27.12.2020 18:30 Uhr

OnlyFans: Was steckt eigentlich hinter dem Phänomen?

Für heiße Bildchen und Pornos zu bezahlen, ist eigentlich kein neues Geschäftsmodell, doch OnlyFans mausert sich gerade weltweit zu einem echten Phänomen. Selbst Beyonce singt im "Savage"-Remix darüber, sich dort ihren eigenen Account zuzulegen. Jetzt stellt sich nur die Frage: Was genau ist das? Und warum dieser Hype?

imago images / agefotostock

OnlyFans ist wie Instagram für Erwachsene, nur dass der Content größtenteils ziemlich heiß bis hardcore-pornös ist. Allerdings sind dort nicht alle Inhalte zwangsläufig erotisch – aber der Großteil. So finden sich dort neben FSK 18-Inhalten auch beispielsweise Kochvideos oder Clips von Mode-Influencern und Sportlern, die für Geld ihren Followern ihren Content zeigen.

Wie Instagram für Erwachsene

User können dort den sogenannten „Creators“ kostenpflichtig mit einer Monatsmitgliedschaft folgen. Preistechnisch gehen die Abos in der Regel bei etwa fünf Euro los. Dafür bekommen die Follower dann oft recht private Einblicke, die man sonst nirgends bekommt. Quasi den Blick durchs berühmte Schlüsselloch.

Während Plattformen wie Instagram und Facebook streng gegen Freizügigkeit vorgehen, ist bei OnlyFans Nacktheit ausdrücklich erlaubt und das scheint gerade voll den Nerv der Zeit zu treffen. So hat die Website nach eigenen Angaben weltweit mehr als 85 Mio. Nutzer und Umsätze von mehr als 2 Milliarden US-Doller. Deshalb gibt es immer mehr neue Anbieter wie JustFans oder auch Patreon, die nach demselben Prinzip funktionieren: Content mit einer Bezahlschranke. OnlyFans ist in diesem Bereich aber am bekanntesten.

Der Blick durchs Schlüsselloch

Die Leute, die auf der Plattform anzutreffen sind, sind so vielseitig wie das Internet selbst. Auf der einen Seite gibt es dort die üblichen Porno-Stars, die bei OnlyFans & Co einen weiteren Vertriebsweg gefunden haben, um ihren Content an ihre Crowd zu bringen. Seitdem Ex-Disney-Sternchen Bella Thorne bei OnlyFans innerhalb von nur 24 Stunden angeblich 1 Million US-Dollar verdient haben soll, eifern ihr gerade viele A-bis-Z-Promis nach.

So treiben sich neben Cardi B., Tyga und Michael B. Jordan auch deutsche Promis wie Georgina Fleur oder auch Bastian Yotta auf der Plattform rum. Dort herrscht eine regelrechte Goldgräberstimmung. Den Großteil der Anbieter machen auf der Plattform aber „Normalos“ aus, die für Geld tief blicken lassen. Einer von ihnen ist Martin aus Waren.

OnlyFans: Was steckt eigentlich hinter dem Phänomen?

Martin Foto: Yasha

„Privatleuten zuzusehen ist doch viel aufregender, oder?“

Er hat ein OnlyFans-Profil auf dem er erotische Videos von sich teilt. Das macht er aber nicht nur um Geld zu verdienen, sondern auch um seine exhibitionistische Ader zu leben und um seinen Puppy-Play-Fetisch zu präsentieren. „OF ist für mich ein sicherer Raum. Wenn ich da Videos von mir hochlade, dann bin ich entspannt und fühle mich sicher und das merkt man auch beim Gucken der Videos. Das macht auch diese Faszination aus. Klar, du kannst dir im Netz einen Porno mit den üblichen Stars angucken, aber Privatleuten zuzusehen ist doch viel aufregender, oder?“

So sieht das auch Amateur-Erotikdarstellerin Luna: „Ich finde es geil, mich nackt zu zeigen.“ Durch ihre Arbeit als Cam-Girl habe die 29-Jährige bisher nicht nur Geld verdient, sondern – für sie noch viel wichtiger – Selbstvertrauen gewonnen. Die Komplimente und all die Aufmerksamkeit der Follower hätten sie zu einer selbstbewussteren Frau gemacht, erklärt sie.

