21.11.2020 19:45 Uhr

Oscar Kaufmann: Aus dem harten Leben eines Supertalents

Artist Oscar Kaufmann aus Berlin schlüpft bei „Das Supertalent“ in die Rolle eines Gentlemans und zeigt eine beeindruckende und neue Performance an einer Garderobenstange, die er zu einer Flying Pole umfunktioniert hat.

Foto: Oscar Kaufmann

Oscar wurde schon im Alter von elf Jahren Mitglied des Jugendensembles im Berliner Friedrichstadtpalastes. Es folgte die Ausbildung an der berühmten Staatlichen Schule für Artistik, die er 2014 erfolgreich abschloss.

Seitdem tritt er mit verschiedenen Nummern in Varietéshows und bei bekannten Tourneen und Veranstaltungen auf. Oscars Paradedisziplinen sind das Cyr-Rad und die Luftakrobatik an den Strapaten. Sein Wissen und Können gibt er auch in Workshops weiter, bei denen er seinen Schülern hilft, die Technik zu erlernen und mit seinem Know How als Regisseur sogar mit ihnen eigene Acts erarbeiten kann.

Oscar Kaufmann: Aus dem harten Leben eines Supertalents

Foto: TVNOW / Stefan Gregorowius

Was macht so ein Artist wie Oscar beim RTL-„Supertalent“ – und überhaupt sonst so? Und wie kommt er mit dem Berufsverbot in Pandemiezeiten zurecht? Das hat der 25-Jährige im Gespräch mit klatsch-tratsch.de verraten.

Warum bist Du beim „Supertalent“?
Das „Supertalent“ ist eine tolle Möglichkeit meinen Act und Arbeit mit sehr vielen Menschen zu teilen. Es ist wundervoll so viele Menschen auf einmal erreichen zu können. Gerade jetzt wo es uns Künstlern ja nicht oft möglich ist unser Talent zu zeigen. Außerdem entsteht wundervolles Videomaterial das einfach nur toll ausseht.

Oscar Kaufmann: Aus dem harten Leben eines Supertalents

Foto: TVNOW / Stefan Gregorowius

Artisten haben ja keine Lobby im TV, gäbe es Shows wie Das Supertalent nicht, fänden sie da gar nicht statt.
Ja, leider werden diese TV-Shows immer weniger. Wenn man in Fernsehproduktionen in Deutschland mit macht, ist man entweder beim Supertalent oder Hintergrundbeiwerk bei einem „Superstar“. Das ist leider sehr schade und wird der Arbeit und Liebe die wir Artisten in die Entwicklung unserer Acts stecken leider kaum gerecht. Ich denke es ist sehr schwierig das Talent über den Fernseher zu transportieren. Mit 7 Sekunden Videos auf Youtube und schnellen Aktionfilmen aus Hollywood ist es sehr schwer zu konkurrieren. Das wird sich so schnell glaube ich nicht ändern. Da müsste man schon auf ein sehr gutes TV-Konzept kommen.

Beim „Supertalent“ präsentierst du eine Pole-Nummer. Erzähl uns mehr darüber.
Ja es ist ein ganz besonderer Pole (Mast), denn es ist ein fliegender Hutständer, mit dem ich arbeite. Ich möchte das Publikum auf eine magische Reise nehmen und dabei nicht nur mit Tricks überzeugen sondern auch mit einem Charismatischen Charakter.

Oscar Kaufmann: Aus dem harten Leben eines Supertalents

Foto: TVNOW / Stefan Gregorowius

Es gibt immer noch weltweit Artistenschulen. Dabei sagen ja viele „das ist eine brotlose Kunst. Welchen Tipp gibst du Teenies, die gerne Artist werden wollen, deren Eltern aber was dagegen haben?
Ja ich kann nur sagen, dass es für mich immer gut funktioniert hat. Ich habe vom ersten Tag an auf eigenen Beinen gestanden und habe in 7 Jahren auf hunderten Bühnen in mehr als 20 Ländern gestanden. Es ist kein einfacher Job, aber dafür fühlt es sich fast nie nach Arbeit an. Aber: Man muss aber definitiv immer an sich arbeiten und fleißig trainieren.

Was ist das Geilste im Leben eines Varieté-Künstlers?
Vor allem das viele Reisen. Ich habe wunderbare Kollegen und Freunde auf der ganzen Welt.

