01.02.2020 17:55 Uhr

Opernball-Skandal: Nach Judith Rakers sagt Mareile Höppner jetzt wieder ab

imago images / Horst Galuschka

Der Semperopernball 2020 steht offenbar unter keinem guten Stern. Vor wenigen Tagen verkündete ARD-‚Brisant‘-Moderatorin Mareile Höppner, dass sie ihre ‚Tagesschau‘-Kollegin Judith Rakers bei dem renommierten Dresdner Ball vertritt, nun tritt sie von dem Job an der Seite von Roland Kaiser plötzlich wieder zurück.

Der MDR-teilte via Twitter am Samstagnachmittag mit: „Mareile Höppner hat uns mitgeteilt, dass sie in den vergangenen Tagen einen unerträglichen Grad an Hass bis hin zu Bedrohungen erleben musste. Sie wird daher den diesjährigen Semperopernball nicht moderieren“. Hintergründe Über die Art der Bedrohung wurden nicht bekannt.

Opernball-Skandal: Nach Judith Rakers sagt Mareile Höppner jetzt wieder ab

Hans-Joachim Frey hat derzeit nix zu lachen. Foto: imago images / xcitepress

Drohungen gegen Höppners Familie?

Die 42-jährige Moderatorin erklärte auf Insta: „Ich wurde gebeten, den SemperOpernball zu übernehmen. In einer sehr schwierigen Phase. Ein Abend für Dresden sollte es werden. Für die Stadt und die Menschen. Die mir so viel bedeuten. Jetzt erst recht. (…) Ich hatte gehofft, nach all den Skandalen und der sehr berechtigten Kritik an der Auswahl eines Preisträgers, dass ich diesen Abend für ein neues Zeichen, für einen Abend im Sinne unserer guten demokratischen Werte, würde gestalten können.“

Weiter heißt es: „Statt dessen haben einige Reaktionen jede Grenze überschritten: Ich bin nun Opfer und Zielscheibe von schlimmstem Hass und Anfeindungen geworden. Selbst vor meinem Kind wurde dabei nicht halt gemacht.“

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Mareile Höppner (@mareilehoeppner_official) am Feb 1, 2020 um 8:11 PST

Eklat um Orden für Ägyptens Machthaber

Der MDR habe Höppner juristische Unterstützung angeboten. Den Semperopernball wolle der in Leipzig beheimate Sender dennoch übertragen. „Diese Entscheidung beruhte auf dem Wissen, was der Ball tausenden Dresdnerinnen und Dresdnern und Gästen bedeutet und dass der Semperopernball für sie alle für Weltoffenheit, Toleranz und Freiheit steht.“ Künftige Übertragung wolle man aber „auf den Prüfstand stellen“.

Rakers erklärte dann am Montag via Twitter: „Ich habe den Ballverein bereits am Montag um Auflösung des Moderations-Vertrages gebeten und warte noch immer auf Zustimmung“. Der Veranstalter reagierte mit leichter Verzögerung: „Als Semperopernball respektieren wir den Wunsch von Judith Rakers. Wir haben in ihrer Rolle als Tagesschau-Sprecherin volles Verständnis dafür.“

„Die Verleihung war ein Fehler“

Hintergrund war ein Eklat den Ballchef Prof. Hans-Joachim Frey (54). Der hatte am letzten Sonntag dem ägyptischen Machthaber Abdel Fattah al-Sisi (65) den St. Georgs Orden verliehen und ihn laut Presseberichten u.a. als „Friedensstifter“ bezeichnet. Nachdem Judith Rakers mit Absage drohte und auch der MDR, der die Veranstaltung live überträgt, eine Missbilligung aussprach, habe der Ballverein reagiert.

„Wir möchten uns für diese Preisverleihung entschuldigen und davon distanzieren“, erklärte Frey. „Die Verleihung war ein Fehler.“ Laut ‚Bild‘-Zeitung habe al-Sssi „den 8000-Euro-Orden“ behalten dürfen.

Der Ball findet am 7. Februar zum 15. Mal in Dresden statt.

UPDATE: Ball-Vereins-Chef Hans-Joachim Frey teilte am Samstagabend mit: „Wir sind schockiert über die Hetze und den Hass, die Mareile Höppner plötzlich in den vergangenen zwei Tagen trafen.“ Dass sie solchen Anfeindungen ausgesetzt sei, „lag außerhalb aller Vorstellungskraft und entsetzt uns zutiefst“. Mit großer Sorge werde gesehen, „wie einige wenige dem Semperopernball mit völliger Unnachgiebigkeit und Unversöhnlichkeit gegenübertreten und dabei vor keinem Mittel, nicht einmal vor persönlichen Bedrohungen zurückschrecken.“ (dpa)