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Foto: lunaticminx

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„Ich biete Online-Erotik und das war’s!“

Aber auch insgesamt sei OnlyFans für das erfahrene Webcam-Girl ein spannendes Arbeitsumfeld. „Die Provision, die man durch OnlyFans bekommt, ist unschlagbar. 20% nimmt die Plattform, die restlichen 80% darf man behalten. Das bekommt man so auch bei keinem anderen Anbieter. Außerdem sehen nur die Abonnenten den eigenen Content und sonst niemand! Das finde ich gut!“

Auch insgesamt sei die Plattform sehr familiär. Die User seien sehr höflich und respektvoll, verrät Luna, die schon seit drei Jahren mit Erotik im Netz ihr Geld verdient. Das stereotypische Bild des schmierigen Users, der mit fiesen Wünschen und Drohungen daherkommt, sei einfach falsch. „Klar, schreiben einen manchmal Typen. Aber wenn man etwas nicht möchte, dann sagt man das ganz offen und dann ist auch wieder gut!“ Ein Tabu habe sie aber: Live-Treffen! „Oft fragen mich Fans, ob ich mich mit ihnen real treffen möchte. Das mache ich aber nicht. Ich biete Online-Erotik und das war’s!“

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Foto: Bleshporn

Das Spiel mit der Sehnsucht

So sehen das auch Tim und Julian aus Berlin. Das Paar ist seit sieben Jahren zusammen und dreht seit über vier Jahren Pornos. Auch sie bekommen regelmäßig Dating-Anfragen von Usern und lehnen diese freundlich, aber bestimmt ab. „Das machen wir nicht. Punkt.“ Doch zurück zur eigentlichen Frage: Warum bezahlen Leute für Sexfilme, wenn es alles auch umsonst im Internet gibt? Um einen weiteren Anreiz für die User zu schaffen, arbeiten OnlyFans und Co mit neuartiger Software, um zu verhindern, dass dort gepostete Bilder und Filmchen mitgeschnitten werden und im Netz landen.

Experten gehen davon aus, dass diese Webseiten bei den Usern so beliebt sind, weil dort oft Neugierde und die Sehnsucht, diesen Creators besonders nahe zu sein, zusammentreffen. Die Plattformen gaukeln den Nutzern eine gewisse Nähe vor und geben ihnen das Gefühl, näher am Geschehen zu sein, als man es sonst an einem Standard-Pornofilm sein könnte. Kurz zusammengefasst gehe es hier für viele um Voyeurismus und Neugierde. Diese könne zu einem oft erschwinglichen Preis befriedigt werden. Zudem bieten viele Creators ihren Fans auch kostenpflichtige Zusatzleistungen wie Privatchats und Extravideos an. Für Geld ist also recht viel möglich bei OnlyFans & Co.

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Martin Foto: Yasha

Die Sache mit dem Geld

Doch wie sieht es eigentlich mit den Einnahmen bei den Leuten vor den Kameras aus? Wie viel kann man da wirklich verdienen? „Das kommt immer ganz auf einen selbst an und wie viel Zeit und Mühe man dahinein investieren möchte“, sagt Puppyplayer Martin. Für ihn sei es einfach ein lukratives Hobby, mit dem er regelmäßig seinen Partner in schicke Restaurants ausführen könne.

Auch Tim und Julian sehen die Sache mit ihrem Profil nicht so verbissen. Auch für sie sei es nur ein Hobby. „Mit unseren Hauptjobs verdienen wir unser Geld und zahlen unsere Rechnungen. Alles, was mit den Filmen reinkommt, ist on top und für den Spaß.“ Beide haben das Gefühl, dass viele OnlyFans und seine Folgen falsch einschätzen und die Arbeit als Creator zu sehr auf die leichte Schulter nehmen. Am Ende des Tages ist es nicht nur schnelles Geld, sondern man muss auch abliefern! Und das regelmäßig.

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Foto: lunaticminx

„Es sollte vor allem Spaß machen“

Sie hätten schon von Fällen gehört, die in extrem harter Arbeit und Stress ausgeufert wären. „Wenn man Only Fans nur macht, um Geld zu verdienen, ist das für die Seele und das Sozialleben nicht gut. Es sollte vor allem Spaß machen“, stellen sie fest. Auch Luna will sich nicht komplett auf ihre OF-Einnahmen verlassen müssen und arbeitet nebenbei noch in einem anderen Job. Sie könnte, wenn sie wollen würde, von ihrer Arbeit als Cam-Girl zwar leben, aber sie müsste extrem viel Zeit darein investieren. Aber auch für sie sei es wichtig, in erster Linie Spaß an der Sache zu haben.