Ist der Zirkus nicht tot, seit es YouTube gibt? Dort finden ja die waghalsigsten Stunts quasi auf der Strasse und damit im Netz statt. Es braucht nur eine Kamera und einen Account.
Viel passiert heutzutage tatsächlich online, aber auch die Leute in diesen Videos brauchen Jobs. Von einem Video mit vielen Likes kann man nicht leben. Die Shows und das gesamte Business finanzieren ja irgendwie die Online-Inhalte. Ich habe viele Freunde mit 100.000en Followern – aber auch die arbeiten für normale Varietés.

Was wäre dein Traumjob?
Ich würde sehr gerne mal wieder im Friedrichstadt-Palast arbeiten. Als Kind war ich dort nämlich als Darsteller und Sänger und würde mich riesig freuen da irgendwann hin zurück zu kommen. Es gibt aber auch tolle namenhafte Shows in Paris in denen ich gerne mal Auftreten würde.

Du hast eine professionelle Ausbildung als Artist und bist ja schon 14 Jahre im Showzirkus. Was hat sich in dieser Zeit in Deinem Leben – und im Show-Biz geändert?
In aller erster Linie habe ich mich geändert. Ich habe die Reise ja mit elf Jahren begonnen. Damals habe ich die Bühne gar nicht als möglichen Lebensweg wahrgenommen. Das war einfach nur ein tolles Hobby. Erst im Nachhinein kommt einem der Werdegang so geradlinig vor. Seit der Absolvierung an der Artistenschule wurden die Bühnen und Shows immer größer, internationaler und anspruchsvoller.

Oscar Kaufmann: Aus dem harten Leben eines Supertalents

Foto: Oscar Kaufmann

Erzähl bitte über Deine Zeit beim Cinque Du Soleil. 
Ich war 2017/18 für neu Monate beim Cirque. All die neuen Eindrücke waren toll. Ich habe zuvor noch nie in einer so großen Produktion, wie „Amaluna“ mitgewirkt. Es sind ja knapp 50 Künstler auf der Bühne. Mit all den Technikern, Köchen, Büroleuten usw. waren wir fast 100 auf Tour durch Südamerika. Es war eine große Ehre, aber die Einseitigkeit immer wieder genau den gleichen Act und die gleiche Show zu spielen wurde mir irgendwann langweilig.

Du bist u.a. Strapaten-Artist. Das erfordert ja wahnsinnige Kraft in Armen und Schultern. Wie kann man sowas erlernen?
Ich habe in der Artistenausbildung langsam angefangen mit Krafttraining und Dehnung an den Strapaten. Meine Trainer hatten mich damals gewarnt zu schnell auf einmal die Tricks erlernen zu wollen. Vorher müssen die Grundvoraussetzungen stimmen. Dafür bin ich jetzt auch sehr dankbar. Man kann sehr schnell Schulterprobleme bekommen und ich war damals noch ein kleines ummuskulöses Hemd.

Seit Monaten hast auch Du keine Auftritte. 
Ich habe unzählige Jobs verloren. Unter anderem eine Tour durch Deutschland, einen Vertrag mit einem Kreuzfahrtschiff und eine Spielzeit auf den Bahamas. Viel konnte man da nicht machen. Deshalb bin ich auch zum Supertalent gegangen, um überhaupt eine Plattform zu haben. Außerdem habe ich trainiert, um mich fit zu halten und neue Inhalte erarbeitet.

Oscar Kaufmann: Aus dem harten Leben eines Supertalents

Foto: Oscar Kaufmann

Wie hältst du Körper und Kondition in dieser Zeit überhaupt fit?
Ich trainiere manchmal Zuhause mit Workout-Videos von Youtube oder manchmal auch in der Gruppe. Dann haben wir Freunde eine Videokonferenz und jeder schlägt mal eine Übung vor. Zum Glück konnte ich aber auch unter Beachtung der Hygienevorschriften in einem Studio für Artisten trainieren.

Welche staatliche Unterstützung bekommst Du?
Im ersten Lockdown habe ich als Berliner 5000 Euro bekommen. Das sollte dann für ein halbes Jahr reichen. Daraufhin musste ich dann irgendwann Hartz 4 beantragen. Das ist leider kein gutes Gefühl, wenn man sein Leben lang nie ein Cent von jemand anderes annehmen musste. Außerdem ist der Generalverdacht vom Amt, dass man das Geld gar nicht braucht völlig erniedrigend. Zum Glück kam ich da nach wenigen Monaten wieder raus, da ich vereinzelte Jobs bekommen habe und zuletzt länger beim „Wintergarten Varieté“ in Berlin untergekommen bin.

Denkt man in solch schweren Pandemiezeiten darüber nach, aufzugeben?
Ich habe nicht darüber nachgedacht aufzugeben, aber definitiv mir weiter Standbeine aufzubauen die unbetroffen sind durch die Pandemie.