikone hat bereits bei Shows wie „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ mitgewirkt, betreibt mittlerweile verschiedenste Lokalitäten auf der Sündenmeile Hamburgs und bietet regelmäßig Touren durch die Kieze ihrer Wahlheimat an.

Olivia Jones ist eine wahrhafte Institution und steht für viele Dinge: Sie ist eines der Aushängeschilder St. Paulis, macht sich stark für Toleranz, kämpft für ein buntes Hamburg und hat einen siebten Sinn fürs lohnende Geschäft. Vor allem ist Deutschlands Kult-Frauspieler ein Mensch, der genau das tut, was ihm Spaß macht.

Quelle: instagram.com

„Das klingt ja, als wäre ich 90″

Egal wo sie auftaucht ist die nun 50-jährige Frauspielerin ein echter Hingucker, denn nicht nur mit ihrer Körpergröße, auch mit ihrer stets auffälligen und bunten Kleidung, den opulenten Perücken und den schwindelerregend hohen High Heels sticht die gebürtige Niedersächsin stets hervor. Wer die Drag Queen nicht kennt, der lebt wohl hinterm Mond. Schon längst hat sich die Künstlerin mit ihrem politischen Engagement und ihrem Auftreten ihren Platz in der High Society der Unterhaltungsbranche gesichert. In den vergangenen Jahren kam außerdem ihr kleines Imperium hinzu, das sie sich Stück für Stück aufbaute und immer weiter auszubauen scheint. So hat sich die Unterhaltungskünstlerin bereits viele ihrer Kindheitsträume erfüllen können.

Jetzt könnte man sich doch an ihrer Stelle zur Ruhe setzen, mag so mancher denken – aber nicht mit Olivia! für die ist damit nämlich noch lange nicht Schluss. „Diesen Satz muss ich jetzt immer häufiger über mich lesen. ‚Olivia Jones denkt noch immer nicht ans Aufhören!‘. Was ist denn das für ein Satz? Das klingt ja, als wäre ich 90 oder so“, entgegnet die Unternehmerin resolut. Immerhin mache sie nun endlich das, was sie schon immer tun wollte, begründet sie. „Das ist meine Berufung. Ich werde das mit 80 und 90 noch machen, ob das Publikum will oder nicht!“, entgegnet die Kiezgröße nachdrücklich.

Olivia Jones ist jetzt 50. und Schluss ist noch lange nicht!

Foto: imago images / Jürgen Ritter

Aller Anfang war schwer

Schon seit Kindesbeinen an, als sie noch im beschaulichen Springe in Niedersachen aufwuchs, war der heutigen Berühmtheit klar, dass sie auf die Bühnen einer Großstadt möchte – nein, dort hingehört. „Ich bin ja schon aufgetreten, als ich noch zur Schule gegangen bin und hatte immer so abenteuerliche Outfits an.“ Für ihre Familie war es zunächst vor allem „furchtbar unangenehm“, dass der kleine Oliver in Frauenkleidern auftrat. „Ihnen wäre es lieber gewesen, wenn ich Versicherungskaufmann geworden wäre. Ich als Versicherungskaufmann? Ich hätte wahrscheinlich nicht eine Versicherung verkauft!“, so die Travestie-Darstellerin.

Der junge Herr Knöbel ließ sich jedoch nicht beirren, bildete sich unter anderem mit Sprachtrainings, Schauspielunterricht und Maskenbildner-Kursen weiter. Mit der Zeit wandelte sich jedoch auch die Wahrnehmung in der Familie und heute sehen die das ganz anders. „Jetzt sind alle ganz stolz. Und komischerweise waren die, die damals die blödesten Sprüche gemacht haben, die ersten, die ein Autogramm haben wollten“, erklärt Olivia mit ihrem sympathisch dröhnenden Lachen.

1989 folgte der Umzug in die Hansestadt Hamburg, wo sie schließlich mit 18 Jahren in kleineren Bars auf St. Pauli ihre Anfänge machte. „Das war auch eine andere Zeit, das war damals noch deutlich schwieriger. Damals gab es ja noch keine Vorbilder“, so der Paradiesvogel nun 32 Jahre später. Dennoch sei sie gleichzeitig damals aber auch sehr sorglos gewesen. „Mein Ziel war einfach, davon irgendwann leben zu können. Ich wollte nicht berühmt werden, sondern mich ausleben und in meinem Leben den größtmöglichen Spaß haben“, erinnert sie sich.

