Montag, 6. August 2018 13:50 Uhr

One-Shot-Tatort sorgt am Sonntagabend für Horrorquote

Ein „Tatort“ mit weniger als fünf Millionen Zuschauern? Eine absolute Seltenheit. Der Schweizer Krimi „Die Musik stirbt zuletzt“ wird als einer der publikumsschwächsten in der Geschichte eingehen. Der Krimi wurde mit nur einer Kamerafahrt ohne einen Filmschnitt gezeigt. Vorreiter war ‚Russian Ark‘ von 2002, der mit einer Steadicam in einer einzigen Einstellung gedreht wurde.

One-Shot-Tatort sorgt am Sonntagabend für Horrorquote

Foto: ARD Degeto/SRF/Hugofilm

2015 kam der Film ‚Victoria‘ in die Kinos. Auch dieser Film mit einer Länge von 140 Minuten ist in einer einzigen Kamerafahrt gedreht worden, war allerdings sehr erfolgreich.

Weite Teile des TV-Publikums haben dem Schweizer ARD-„Tatort“ am Sonntagabend nun die kalte Schulter gezeigt. Lediglich 4,79 Millionen Zuschauer verfolgten ab 20.15 Uhr den Krimi „Die Musik stirbt zuletzt“, der von Regisseur Dani Levy in einer einzigen Kamerafahrt gedreht wurde. Der Marktanteil betrug 17,5 Prozent. Der bislang schwächste „Tatort“-Krimi in der jüngeren Vergangenheit war der 130 Minuten lange Kinofilm „Off Duty“ mit Til Schweiger am 8. Juli dieses Jahres, der 5,34 Millionen Zuschauer bei einem Marktanteil von 18,6 Prozent hatte.

Rekordtief im Sommer 1998

„Hiob“, ein „Tatort“-Fall aus Österreich, kam im Jahr 2010 auf 5,93 Millionen Zuschauer – gefolgt vom Kieler „Tatort: Borowski und das Fest“ 2017 mit 6,11 Millionen und dem Schweizer Krimi „Schutzlos“ 2015 mit 6,12 Millionen. Im Jahr 1999 lag der MDR-„Tatort“ mit dem Titel „Auf dem Kriegspfad“ nur bei 4,67 Millionen Zuschauern und damit unter dem Schweizer Fall – auch mitten im Sommer.

One-Shot-Tatort sorgt am Sonntagabend für Horrorquote

Foto: ARD Degeto/SRF/Hugofilm

Den absoluten Minusrekord hält ein Berliner „Tatort“ („Ein Hauch von Hollywood“), der ausnahmsweise an einem Montagabend im Sommer 1998 um 23.20 Uhr gezeigt wurde. Ihn sahen lediglich 1,11 Millionen Menschen. Ein guter „Tatort“ dagegen erreicht um die neun, manchmal auch deutlich über zehn Millionen Zuschauer.

„Angesichts des Stoffs, der dramaturgischen Umsetzung und des experimentellen Ansatzes von Dani Levys „Tatort“ ist das für einen Sonntagskrimi mitten in der Sommerhitze in meinen Augen ein sehr respektables Ergebnis“, sagte ARD-Programmdirektor Volker Herres am Montag. „Aber natürlich sind das nicht die Zuschauerzahlen, die wir uns für einen ‚Tatort‘ in der ‚Hauptsaison‘ wünschen.“

Ist das Wetter schuld?

Auch der „Tatort“-Experte François Werner, der die Fanseite „Tatort-Fundus.de“ betreibt, bringt die schwache Quote mit den hohen Temperaturen in Verbindung, ergänzt aber, dass sich viele Zuschauer sicherlich an der „unkonventionellen Machart“ mit einer Erzählerfigur gestört hätten. Daher sei der Film bewusst in der Sommerzeit „versteckt“ worden.

Trotz der vergleichsweise niedrigen Zuschauerzahl lag der Krimi vor dem Testspiel des FC Bayern München gegen Manchester United (1:0) auf RTL, das in der ersten Halbzeit 3,14 Millionen Zuschauer (11,7 Prozent) und im zweiten Durchgang 3,44 Millionen (12,7 Prozent) sahen. (dpa)

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