Lilo Wanders halb bei der Karriere

Bald darauf stellte sie sich im Theater ‚Schmidt Tivoli‘ vor, das damals noch von Ernie Reinhardt alias Lilo Wanders geleitet wurde. Olivia beeindruckte mit ihrer Erscheinung und der außergewöhnlichen Körpergröße von ursprünglich 2,07 Metern. Lilo verhalf ihrem Schützling zu ersten Auftritten im ‚Pulverfass Cabaret‘ und wenig später bekam die kunterbunte Größe auch schon ihre erste eigenen Show im ‚Schmidt Theater‘ auf der Reeperbahn, der Rest ist Geschichte.

Olivia Jones ist jetzt 50. und Schluss ist noch lange nicht!

Foto: imago images / Future Image

Königin ohne Reich

Im Laufe der Jahre machte die Unterhaltungskünstlerin auch international unter dem Titel ‚Miss Drag Queen of the World‘ von sich reden, der ihr 1997 in Miami verliehen wurde. Dieser Erfolg verschaffte ihr mehr Engagements, mehr Präsenz im Fernsehen, mehr Durchsetzungskraft auf der Reeperbahn und mehr Berühmtheit. 2008 mündete dies in ihrer ersten eigenen Lokalität die ‚Olivia-Jones-Bar‘ in der Großen Freiheit.Bis heute noch wird in der Schlagerbar allabendlich gesungen, geschunkelt und gefeiert. Seither sind vier weitere Clubs und Bars, die sie als ihr eigen betiteln kann, gleich nebenan dazu gekommen. Außerdem bietet sie Kiezführungen an sowie Hafen- und Stadtrundfahrten. Rund 100 Menschen zählt das Team der ‚Olivia Jones Familie‘ mittlerweile, die die Namensgeberin alle als eine große Familie um sich vereint hat. Dass sie damit vielen Paradiesvögeln ein Nest und auch eine Plattform gebe, mache sie sehr stolz – und das zurecht.

Ein kleines Imperium nennt die Mutter der Paradiesvögel ihre Geschäfte jedoch nicht. „Ich werde vielleicht ‚Königin von St. Pauli‘ genannt, bin aber eine Queen ohne Reich. Im Gegensatz zu vielen anderen, habe ich meine Bars und Clubs nur gemietet. Das vergessen viele“, wiegelt sie ab. Trotzdem sehe sie sich in einer besonderen Verantwortung: „Wir versuchen immer auch, ein Stück vom alten St. Pauli in die heutige Zeit zu retten, durch kreativen Denkmalschutz und Projekte wie unsere kostenlosen Kieztouren zum Tag des offenen Denkmals.“ Die paradiesische Erscheinung arbeitet nicht nur in und für St. Pauli, seit 30 Jahren wohnt sie auch dort und läuft meist alle Wege zu Fuß. Natürlich immer nur als Olivia, niemals als Oliver.

Ein Leben für den Kiez

Das obwohl sie bis zu zwei Stunden dauert braucht, diesen Teil ihres Lebens mit Make-up, Perücke und Kostüm zu perfektionieren. „Ich habe ein tolles Doppelleben, das ich sehr genieße“, erklärt die Show-Ikone. Die Anonymität als Mann liebt sie gleichzeitig aber auch. „Ich habe schon diesen Selbstdarstellungstrieb, den ich gern auslebe. Aber den muss ich nicht 24 Stunden haben“, erklärt die 50-jährige. Sie sei froh, dass sie auch auf den Hamburger Jahrmarkt ‚Dom‘ oder in ihre eigenen Läden gehen und dort mit Gästen über sich reden könne, weil sie nicht erkannt werde und das ist für sie einfach „total lustig“.

In beiden Leben steht sie aber seit Jahren schon für eine bunte Republik, Offenheit, Aufklärung, Vielfalt und Toleranz ein. Von vielen Seiten wird sie dafür auch geschätzt. „Sie hat keine Villa in Irgendwo und greift dann hier nur ab, sondern sie lebt hier und hilft den Menschen, die hier leben. Das finde ich richtig gut“, so die Quartiersmanagerin der Reeperbahn Julia Staron kürzlich dazu. Zu ihrem großen runden Geburtstag hat Olivia Jones wohl auch deshalb einen klaren Wunsch: „Ich würde mir für die Gesellschaft wünschen, dass wir irgendwann alle so tolerant geworden sind, dass wir eigentlich keinen Christopher Street Day mehr brauchen.“ [KT/dpa]

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